Teurer Neubau oder Erhalt

Entscheidung über Müllerstraße vertagt

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In der Müllerstraße packten die Goldgrund-Gorillas an.

München - Die Häuser in der Müllerstraße 2-6 sollten eigentlich einem Neubau mit teuren Eigenheimen weichen. Nach einer Satire-Aktion von Aktivisten liegen die Pläne vorerst auf Eis, die Entscheidung ist auf nächstes Jahr vertagt.

Fast ein dreiviertel Jahr ist es her, dass die Häuser Müllerstraße 2-6 für Schlagzeilen sorgten: Weil die Stadt einen Abriss der 17 Wohnungen zählenden Bauten plant, um für 5,2 Millionen Euro einen Neubau mit 20 teuren Eigenheimen zu errichten. Das Projekt war von Anfang an umstritten, weil auch der Bolzplatz der benachbarten Glockenbachwerkstatt dem Neubau weichen sollte.

Im März bewiesen die Aktivisten der Satire-Aktion Goldgrund, dass zumindest das damals fast komplett leer stehende Eckhaus Müllerstraße 6 noch in einem guten Zustand ist und man es mit wenig Aufwand wieder bewohnbar machen kann (tz berichtete). Ein von Goldgrund in Auftrag gegebenes Gutachten ergab, dass das Eckhaus für 488 000 Euro saniert werden könnte. CSU-Rathausfraktionschef Josef Schmid hatte schon Ende Februar beantragt, den Erhalt der Häuser zu prüfen, um so im heiß umkämpften Gärtnerplatzviertel günstigen Wohnraum zu schaffen.

Am 14. März erklärte darauf Kommunalreferent Axel Markwardt, dass neben den bereits vom Stadtrat beschlossenen sechs Neubauvarianten auch der Erhalt der Häuser geprüft werden solle. „Mit einer Entscheidung, welche der Varianten weiter verfolgt wird, befasst sich der Stadtrat aller Voraussicht nach im Herbst 2013“, ließ Markwardt damals verlauten. Passiert ist bislang aber noch nichts.

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Neben Schmid wartet auch die grüne OB-Kandidatin Sabine Nallinger darauf, dass die Varianten dem Stadtrat vorgelegt werden. Sie forderte Anfang Juni, die Abrisspläne komplett zu den Akten zu legen. Doch die Entscheidung lässt auf sich warten: „,Die Beschlussvorlage kommt in jedem Fall nicht mehr in diesem Jahr in den Kommunalausschuss zur Behandlung“, erklärt die Sprecherin des Kommunalreferates, Silke Pesik. Nallinger geht noch weiter: „So weit ich das erfahren habe, soll es bis zum Frühjahr, vielleicht sogar bis nach der Wahl dauern, bis es die Beschlussvorlage gibt.“

Bei CSU-Spitzenkandidat Schmid schrillen die Alarmglocken: „Das wäre der Gipfel, ein handfester Skandal, wenn das jetzt wieder geschoben und erst nach der Wahl behandelt werden sollte, weil man wie bei den Kliniken vorher nichts Unpopuläres entscheiden will. Das wäre mal wieder typisch rot-grüne Stadtpolitik“.

Johannes Welte

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