Ruhige Nacht am Hauptbahnhof München

Bundespolizei zählt deutlich mehr Flüchtlinge in Freilassing

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Flüchtlinge laufen in kleinen Gruppen nach Freilassing.

München - Ungarns Härte zwingt Flüchtlinge auf dem Balkan zu alternativen Routen. Kroatien rückt in den Fokus. Unterdessen steigt die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze.

+++ Die Flüchtlingskrise beschäftigt München und Bayern weiter. Über die aktuelle Lage in der Landeshauptstadt und im Freistaat in formieren wir Sie in unserem Ticker vom Donnerstag.

+++ Etwa 30 Flüchtlinge sind in der Nacht auf Donnerstag am Münchner Hauptbahnhof angekommen. „Die Nacht war sehr ruhig“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Jedoch würden im Laufe des Vormittags mehrere Hundert Flüchtlinge erwartet, die mit Regionalzügen aus dem Grenzort Freilassing gebracht werden sollten. Am Mittwoch waren den Angaben nach etwa 1600 Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof angekommen.

Vier Busse haben etwa 200 Migranten nach Nürnberg  gebracht. Kurz nach Mitternacht seien die Flüchtlinge, vor allem Familien mit Kindern, in Nürnberg angekommen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

+++ Die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze nimmt zu. Am Mittwoch stoppte die Bundespolizei rund 4600 Asylsuchende beim Grenzübertritt, wie ein Sprecher in der Nacht mitteilte. Damit ist die Zahl im Vergleich zum Dienstag deutlich gestiegen, als die Bundespolizei rund 3500 Flüchtlinge zählte.

Am Mittwoch wurden zudem 18 Schleuser festgenommen. Viele Flüchtlinge kamen über die Saalachbrücke zwischen Salzburg und dem deutschen Grenzort Freilassing (Landkreis Berchtesgadener Land). Zwei Großgruppen mit je 700 Flüchtlingen wurden dort gestoppt. Auch der Bahnhof in Freilassing sei weiterhin ein Brennpunkt, berichtete der Sprecher. Die Flüchtlinge werden nun in Sammelstellen in der Region registriert und anschließend auf ganz Deutschland verteilt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière besucht am Donnerstag (17.15 Uhr) mit EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos die Bundespolizei in Rosenheim.

+++ Nach dem Schwenk der Flüchtlinge auf der Balkanroute stellt sich das EU-Land Kroatien auf dramatische Tage ein. Stunden nach der Abriegelung der serbisch-ungarischen Grenze trafen Hunderte von Migranten an der Grenze Serbiens zu Kroatien ein. Wie das kroatische Innenministerium mitteilte, kamen am Mittwoch bis zum Abend 1191 Migranten an. Unter ihnen seien 818 Männer, 189 Frauen und 184 Kinder gewesen. „Hier ist es ganz schön voll geworden“, berichteten kroatische Reporter aus dem Ort Tovarnik.

Der Nachrichtenticker von Mittwoch, 16. September

+++ Der Wirtschaftsflügel der Union hat vor Problemen bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gewarnt. „Es ist verständlich, wenn die Bundeskanzlerin in diesen Tagen Optimismus verbreitet“, schreibt der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union, Carsten Linnemann (CDU).

Lage an serbisch-ungarischer Grenze hat sich Mittwochabend beruhigt

Die Flüchtlinge lassen sich von Tränengas und Wasserwerfern nicht abschrecken.

+++ Nach stundenlangen Tumulten an der abgeriegelten serbisch-ungarischen Grenze zwischen Flüchtlingen und ungarischen Polizisten hat sich die Lage am Abend wieder beruhigt. Die Flüchtlinge, die ungarische Polizisten mit Steinen und Stöcken beworfen hatten, wurden mit Bussen in die grenznahe serbische Stadt Kanjiza gebracht. Vorher hatten mehrere hundert Flüchtlinge versucht, von serbischer Seite bei einem geschlossenen kleinen Grenzübergang gewaltsam nach Ungarn einzudringen. Dazu durchbrachen sie ein Grenztor. Ungarns Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

+++ Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat einen fairen Umgang mit dem umstrittenen ungarischen Regierungschef Viktor Orban verlangt. Im Interview mit dem Ingolstädter „Donaukurier“ sagte der CSU-Chef: „Wir sollten ihn nicht verteufeln. Nicht alles, was er sagt, ist richtig. Aber es wäre falsch, mit pauschalen Vorurteilen über ihn herzufallen.“ Orban ist wegen seiner restriktiven Flüchtlingspolitik seit Wochen in der Kritik.

