Anwohner klagt sein Leid

„Sieht aus wie ein Schlachtfeld“: Corona-Partys verschärfen Lage an Münchens Hotspots - Neues Sorgenkind

In der Pandemie trieb es die Party-Fans in München in lauen Sommernächten massenhaft auf die Straße und an die Isar: Geblieben sind davon riesige Müllberge und Probleme.

München - Der Sommer ist vorbei – und Paul Riedel (61) atmet auf. Seit Jahren kämpft der Isar-Anwohner für saubere Parks, hat sich schon mehrmals an Politiker gewandt. „Aber nichts ist passiert“, klagt er. Dieses Jahr gab es zwar weniger schöne Tage. Wegen der Pandemie sei es an der Isar aber noch mehr zugegangen als sonst. Die Folge der Massenpartys: massenhaft Abfall!

München: Abfall-Massen nach Partys im Corona-Sommer werden zum Problem

Party-Reste an der Isar.

4,5 Tonnen Müll beseitigt die Stadt* durchschnittlich an einem Sommerwochenende allein an der Isar. Kippenstummel, Kronkorken, Verpackungen, Glasflaschen, Grills. „Nach einem Sommertag sieht die Isar früh morgens oft aus wie ein Schlachtfeld“, schimpft Riedel. Gegen 6 Uhr beginnen die Müllentsorger der Stadt ihre Schicht und sammeln die Hinterlassenschaften des Partyvolks ein. Mülleimer quellen über, Flaschen und Dosen liegen teilweise auch im Gebüsch.

Nach der Gaudi: Gärtnerplatz als Müllplatz.

Nach Auskunft des Baureferats entsprach der Einsatz für mehr Sauberkeit an der Isar bereits im Frühjahr dem Standard, der in der Vergangenheit sonst nur an hochsommerlichen Tagen während der Grillsaison nötig gewesen sei: „An der acht Kilometer langen innerstädtischen Isar wurden mit den ersten warmen Tagen im Frühjahr der Reinigungsdienst und das Fassungsvermögen der Gittermüllboxen und Container erweitert.“ Bei schönem Wetter werde die Isar täglich, auch sonn- und feiertags, gereinigt. Durchgehend seien tagsüber zudem Mitarbeiter der beauftragten Reinigungsfirma an besonders stark frequentierten Abschnitten ständig präsent.

München: An beliebten Feierplätzen hat sich Situation durch Corona zugespitzt

Doch auch an anderen beliebten Feierplätzen hat sich die Situation durch Corona zugespitzt. Die städtische Straßenreinigung sei im Dauereinsatz gegen die zunehmende Verschmutzung auf öffentlichen Plätzen. Der Gärtner-, der Kaiser- und der Wedekindplatz seien besonders betroffen. Auch entlang der Leopoldstraße oder auf Gehwegen entlang der Isar und auf den Isarbrücken sei der Reinigungsturnus sowie Anzahl und Größe der Abfallbehälter erhöht worden.

Feiervolk in der Türkenstraße im Sommer dieses Jahres. Für die Anwohner sind die nächtlichen Eskapaden unerträglich.

Jüngstes Sorgenkind: das Uni-Viertel mit der Türkenstraße, wo tausende Feierende bis in die Puppen Party machten – und Dreck (tz berichtete). Um das Müllaufkommen zu bewältigen, prüft die Stadt, ob die bislang außerhalb des Mittleren Rings tätigen Vertragsfirmen auch innerhalb zur Verstärkung eingesetzt werden können. Alle Fahrzeuge der Straßenreinigung seien „maximal ausgelastet“. Der Rathauschef bittet das Baureferat, „so viel Personal wie möglich einzusetzen, um möglichst noch schneller zu werden“. Dieter Reiter betont: Wegen des riesigen Anteils an To-Go-Müll sei es „schwieriger und aufwändiger, die Plätze und Parks in gewohntem Maße sauber zu halten“.

Isar-Anwohner Paul Riedel ist genervt von Lärm und Müll.

Mit den kühlen Temperaturen gibt es für die Reinigungskräfte zwar eine kleine Verschnaufpause. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt. D. Pohl *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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