Hilfe, wir müssen raus!

Eigenbedarf! Kindergarten im Glockenbach gekündigt

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Lange Gesichter und viele Fragen: Die Kindergartenkinder aus dem Glockenbachviertel stehen vor einer ungewissen Zukunft.

München - Der integrative Kindergarten in der Geyerstraße im Glockenbach muss wegen Eigenbedarfs des Vermieters spätestens im März 2016 raus aus seinen bisherigen Räumen. Noch hat die Elterninitiative keine Alternative gefunden.

Ein geschreinertes Spielschloss im 38 Quadratmeter großen Gruppenraum im ersten Stock ist das Herzstück des Kindergartens in der Geyerstraße 22 im Glockenbachviertel. Auf zwei Ebenen können die 18 Kindergartenkinder, zwei von ihnen haben eine Behinderung, dort toben, spielen und lachen.

Spätestens im März 2016 verstummt das Kinderlachen hier allerdings – der integrative Kindergarten steht vor dem Aus!

Hintergrund: Der Vermieter, die Nachbarschaftshilfe Westerbach, hat Eigenbedarf für die Räumlichkeiten angemeldet. Sie will künftig ihre Mittagsbetreuung in den Kindergarten-Räumen anbieten. Momentan findet diese zwar noch in einem Raum der Klenze-Grundschule statt, dort wird künftig aber eine Ganztagsklasse untergebracht.

Der Kindergarten ist somit das schwächste Glied in der Kette und muss seine Sachen packen! „Wir sitzen dann auf der Straße. Wenn wir keine Räume finden, müssen wir dicht machen. Unsere Kinder können das noch gar nicht glauben“, sagt Daniel Thomas von der Elterninitiative Isarvorstadt, die den Kindergarten betreibt.

So sieht der Kindergarten in der Geyerstraße von außen aus.

Nach 21 Jahren in der Geyerstraße müssen sich die Eltern nun nach einem neuen Platz für ihre Kinder umschauen. In ihren Augen ist das wegen der dichten Besiedelung des Glockenbachviertels eine fast unlösbare Aufgabe. Sie haben bereits an unzähligen Klinken geputzt, sprachen mit Bauträgern, Vermietern, Maklern und Vertretern der Stadt – alles ohne Erfolg! „Irgendwie steigt keiner so richtig aufs Pferd. Die Leute wollen keinen Kindergarten im Haus. Mehr als ein leichtes Lächeln gibt es nicht“, erzählt Thomas.
Bis vor einiger Zeit hatten die Eltern noch Hoffnung, dass ihre Kinder im alten Kindergarten bleiben können: Die Nachbarschaftshilfe erhielt von der Grundschule das Angebot, ein Klassenzimmer für die Mittagsbetreuung zu verwenden. Doch die Hoffnung wurde zerschlagen. „Wir haben ein klares Betreuungskonzept, das wir in einem Klassenzimmer nicht umsetzen könnnen“, verdeutlicht Hilde Gerner, Geschäftsführerin der Nachbarschaftshilfe Westerbach. Es sei unter anderem zu umständlich, jedes mal die Tische und Stühle für das Mittagessen umzustellen. Somit muss der Kindergarten weiter suchen.

Als letzte Rettung dreht der Kindergarten jetzt einen Film, der die breite Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam machen soll – mit den Kindern in den Hauptrollen. Der Film wird am 13. Juli auf Facebook veröffentlicht. „Egal ob wir umziehen oder der Kindergarten schließen muss: Für unsere Kinder wird es schwer, alles zu verkraften“, meint Thomas. Am liebsten würden die Kinder in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

Manuel Bonke

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