+++ Am serbisch-ungarischen Grenzübergang Röszke haben dutzende Flüchtlinge am Mittwochabend die ungarische Polizei zurückgedrängt und sind auf ungarisches Gebiet vorgedrungen. Die Polizisten zogen sich um mehrere dutzend Meter zurück und setzten Tränengasgranaten ein, wie AFP-Reporter berichteten. Zuvor hatten hunderte Flüchtlinge die ungarischen Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen, die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer ein.

+++ Glückliches Ende einer traurigen Flucht: Ein syrischer Flüchtling, dem eine TV-Reporterin an der ungarischen Grenze vor laufenden Kameras ein Bein gestellt hatte, als er mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm von der Polizei weglief, bekommt in Spanien einen Job. Man werde den Mann einstellen, teilte das Nationale Fußballtrainer-Ausbildungszentrum Cenafe am Mittwoch mit. Der Syrer werde noch am Abend in Spanien eintreffen und in Getafe bei Madrid so schnell wie möglich die Arbeit aufnehmen, hieß es.

Der Syrer war den Angaben zufolge in seiner Heimat Trainer des erfolgreichen Erstliga-Verein Fotuwa. Er war mit seinem sieben Jahre alten Sohn aus Syrien geflohen. Man habe den Mann mit Hilfe eines in Spanien lebenden Arabers in München kontaktiert, sagte Cenafe-Präsident Miguel Ángel Galán. Man wolle auch die Ehefrau und die zwei Söhne des Mannes in Spanien aufnehmen, sagte Galán der Sportzeitung „As“. „Ich werde für alles aufkommen, und die Gemeindeverwaltung (von Getafe) hat bereits Hilfe zugesichert.“

Google richtet Online-Spendenaktion ein

+++ Der US-Internetkonzern Google hat eine Online-Spendenaktion für Flüchtlinge gestartet. Das Unternehmen kündigte am Mittwoch an, jede Spende der Nutzer bis zu einem Gesamtbetrag von fünf Millionen Euro zu verdoppeln. Unabhängig davon habe das Unternehmen bereits selbst eine Million Euro an Organisationen gespendet, "die an vorderster Front humanitäre Hilfe leisten".

Mit dem Geld, das über die Spendenaktion eingenommen wird, sollen vier Organisationen unterstützt werden, die "für dringend benötigte Unterstützung" sorgen, heißt es auf der Internetseite der Aktion. Demnach sollen die Organisationen Ärzte ohne Grenzen, Save the Children, das International Rescue Committee und der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen unterstützt werden.

+++ Die Spendenaktion im Netz: https://onetoday.google.com/page/refugeerelief +++

+++ n-tv-Reporter Jürgen Weichert berichtet in der Live-Schalte, die Flüchtlinge zweifelten nicht am Erreichen ihres Ziels, nach Deutschland zu gelangen. Sie würden bleiben und irgendwann durchkommen, geben die Flüchtlinge an. 

Es herrscht absolutes Chaos, inzwischen steigen auch Rauchschwaden in den Himmel - die Flüchtlinge bleiben trotzdem optimistisch. Immer wieder gehen sie an den Grenzzaun und beobachten die Lage, die meisten werden mit Tränengas zurückgetrieben, unter anderem auch von einer Sondereinheit der ungarischen Polizei.

+++ Reporter Peter Lane von Channel5 News hat neue Bilder vom Chaos an der Grenze zu Ungarn: Die Menschen halten sich ihre Kleidung vors Gesicht, damit sie das Tränengas nicht abbekommen, Kinder schreien und weinen, die Lage eskaliert.

+++ Ungarns Polizei hat an der serbischen Grenze bei Röszke Tränengas gegen aufgebrachte Flüchtlinge eingesetzt. Zuvor hätten am Mittwoch mehrere Hundert Menschen Polizisten mit Gegenständen beworfen und das Grenztor eingedrückt, berichtete die ungarische Nachrichtenagentur MTI. Die Polizei habe ihr Aufgebot verstärkt und Wasserwerfer in Stellung gebracht, hier es. Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge am alten Grenzübergang auf einer Landstraße.

+++ Hilfreiche Erfindung: Sandra Schön hat ein Mini-Wörterbuch für arabischsprachige Flüchtlinge auf einer Seite erstellt, die ausgedruckt und zu einem kleinen Wörterbuch gefaltet werden kann. 

