Bange Blicke an Gleis 12

Wieder Einsatz wegen Gepäck: Wie sicher ist der Münchner Hbf?

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Was Ernstes? Vorbeihetzende Passanten blicken Richtung Polizisten. Sie schirmen drei Gepäckstücke ab. Von den Besitzern fehlt in diesem Moment jede Spur.

München - Bange Blicke der Passanten: Am Mittwochmorgen sichern Polizisten drei herrenlose Gepäckstücke auf Bahnsteig 12. Die Angst steht den Reisenden ins Gesicht geschrieben.

"Die Besitzer der drei Gepäckstücke an Gleis 12, Abschnitt A, mögen bitte sofort zu ihnen kommen, sie fühlen sich einsam." Sie fühlen sich einsam? Die Lautsprecheransage am Mittwochmorgen im Bahnsteigbereich des Münchner Hauptbahnhofs war mit viel Sarkasmus gespickt. Als könnte der Sprecher sich selbst nicht mehr hören. Was passierte: Wie schon am Freitag und Montag bekam die Polizei Hinweise auf herrenlose Gepäckstücke. Diesmal nun, am Mittwoch also, auf einer Bank neben Gleis 12. Drei Polizisten sicherten den Bereich, warteten auf den Besitzer. Erneut ein Fehlalarm?

"Können nicht zu jedem Fall Auskunft geben"

Bundespolizei-Sprecher Wolfgang Hauner sagt auf Anfrage unserer Onlineredaktion: "Bitte haben sie Verständnis, wir können nicht zu jedem Fall Auskunft geben." Hinweise auf alleinstehende Taschen, Koffer und Einkaufstüten gehören seit dem Terror in Paris zum Tagesgeschäft. Und: Nach der Länderspielabsage in Hannover wirken die Passanten noch ängstlicher.

Aus den sichtlich verstörten Gesichtern war Mittwoch Morgen recht deutlich die Frage zu lesen: Wie sicher bin ich eigentlich hier am Münchner Hbf? Hauner: "Eine konkrete Gefahr besteht nicht, aber natürlich fassen wir die Gepäckstücke momentan verstärkt ins Auge." Und stellen dabei fest: Meistens sind die Besitzer Flüchtlinge.

Zivilcourage gefragt

"Auffallend oft sind es Migranten, die so unvorsichtig mit ihrem Gepäck umgehen. Sie denken sich nichts dabei, sind sich ihres Handelns nicht bewusst", sagt Hauner, der die Leute um verstärkte Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft bittet. "Wer ein herrenloses Gepäck sieht, soll uns über Polizeibeamte vor Ort oder die zahlreichen Notrufsäulen Hinweise geben." Hilfreich sei zudem: "Die Leute, die ihr Gepäck liegen lassen, darauf aufmerksam machen, es nicht zu tun." Eine neue Form von Zivilcourage.

js

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