Ehefrau fehlerhaft behandelt?

Das traurige Weihnachten von Witwer Anton

Anton F. mit einem Foto seiner Frau Maria, die nach langem Leiden 2012 gestorben war. Er klagt gegen das Klinikum Großhadern (l.)Unfried

München - Anton F. hat seine Frau verloren. Sie starb seiner Ansicht nach, weil sie im Klinikum Großhadern fehlerhaft behandelt wurde. Deshalb klagt der Witwer.

Das Klinikum Großhadern wird von Anton F. verklagt

An Weihnachten wird Anton F. (86) ganz alleine sein. Er blickt auf das Foto seiner Frau Maria (†87) an der Wand seiner mit Erinnerungen geschmückten Wohnstube in Neuried. „Wenn ich das Bild sehe, kommen mir die Tränen“, sagt der pensionierte Ingenieur. „Sie hätte sicher noch einige schöne Jahre gehabt, wären nicht im Klinikum Großhadern schlimme Pflegefehler unterlaufen“, klagt der Witwer an. So sieht es auch der 1. Zivilsenat beim Oberlandesgericht München, der ihm in einem Vergleichsvorschlag 25 000 Euro Schmerzensgeld zusprechen wollte.

Durch einen Schlaganfall im Jahr 1989 war Maria F. halbseitig gelähmt. Mit dieser Behinderung habe sie gut leben können, sagt ihr Mann. „Wir haben viele Reisen unternommen. In der Küche habe ich ihr einen Handlauf gemacht, so konnte sie vom Rollstuhl aufstehen und umhergehen.“

Die Leidensgeschichte der Frau beginnt im Juni 2006, als sie sich den rechten Oberschenkel brach. Die Ärzte in Großhadern setzten ihr einen Nagel ein, die OP verlief gut. Aber: „In der Station wurde übersehen, dass der Gips oberhalb der Ferse einen Dekubitus verursachte.“ Der Gips wurde laut Pflegebericht drei Tage nach Feststellung des Druckgeschwürs gekürzt, es blieb eine Wundnekrose (abgestorbenes Gewebe). Am 6. Juli 2006 wurde sie aus der Klinik entlassen. Anton F. zeigt ein Foto ihres Beines, das er an diesem Tag gemacht hatte: Oberhalb der Ferse ist eine Fläche tiefschwarz, weiter oben sichtbar abgestorbene Haut, die sich abzulösen beginnt!

Laut Pflegebericht war dies nur ein Dekubitus zweiten Grades. Der medizinische Gutachter, Prof. Christian Willy aus Berlin, kommt zu einem anderen Ergebnis: „Der vorliegende Befund muss als Dekubitus der Kategorie IV angesehen werden.“ In diesem Zustand hätte die Patientin nicht entlassen werden dürfen. Willy: „Diese Wunde kann nicht ambulant behandelt werden.“

So aber mussten die Ärzte in den folgenden sechs Monaten nach und nach abgestorbenes Gewebe entfernen. Die Wunde aber wollte nicht heilen. Grund: MRSA-Bakterien (diese Keime sind gegen alle Antibiotika resistent und kommen oft in Kliniken vor) zerstörten zunehmend ihren Fuß. Im Januar 2007 amputierten die Ärzte der leidgeprüften Frau den Unterschenkel.

„Das wäre nicht passiert, hätten die in der Klinik den Dekubitus rechtzeitig erkannt und richtig therapiert“, sagt Anton F. Seiner Frau ging es immer schlechter, im August 2012 wurde auch das andere Bein amputiert. „Drei Wochen später ist sie gestorben.“

„Aufgrund der groben Fehlerhaftigkeit des Behandlungsregimes“, so seine Anwältin Monika Günther-Aschenbrenner, bestehe ein klarer Zusammenhang mit dem Verlust des Unterschenkels. Den Vorschlag des Gerichts, dem Kläger 25 000 Euro zu zahlen, lehnten die Anwälte der Uni-Klinik ab. Der Zusammenhang sei nicht nachweisbar, Ursache sei die Vorerkrankung der Verstorbenen. Der Prozess geht im Januar weiter.

„Ich könnte das Geld gut gebrauchen. Ich möchte auf meine alten Tage noch eine schöne Reise unternehmen“, sagt Anton F. So wie früher mit seiner geliebten Frau, mit der er so gerne unterwegs gewesen war.

tz-Stichwort: Dekubitus

Wenn Patienten zu lange auf einer Stelle liegen, können an schlecht durchbluteten Stellen Druckgeschwüre entstehen. Das Personal in Kliniken und Pflegeheimen muss deshalb mit ganz besonderer Sorgfalt arbeiten und auf Anzeichen achten. Ein Dekubitus beginnt mit einer leichten Hautrötung (Grad I) und endet mit einer offenen Wunde, bei der nicht nur die Haut, sondern auch Sehnen, Muskeln, Gelenke und Knochen (Grad IV) von der Zerstörung betroffen sind. Abgestorbenes (nekrotisches) Gewebe muss entfernt werden.

Eberhard Unfried

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