Diese PDF-Datei ist ein Remix aus dem Projekt Refugee Phrasebook, das von der Open Knowledge Foundation Deutschland initiiert worden ist.

FC St. Pauli beteiligt sich nicht an Flüchtlingshilfsaktion

+++ Der FC St. Pauli wird sich an der für alle 36 Vereine aus der 1. und 2. Fußball-Liga geplanten „Wir helfen“-Aktion für Flüchtlinge am Wochenende nicht beteiligen. 

„Der FC St. Pauli steht für eine Willkommenskultur, und wir handeln damit auf eine Art und Weise, die unseren Club schon seit Jahrzehnten ausmacht. Wir leisten ganz praktische und direkte Hilfe dort, wo sie gebraucht wird“, erklärte der kaufmännische Geschäftsleiter Andreas Rettig. Daher sehe man keine Notwendigkeit, an der für alle Clubs freiwilligen Aktion der DFL teilzunehmen, sagte Rettig weiter.

+++ Ein aktuelles Schaubild der ARD zeigt, wie sich die Bürger Deutschlands vom Flüchtlingszug beeinflusst fühlen:

+++ Ein Strafgericht im ungarischen Szeged hat zum ersten Mal einen Flüchtling verurteilt, weil er die Sperranlage an der Grenze zu Serbien überwunden hatte. Das Urteil lautete auf Landesverweis für ein Jahr mit sofortiger Wirkung. Der Iraker aus Bagdad gab in der 80-minütigen Verhandlung am Mittwoch an, nicht gewusst zu haben, dass das Übersteigen des Zauns ein Verbrechen sei, berichtete die Internet-Zeitung „index.hu“.

+++ Nun hat sich auch Außenminister Franz-Walter Steinmeier zum Mittelmeer-Einsatz der EU geäußert: Worauf es jetzt ankomme, sei die Ursachen der Flucht zu klären, so Steinmeier. Ein häufiger Grund seien politische Konflikte. Es gelte beispielsweise in Libyen, wo alle politischen Strukturen zerfallen seien, den Staat wieder aufzubauen. 

Steinmeier zeigte sich optimistisch: In den vergangenen Tagen seien sie dem Ziel, der Wiedereinkehr von Stabilität, einen Schritt näher gekommen. Dies habe auch Einfluss auf die Fluchtrouten auf dem Mittelmeer.

Kroatien will Flüchtlingskorridor

+++ Kroatien will sich mit dem Nachbarland Slowenien über die Einrichtung eines Korridors für Flüchtlinge verständigen. „Ich habe mit der slowenischen Innenministerin (Vesna Györkös Znidar) gesprochen, und wenn es notwendig ist, werden wir einen Korridor organisieren“, schrieb der kroatische Innenminister Ranko Ostojic auf dem Twitter-Account seiner Regierung.

+++ Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor dem Hintergrund des andauernden Flüchtlingsandrangs mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert. Es sei vereinbart worden, die Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Krise zu intensivieren, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin mit. Besondere Bedeutung habe dabei die Bekämpfung der Schleuserkriminalität.

+++ n-tv-Reporter Jürgen Weichert ist an der serbischen Grenze zu Ungarn und hat Bilder von der dortigen Lage:

Sozialministerin Müller: Manching erfolgreich angelaufen

+++ Gut zwei Wochen nach Eröffnung des ersten Aufnahmezentrums für Balkan-Flüchtlinge in Manching bei Ingolstadt hat Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) eine positive Bilanz gezogen. Die ersten Rückführungen von Asylbewerbern seien erfolgt, sagte sie am Mittwoch in Bamberg. „Manching ist erfolgreich angelaufen.“ 

Nach Angaben eines Ministeriumssprechers wurden über die Einrichtung in Oberbayern bislang 31 Balkan-Flüchtlinge zurück in ihre Heimat gebracht. Insgesamt befinden sich in Manching derzeit mehr als 350 Asylbewerber mit wenig Aussicht auf ein Bleiberecht.

+++ Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reagiert zurückhaltend auf Forderungen der Länder nach höheren Finanzhilfen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise. 

Sein Sprecher Martin Jäger betonte am Mittwoch in Berlin zwar erneut, dass es nicht am Geld scheitern und sich der Bund beteiligen werde. Aber alle finanziellen Leistungen müssten ordentlich begründet werden. Der Bund werde sich an den tatsächlich entstehenden Kosten beteiligen.

