Mit Blasmusik gegen den Bagida-Marsch

2300 Demonstranten treffen auf 850 Pegida-Anhänger

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Die Gegendemonstranten am Montagabend am Goetheplatz.

München - Die Stadt bleibt bunt – und ist jetzt auch laut! Das ist die wichtigste Erkenntnis des Montagabends, als sich (diesmal am Goetheplatz) wieder mehrere tausend Münchner versammelten und gemeinsam gegen Fremdenhass und Intoleranz demon­strierten.

Vor einer Woche hatten die Bagida-Gegner noch am Sendlinger Tor in schrillen Kostümen getanzt. Gestern gab’s dafür harmonische Klänge: Viele der Gegendemonstranten hatten Musikintrumente mitgebracht. Unter dem Motto Wir blasen Bagida den Marsch boten bis zu 2300 Münchner den Islamkritikern die Stirn.

Die Gegendemo war diesmal als buntes Musikantentreffen angelegt, ohne Bühne. Oder anders gesehen: mit dem kompletten Goetheplatz als Bühne! Unter anderen war dort Franziska Eimer, bekannt von den Musikantentreffen im Hofbräuhaus, mit vollem Eifer dabei. Zusammen mit ihren Kollegen von der Band Gerner Zipfeklatscher sorgte sie für ordentlich Stimmung. Den ernsten Hintergrund hatte sie aber nicht vergessen: „Ich bin bei jeder Demo dabei, unterstütze auch das Sozialprojekt Bellevue di Monaco. Die radikale Hetze der Bagida-Leute ist einfach furchtbar“, sagte die 34-Jährige und betonte: „Wir heißen alle Menschen in unserer Stadt willkommen. Dafür setzen wir heute ein musikalisches Zeichen.“

Der starke Schneefall, der während der Veranstaltung einsetzte, und die klirrende Kälte taten der Stimmung keinen Abbruch. Ein wärmendes Gegenmittel war schnell gefunden: „Wer nicht hüpft, der ist ein Nazi“, skandierte die Menge. Das Bild von der springenden Menschenmasse erinnerte an eine Welle – in diesem Fall eine Welle der Solidarität. An den Absperrungen zu den Teilnehmern des Bagida-Marsches gab’s zwischenzeitlich Sprechchöre und gellende Pfeifkonzerte. Da war das Einstehen für Toleranz nicht nur sicht-, sondern eben auch hörbar.

Demos im Ticker: Schlusskundgebung beendet

Islamkritiker spielen Nationalhymne

Bagida-Anhänger auf der Lindwurmstraße.

Laut war’s am Montagabend nicht nur bei den Gegendemonstranten mit ihrer Vielzahl an Musikinstrumenten… Laut war’s auch bei den 850 Bagida-Anhängern, die am Ende ihres Marsches am Sendlinger Tor die Nationalhymne vom Band abspielten. Passgenau – es war acht Uhr – dröhnten die Glocken der Matthäuskirche.

Gegen 19.45 Uhr waren die Islamkritiker losmarschiert, zuvor hatte unter anderen Rechtspopulist Michael Stürzenberger gesprochen. Wieder waren die „Lügenpresse“-Rufe zu hören. Unter den Demo-Teilnehmern waren erneut bekannte bayerische Neonazis. Ihr Marsch: begleitet von hunderten Gegendemonstranten, die die Lindwurmstraße säumten. Außer vereinzelten Schneeballwürfen und erfolglosen Durchbruchsversuchen verlief der Marsch relativ friedlich. Es gab offenbar nur wenige Festnahmen.

Dann die Schlusskundgebung am Sendlinger Tor. Der Schneefall wurde deutlich stärker, die Temperatur sank merklich – und parallel dazu ging auch die Teilnehmerzahl der Bagida-Demo rapide zurück. Zwischendurch versagte auch die Lautsprecheranlage ihren Dienst. Allerdings: Aus den Reihen der Verbliebenen hörte man jetzt die Rechten skandieren – unter anderem „Nationaler Widerstand“ und „Deutschland erwache“.

Massiver Polizei-Einsatz am Bahnhof.

Bis dann auch diese Rufe im Lärm aus Trommeln und Trillerpfeifen untergegangen waren, war’s halb neun Uhr abends. Wenig später verzogen sich die Bagida-Anhänger dann in die U-Bahn. Ihr Abgang im Untergeschoss war begleitet von lautstarkem Protest. Nach Angriffen von Linksextremisten in der Woche zuvor glich der Hauptbahnhof auf sämtlichen Ebenen einer Polizeifestung. Heute wird die Polizei die Einsatzbilanz bekanntgeben.

Johannes Heininger, Dorita Plange

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