Brennpunkt Hauptbahnhof

Unfassbare Gewaltexzesse an einem Tag

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München - An keinem anderen Ort in der Stadt prallen so viele Gegensätze aufeinander wie am Hauptbahnhof. Erst am vergangenen Wochenende häuften sich die Alkohol-Exzesse. Lesen Sie hier zwei weitere traurige Höhepunkte vom Brennpunkt.

Bis zu 500.000 Menschen aus aller Welt bevölkern täglich den Münchner Hauptbahnhof. Die meisten sind Reisende und Geschäftsleute. Aber auch der Flüchtlingsstrom nimmt ständig zu. Darüber hinaus gehören Alkoholiker, Junkies und Obdachlose zum Mikrokosmos Hauptbahnhof – und ob der Menschenmassen natürlich auch viele Diebe und Betrüger. Ganz zu schweigen von den Horden von Fußballfans und neuerdings immer montags Neonazis, Bagida-Anhänger und Gegendemonstranten an. An keinem anderen Ort in der Stadt prallen so viele Gegensätze aufeinander, mit denen die 300 Beamten der Bundespolizei-Inspektion am Münchner Hauptbahnhof täglich konfrontiert sind. Erst am vergangenen Wochenende häuften sich die Alkohol-Exzesse. Lesen Sie hier zwei weitere traurige Höhepunkte vom Brennpunkt Hauptbahnhof:

Lebensretter von Alkoholiker attackiert

Leben zu retten und den Hilflosen zu helfen ist nicht nur Martin L.’s (43) Beruf. Es ist seine Berufung. Und die brachte den ausgebildeten Münchner Rettungssanitäter und Intensivfachpfleger am Montag am Münchner Hauptbahnhof unversehens in größte Gefahr.

Martin L. rettete einer Frau das Leben und wurde dafür massiv angegriffen.

Martin L. hatte zusammen mit einem Freund die Schwägerin vom Zug abgeholt. Um 9.30 Uhr verließen die drei den Bahnhof durch den Hauptausgang. Dabei fiel sein Blick sofort auf eine Rollstuhlfahrerin (33). „Sie hing da in einer ganz unnatürlichen Körperstellung mit dem Kopf nach hinten. Mir war sofort klar, dass mit ihr etwas nicht stimmte.“ Martin L. tastete sofort am Hals nach ihrem Puls: „Ich fand ihn nicht. Und sie atmete auch nicht mehr.“ Er legte sie auf den Boden und begann mit der Herzdruckmassage: „Nach sieben oder acht Impulsen atmete sie wieder. Dann öffnete sie die Augen und kam langsam zu sich.“ Martin L. wickelte sie sogar noch in seine Jacke. Sein Freund hatte schon den Notruf 112 angerufen.

Genau in diesem Moment trat der Freund (39) der Frau auf den Plan – bereits um diese Zeit schon völlig betrunken, hochaggressiv und nicht mehr in der Lage, den Ernst der Situation zu begreifen. „Er hat mich übel beschimpft und mich mit der Bierflasche bedroht.“ Mit voller Wucht stieß der 39-Jährige den überraschten Lebensretter rückwärts gegen ein Auto. Martin L. schlug mit dem Hinterkopf hart aufs Pflaster. „Ich war total geschockt. Da standen Hunderte Leute herum, einige zückten ihre Handy-Kameras. Aber keiner hat uns geholfen.“ Mehrere kräftige Bundespolizisten konnten den Tobenden nur mit Mühe bändigen, während seine mittlerweile wieder erwachte Lebensgefährtin hysterisch kreischte und kaum noch zu beruhigen war. Beide gehören zur Alkoholiker-Szene am Bahnhof und haben dort jetzt Hausverbot.

Martin L. kam mit einer Gehirnerschütterung davon. Er arbeitet auf der Intensivstation im Krankenhaus Rechts der Isar und hat Verständnis für gestresste Angehörige, die zuweilen auch mal unverschämt werden: „Aber so etwas ist mir noch nie passiert.“ Nachhaltig beeindruckt hat es ihn nicht: „Ich würde immer wieder genauso handeln.“

Dorita Plange

Randalierer im Supermarkt

Ein betrunkener 22-Jähriger hat am Montagabend bei Yorma’s am Bahnhofsvorplatz randaliert – der Laden musste vorzeitig schließen.

Eigentlich hat die Filiale der Supermarktkette Yorma’s am Bahnhofsvorplatz ihre Pforten bis Mitternacht geöffnet. Ein betrunkener Italiener hat den Angestellten am Montag um 19 Uhr aber einen verfrühten Feierabend beschert. Weil sich Verkäufer Chris L. weigerte, dem stark alkoholisierten Mann ein weiteres Bier zu verkaufen, drehte der Südländer völlig durch und verwüstete die Verkaufsräume. „Er war schon da, als ich meine Schicht um 15 Uhr begonnen hatte“, erinnert sich der 24-jährige Kassierer. Bis zum Abend bleibt der Mann im Supermarkt, kauft und trinkt dort mehrere Flaschen Bier. Als L. seinem Dauergast aber nichts mehr geben wollte, kippte die Stimmung schlagartig. „Weil er dann auch noch geraucht hat, habe ich ihn höflich gebeten, das Geschäft zu verlassen. Dann hat er mich aufs Übelste beleidigt. Ich wollte schon die Polizei rufen – aber da war es zu spät“, sagt Chris L. Der Randalierer schnappte sich einen Stuhl und zertrümmerte damit die Kasse. Kurz darauf schlug er mit seiner Bierflasche auf eine Verkaufsvitrine ein, die dabei völlig zerstört wurde. „ Dann wollte er meinem Kollegen an den Kragen. Gott sei Dank war die Polizei in der Nähe und wurde durch den Krach aufmerksam.“ Die Beamten nehmen den Randalierer sofort fest. Vorläufige Schadensbilanz: 5000 Euro. Am nächsten Morgen konnte Yorma’s wieder öffnen.

Johannes Heininger

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