Seehofer: Einen Schritt nach vorn gemacht

+++ Im Bund-Länder-Tauziehen um die Bewältigung der Flüchtlingskrise sieht Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) Fortschritte. Beim Treffen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstagabend sei man einen Schritt vorangekommen, sagte Seehofer am Mittwoch nach Angaben einer Sprecherin. Zufrieden sei Seehofer aber noch nicht.

+++ Auf Facebook moniert eine Flüchtlingshelferin ihre Kollegen zum Thema Verpflegung: Einige hätten sich nämlich beschwert, dass für Helfer keine ausreichenden Snacks an veganem oder vegetarischem Essen vorhanden seien. "Wir sind kein Restaurant und auch kein professioneller Cateringservice", schreibt die Userin. "Wir können wirklich über das froh sein, was wir haben".

Indes wächst die Zahl an ehrenamtlichen Helfern stetig weiter.

+++ Nach Schätzungen von Psychotherapeuten ist mindestens jeder zweite Flüchtling psychisch krank. Bei Kindern, die besonders verletzlich seien, seien es bis zu 30 Prozent, sagte der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Dietrich Munz. 

Er drängt die Bundesregierung, eine angemessene Behandlung psychisch kranker Flüchtlinge zu ermöglichen. „Die Erlebnisse von Todesangst, extremer Hilflosigkeit und Ohnmacht bleiben psychisch nicht folgenlos.“ Am häufigsten litten Flüchtlinge unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer Depression oder beidem.

Flüchtlinge in München: Miese Abzocke am Hauptbahnhof

+++ Die Bundespolizei berichtet von skrupellosen Betrügern am Münchner Hauptbahnhof. Vermeintliche Landsleute, alles Asylbewerber, zocken die Flüchtlinge beim Fahrkartenkauf schamlos ab.

+++ Einen Live-Stream vom Bahnhof in Freilassing bietet der YouTube-Channel Ruptly TV.

+++ n-tv-Korrespondent Thomas Präkelt ist auf dem Weg an die Grenze zu Kroatien. In Ungarn gibt es bereits Stau auf den Straßen.

+++ Der Zugverkehr von Salzburg in Richtung Deutschland ist am Mittwoch erneut bis auf weiteres unterbrochen worden. Grund sei eine Anweisung der deutschen Behörden, sagte eine Sprecherin der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) laut Nachrichtenagentur APA.

Die Situation am Salzburger Hauptbahnhof sei angespannt, hieß es von den Behörden. Derzeit hielten sich dort rund 2000 Flüchtlinge auf, 1200 hatten die Nacht in der Tiefgarage des Bahnhofs verbracht. Die Menschen hofften auf Züge in Richtung Deutschland, einige von ihnen wollten sich nicht in eine Notunterkunft in Salzburg bringen lassen. Am Abend zuvor war es an dem Bahnhof zu Tumulten gekommen.

Flüchtlinge in München: Besuch in der Volksküche

+++ Mit warmen Mahlzeiten kämpft die Münchner Volksküche derzeit in der Not-Erstaufnahme in der Richelstraße für Menschlichkeit in Krisenzeiten.Ein Besuch in der perfekt improvisierten Großküche.

+++ Von „Tatort“-Kollege zu „Tatort“-Kollege: Jan Josef Liefers (51) hat sich in der Flüchtlingsdebatte mit einem launigen Facebook-Post für Til Schweiger (51) eingesetzt. Und zwar im vornehmen Ton seiner Rolle als Professor Boerne im Münsteraner „Tatort“. 

Thema war die Anzeige wegen Volksverhetzung, die eine Privatperson aus Münster wegen Schweigers Äußerungen in einer Talkshow gestellt hatte. Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen kürzlich eingestellt.

Anzeige wegen Volksverhetzung gegen Til SchweigerWegen Äußerungen in der Talksendung "Menschen bei Maischberger" vom...

Posted by Jan Josef Liefers on Dienstag, 15. September 2015

+++ Die Bundeswehr soll sich nach dem Willen der Bundesregierung mit bewaffneten Streitkräften an dem EU-Einsatz gegen Schlepper im Mittelmeer beteiligen. Die Ministerrunde billigte am Mittwoch in Berlin eine entsprechende Vorlage, welche die Entsendung von bis zu 950 deutschen Soldaten vorsieht. Der Bundestag muss der Beteiligung noch zustimmen. 

Der Operationsplan der Mission sieht vor, Schlepperboote in den internationalen Gewässern zwischen Libyen und Italien zu suchen, aufzubringen, zu beschlagnahmen und notfalls auch zu zerstören. Der Einsatz richtet sich gegen Schlepper, die Flüchtlinge aus Nordafrika unter oft lebensgefährlichen Umständen auf Booten nach Europa bringen. Mit dem gezielten Einsatz gegen Schlepper geht die Eunavfor-Mission in die zweite Phase. 

