Kroatien schließt Grenze zu Serbien

Münchner Flüchtlingshilfe nimmt keine Sachspenden mehr an

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Die Münchner Flüchtlingshilfe kann die noch ankommenden Flüchtlinge weiterhin versorgen.

München -  In der Nacht zu Freitag wurde die kroatisch-serbische Grenze geschlossen. Sonderzüge holen die Menschen an der deutsch-österreichischen Grenze ab, in München braucht die Flüchtlingshilfe keine Sachspenden mehr.

+++AKTUALISIEREN+++

  • Die Zahl der Flüchtlinge, die die deutsch-österreichische Grenze passieren, ist leicht gesunken. Sonderzüge holen die Menschen direkt an der Grenze ab, um Chaos in den grenznahen Städten zu vermeiden.
  • Kroatien hat die in der Nach zu Freitag vorläufig die Grenzübergänge zu Serbien geschlossen.
  • Die Münchner Flüchtlingshilfe braucht aufgrund der veränderten Lage keine Sachspenden mehr.

+++ Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer am Münchener Hauptbahnhof nehmen vorläufig keine Sachspenden mehr entgegen. Das teilte die Flüchtlingshilfe am Donnerstagabend mit. Die Lage der Ehrenamtler habe sich verändert, weil München laut Staatsregierung zunächst nicht mehr als Drehkreuz für ankommende Flüchtlinge genutzt werde. Die Erstversorgung der Menschen, die dennoch in München eintreffen, sei jedoch nach wie vor sichergestellt. „Wir stehen weiterhin bereit und können auch kurzfristig reagieren“, sagte ein Sprecher. Die Initiative hatte zunächst Sachspenden wie Kleidung, Isomatten und Schlafsäcke für die Asylbewerber gesammelt.

+++ Die Bundespolizei hat an der deutsch-österreichischen Grenze am Donnerstag rund 3700 Flüchtlinge gestoppt. Das waren rund 1000 Menschen weniger als am Mittwoch, jedoch etwas mehr als am Dienstag. Zudem wurden acht Schleuser festgenommen, wie ein Sprecher der Bundespolizei Rosenheim in der Nacht zu Freitag mitteilte. Schwerpunkt war auch am Donnerstag die Saalachbrücke zwischen Salzburg und dem deutschen Grenzort Freilassing (Landkreis Berchtesgadener Land). Auch die Bahnsteige in Freilassing seien teils voller Flüchtlinge gewesen, sagte der Sprecher. Nach der Registrierung in Sammelstellen der Region werden die Flüchtlinge auf ganz Deutschland verteilt.

+++ Nach der Ankunft Tausender Flüchtlinge hat Kroatien sieben Grenzübergänge zu Serbien geschlossen. Dabei handele es sich um eine vorläufige Maßnahme, teilte das kroatische Innenministerium am späten Donnerstagabend mit. Der Grenzübergang Bajakovo-Batrovci auf der Schnellstraße Belgrad-Zagreb war demnach von der Schließung ausgenommen.

Züge holen Flüchtlinge an der Grenze ab

+++ Um Chaos zu vermeiden, sollen weitere Flüchtlinge mit Sonderzügen von der deutsch-österreichischen Grenze abgeholt und direkt in verschiedene deutsche Städte gebracht werden. Das sagte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums am Donnerstagabend in Rosenheim. Nicht bestätigt wurden Berichte, wonach Flüchtlinge auch direkt in Österreich abgeholt werden sollen.

Den Angaben des bayerischen Innenministeriums zufolge waren drei Züge am Abend unterwegs, um je etwa 500 Flüchtlinge vom Grenzort Freilassing nach Celle, Stuttgart und Frankfurt/Main zu bringen. Für die Nacht sei eine weitere Fahrt von Freilassing nach Berlin sowie eine von München nach Dortmund geplant. Insgesamt sollten etwa 2500 Flüchtlinge auf diese Weise weiterreisen können.

Ein Sprecher der Bundespolizei sagte am Abend, es seien allein im Bereich Rosenheim am Donnerstag bis zum Nachmittag 2300 illegale Einreisen registriert worden. Am Vortag seien es 4600 Menschen gewesen, teilweise in großen Gruppen von mehreren hundert Menschen. In Salzburg halten sich tausende Flüchtlinge auf, die über Ungarn nach Österreich gelangten und nach Deutschland weiterreisen wollen.

