Die tz auf Reparationstour

Dieser Zug macht die S-Bahn wieder flott

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München - Fast der ganze ­bayerische Zugverkehr wurde durch Sturm Niklas lahmgelegt. Jetzt beginnt das große Aufräumen! Die tz hat die Mitarbeiter der Bahn mit ihrem Reparationszug bei der Arbeit begleitet.

Meter um Meter fährt der Zug die Strecke ab. Fünf Mitarbeiter arbeiten pro „Oberleitungsrevisionstriebwagen“ (Preis: eine Millionen Euro) und richten die Schäden an der Oberleitung. 16 Meter lang und 6,5 Tonnen schwer: Dieser Zug macht die S-Bahn wieder flott!

Insgesamt fünf Züge sind derzeit im Einsatz. Die Züge haben einiges vor sich – bei insgesamt 2750 Kilometer Oberleitung... „Es sind wohl mehr als 100 Kilometer betroffen!“, sagt der Leiter der Instanthaltung der Oberleitung im Großraum München, Martin Gerg.

Die Mitarbeiter müssen bei ihrer Arbeit schwindelfrei sein.

Der Sturm kam für die Bahn nicht überraschend – etwas im Vorfeld konnte sie aber auch nicht unternehmen. „Wir wissen ja nicht, wo etwas passiert“, sagt Anton Knapp von der Bahn. Dafür versucht die Bahn jetzt umso mehr, den Bahnverkehr wieder ins Rollen zu bringen. „Wir haben Mitarbeiter gefragt, ob sie trotz Urlaub arbeiten können“, sagt Knapp. Präventive Maßnahmen betreibt die Bahn das ganze Jahr über. Hauptaugenmerk liegt dabei in der Beschneidung der Pflanzen. Äste auf den Leitungen waren meistens der Grund für die Störungen.

Im Materiallager ist ­genug Nachschub.

200 Kollegen buckeln in zwei Schichten rund um die Uhr, damit die S-Bahn wieder fit wird. Das heißt: 12 Stunden Dienst. „Die langen Schichten sind der Ausnahmesituation geschuldet. Wir aber achten darauf, dass die Ruhezeiten eingehalten werden“, sagt Gerg. Die Arbeiter müssen ausgeruht sein, schließlich ist das Werkeln nicht ganz ungefährlich. „Auf der Oberleitung ist eine hohe mechanische Spannung. An jedem Ende der Leitung hängen zwei Tonnen Gewicht!“, sagt Gerg. Da ist es wichtig, dass die Profis sehr sorgfältig zu Werke gehen.

Bei einer solchen Situation wie dem Sturm entscheiden die Bahnstrategen, in welcher Reihenfolge die beschädigten Strecken fitgemacht werden. Zuerst ist der Fernverkehr dran, als nächstes kommt der Großraum München und dann der Regionalverkehr. Bis zum Wochenende sollen die Strecken wieder frei sein. Die fleißigen Arbeiter freuen sich sicher schon auf erholsame Osterfeiertage!

So kriegen Sie ihr Geld zurück

Erst 2013 entschied der Europäische Gerichtshof, dass die Bahn keine Schadensersatzansprüche unter Hinweis auf das Wetter pauschal abweisen kann. Generell gilt: Bei 60 bis 119 Minuten gibt’s 25 Prozent des Ticketpreises einer einfachen Fahrt zurück, bei mehr als zwei Stunden 50 Prozent. Wenn der Zug ganz ausfällt, meist den ganzen Fahrpreis. Auch die Hotelkosten übernimmt die Bahn dann (gestern verteilte sie sogar Formulare). Wichtig ist: Gehen Sie zu einem DB Reisezentrum (also am Bahnhof) oder einer DB Agentur, um Ihre Kosten einzufordern.

Florian Fussek

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