In der ersten Phase war es lediglich darum gegangen, Flüchtlinge aus Seenot im Mittelmeer zu retten. Die Bundeswehr stellt dafür seit Mai zwei der vier beteiligten Schiffe. Bis Ende August rettete sie dabei nach eigenen Angaben mehr als 7200 Flüchtlinge. Derzeit sind rund 320 deutsche Soldaten beteiligt.

+++ Aus Serbien einreisende Flüchtlinge dürfen Kroatien auf ihrem Weg nach Westeuropa passieren. Das teilte der kroatische Regierungschef Zoran Milanovic in Zagreb mit. „Sie können durchreisen, und wir bereiten uns auf diese Möglichkeit vor“, sagte der Sozialdemokrat im Parlament.

"Charlie Hebdo" sorgt für hitzige Diskussion im Netz

+++ Das französischen Satiremagazin "Charlie Hebdo" sorgt erneut für Furore: Es nutzt den toten Flüchtlingsjungen Aylan als Vorlage für zwei Karikaturen. Auf einer ist das tote Kind abgebildet, daneben ein Werbeschild mit einem Clown, der an die früherer Ronald-McDonald-Werbefigur von McDonalds erinnert. Die Zeitschrift titelt: "Angebot: Zwei Kindermenüs zum Preis von einem". Drüber steht geschrieben: "Willkommen, Flüchtlinge! So nah am Ziel...". 

Die zweite Karikatur zeigt eine Art Jesus, der übers Wasser geht, daneben eine Sprechblase mit der Aussage: "Die Christen gehen übers Wasser". Aus dem Wasser ragen Kinderbeine, daneben steht: "Muslimische Kinder ertrinken". 

Beide Zeichnungen hat der Karikaturist Laurent "Riss" Sourisseau gezeichnet, dem beim Anschlag auf die Redaktion des MAgazins im Janura 2015 in die Schulter geschossen wurde.

+++ Ein erheblicher Teil der Flüchtlinge, die über Ungarn und Österreich nach Deutschland kommen und sich als Syrer ausgeben, stammen nach Angaben von Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) nicht aus dem Bürgerkriegsland. "Mindestens ein Viertel der angeblich aus Syrien kommenden Flüchtlinge stammt nicht aus Syrien, sondern aus anderen arabischen oder afrikanischen Ländern", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister den im RedaktionsNetzwerk Deutschland zusammengeschlossenen Tageszeitungen. 

Ähnlich äußerte sich der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt. "Fast ausnahmslos jeder Flüchtling gibt vor, Syrer zu sein", sagte er dem Redaktionsnetzwerk. Tatsächlich kämen viele "aus allen möglichen Ländern, selbst aus Schwarzafrika". Falsche Identitätsangaben seien "an der Tagesordnung". Wer Geld habe, lege gefälschte Pässe vor. Andere gäben an, keine Ausweispapiere mehr zu besitzen.

Flüchtlinge in München: Neue Route über Kroatien

+++ Nach der Abriegelung der ungarischen Grenze zu Serbien bemühen sich nun erste Flüchtlingsgruppen um einen Zugang zur Europäischen Union über Kroatien

In der Nacht zum Mittwoch traf eine Gruppe von rund 30 Flüchtlingen mit einem Bus in der serbischen Stadt Nis ein, die weniger als zehn Kilometer von der kroatischen Grenze entfernt ist. Dies berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Der Bus war am Dienstagabend in Presevo im Süden Serbiens losgefahren.

+++ Neuigkeiten von der Grenze zu Österreich: n-tv-Korrespondent Dirk Emmerich twittert, dass die Bundespolizei jetzt sogar mit Waffen vor Ort ist. Weiterhin werden Flüchtlinge abgewiesen und müssen umkehren. 

+++ Auch am heutigen Mittwoch rechnen die Beamten mit der Ankunft Hunderter Flüchtlinge in München. Alleine für den Vormittag seien mehrere Züge mit insgesamt etwa 1000 Asylsuchenden angekündigt, sagte eine Sprecherin. Eine Prognose für den restlichen Tag sei nicht möglich.

+++ Die Entwicklungen der vergangenen Tage in München, Ungarn und Österreich

finden Sie in unserem Nachrichtenticker

ms/sb/dpa/AFP

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