Stickoxid-Belastung

Bürgerprotest: Anwohner sperren Stinker-Straße

Straßensperrung in der Isartalstraße.

Aus Ärger über die Luftverschmutzung in München werden jetzt die Bürger selbst aktiv. Die Isartalstraße im Dreimühlenviertel ist schmal und stark befahren, die Luft hochbelastet. Den Menschen im Viertel langt es jetzt: Sie sperren die Straße morgen demonstrativ.

München - Tine Hohenberger (50) braucht nur jeden Tag ihr Waschbecken zu putzen, dann hat sie die Münchner Umweltbelastung schwarz auf weiß. „Trotz dichter Lärmschutzfenster dringt Feinstaub in meine Wohnung, legt sich auf Tisch und Armaturen.“ Die Künstlerin wohnt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im Dreimühlenviertel in der Isarvorstadt, im ersten Stock. Draußen rauscht der Verkehr auf der Isartalstraße. Seit voriger Woche weiß Hohenberger: Es ist nicht nur Staub – die Isartalstraße hat auch ein ernstes Stickstoffdioxid-Problem. Jetzt greifen die Anwohner zum letzten Mittel: Morgen Abend um 17.30 Uhr sperren sie die Isartalstraße – zumindest für eine Stunde soll Schluss sein mit Lärm und schlechter Luft. Bis zu 300 Menschen wollen bei der Aktion mitmachen.

260 Straßen in der Stadt überschreiten die Stickoxidgrenze 

Vorige Woche wurde bekannt, dass an 260 Straßen in der Stadt die Stickoxidgrenze zum Teil gravierend überschritten wird. Das heißt: Auf einem Viertel aller Hauptstraßen wird der zulässige Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter übertroffen. Umweltschützer schlagen Alarm. Und jetzt auch die Anwohner. In der Isartalstraße sind es 50 bis 60 Mikrogramm.

Ein Hilferuf und Warnschuss zugleich: „Die Isartalstraße ist stark belastet – wie mindestens 260 andere Straßen in München“, sagt Hohenberger. Die Sperrung ihrer Straße soll stellvertretend für alle die anderen Straßen stehen. „Vor allem die Dieselmotoren pusten giftige Gase in Wohnungen, auf Gehwege und unseren Spielplatz am Roecklplatz“, sagt Hohenberger. „Dazu der Feinstaub. Fatal für die Gesundheit aller, besonders für Kinder, Asthmatiker und Ältere.“

Ihr Protest richte sich gegen die Stadt – mehr aber noch gegen die Autoindustrie: „Der Schutz von Leben und Gesundheit hat Vorfahrt vor wirtschaftlichen und finanziellen Interessen!“ Stadt und Land müssten die Grenzwerte anordnen und durchsetzen. „Jetzt – nicht irgendwann!“ VW, Daimler, BMW & Co. müssten die Folgen ihrer „Trickserein und Betrügereien beseitigen“, sagt Hohenberger. „Wirksam, auf ihre eigenen Kosten – bei allen betroffenen Dieselautos!“

Die Karte zeigt, wo sich die am schlimmsten belasteten Straßen in München befinden. 

Dabei übt sie auch Selbstkritik. Als es hieß, dass bei ihrem Erdgasauto ein gefährlicher Tank verbaut sei, kaufte sich die Familie eine – so dachte sie – grüne und günstige Alternative: einen Diesel von VW. Den benutze sie jetzt nur noch sporadisch.

Wir müssen selbst auch umdenken

„Wir selber müssen umdenken“, sagt sie. „Weniger Autofahren, den Takt der Öffentlichen erhöhen, Freikarten für Jugendliche.“ Das Ausmaß der Belastung habe alle geschockt. „Allein in unserem Haus leben 18 Kinder – vier haben Asthma.“ Stickstoff und Feinstaub stehen im Verdacht, Asthma zu begünstigen. Hohenberger sagt, ihr gehe es nicht darum, alle Autos zu verbannen. Aber Tempo 30 könnte die Stadt einführen.

Bei der Stadt ist die Sperrung zwischen Schäftlarnstraße und Roecklplatz angemeldet. Aus dem KVR heißt es, der Antrag werde geprüft. Egal, wie die Prüfung ausgeht – Hohenberger sagt: „Wir machen das. Das ist unser Bürgerrecht.“

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Kein Durchkommen für Dreckschleudern: Tine Hohenberger und andere Anwohner wollen morgen Abend die Isartalstraße sperren. 

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