Münchner Grünen wollen wieder offene Grenzen haben

+++ Die Münchner Grünen haben sich auf ihrer Stadtversammlung für offene Grenzen ausgesprochen. Sie folgen damit einem Beschluss der Grünen Jugend mit dem Titel „Macht die Grenzen wieder auf!“. Man verurteile die Wiedereinführung von Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze heißt es darin. „Gerade in Hinsicht auf den nahenden Winter muss allen Schutzsuchenden Schutz gewährt werden.“

+++ Eine Gruppe von Flüchtlingen hat am Mittwochnachmittag in der kroatischen Grenzgemeinde Tovarnik eine Polizeiblockade durchbrochen und ist zu Fuß in Richtung Zagreb aufgebrochen. Die Gruppe mit vielen Frauen und Kindern war stundenlang von Polizisten am Weitermarsch in Richtung der kroatischen Hauptstadt Zagreb gehindert worden. Menschen seien in dem Gedrängel verletzt und ohnmächtig geworden, berichteten Augenzeugen. Die Regierung schickte einen neuen Zug in die Region, der 900 Flüchtlinge ins nahe gelegene Beli Manastir bringen sollte. „Wir verlangen aber von Griechenland, Mazedonien und Serbien, den Zustrom zu stoppen“, sagte Innenminister Ranko Ostojic.

+++ Die CSU will wegen des Ansturms von Asylsuchenden die Zuwanderung von Kriegsflüchtlingen nach Deutschland beschränken. Die Landtagsfraktion der Christsozialen werde dazu ein Papier auf ihrer Klausurtagung in der kommenden Woche im oberfränkischen Kloster Banz verabschieden, berichtet der „Münchner Merkur“ (Freitag). „Eine unbegrenzte Zuwanderung auch an Kriegsflüchtlingen ist einfach nicht zu stemmen“, sagte Fraktionschef Thomas Kreuzer der Zeitung. „Wir müssen uns da tiefgreifendere Gedanken machen.“

Merkel betraut Arbeitsagentur-Chef mit Flüchtlingskrise

+++ Die Bundesregierung will in der Flüchtlingsfrage die Zusammenarbeit der beteiligten Behörden besser koordinieren: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe deshalb den Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, mit der Leitung eines neuen Arbeitsstabs betraut, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". 

Weises neuem Gremium gehören demnach auch Vertreter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) an, dessen Präsident Manfred Schmidt "aus persönlichen Gründen" zurückgetreten war. Zuletzt war Kritik an der schleppenden Bearbeitung der Asylanträge durch das Bamf laut geworden, wo sich knapp 300.000 unerledigte Anträge angesammelt haben.

+++ Der chinesische Künstler Ai Weiwei und der britische Bildhauer Anish Kapoor haben aus Solidarität mit den weltweit 60 Millionen Flüchtlingen am Donnerstag einen Marsch durch London veranstaltet. Dabei trugen sie symbolisch Decken über den Schultern. Die beiden Ausnahmekünstler hatten die Londoner aufgefordert, sich ihrer Aktion anzuschließen. 

"Ich glaube, wir müssen Verständnis für die Flüchtlinge schaffen", sagte Ai zu Beginn des Marsches. Die Decken sollten die Bedürfnisse der Flüchtlinge symbolisieren, die geachtet werden müssten. Kapoor seinerseits sagte: "Wir rufen die Regierungen auf, alles Menschenmögliche zu unternehmen." Bisher seien die meisten Antworten auf die Krise nur politisch motiviert und nicht menschlich gewesen. "Wir brauchen aber menschliche Antworten."

+++ Die Deutsche Post startet mit Hilfsorganisationen eine Initiative zur Flüchtlingshilfe und Integration von Asylbewerbern. Liegenschaften der Post sollen als Unterkünfte genutzt werden, zudem will das Unternehmen etwa 1000 Praktikumsplätze für Asylbewerber anbieten, wie der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Post DHL Group, Frank Appel, bei der Vorstellung des Programms in Berlin sagte. Für das erste Jahr stellt der Konzern eine Million Euro bereit.

Geplante Gesetzesänderungen stoßen auf scharfe Kritik

+++ Die geplanten Gesetzesänderungen der Bundesregierung zum Asylrecht stoßen bei Opposition und Hilfsorganisationen auf scharfe Kritik. Der am Donnerstag bekanntgewordene Gesetzentwurf ist derzeit in der Ressortabstimmung und soll noch im Oktober von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden. 

Die Grünen- Bundesvorsitzende Simone Peter betonte, der Entwurf verschärfe die Situation von Asylsuchenden „in unerträglicher Weise“ und trage die Handschrift einer längst gescheiterten Abschottungspolitik.

+++ Viele tausend muslimische Flüchtlinge sind in den letzten Tagen am Hauptbahnhof angekommen. Münchens Muslime sehen es als ihre Aufgabe, ihnen zu helfen - auf vielerlei Weise.

+++ Bei der Aufnahme von Flüchtlingen gibt es nach Ansicht des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß eine Grenze der Belastbarkeit. „Jährlich 800 000 bis eine Million Flüchtlinge werden wir nicht verkraften“, sagte der Vorsitzende des CDU-Bezirks Württemberg-Hohenzollern der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. 

Bareiß setzt sich damit von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ab, die Kritik an der großzügigen Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland zurückgewiesen hatte.

Lage in Tovarnik droht zu eskalieren

+++ Der neue Berliner Erzbischof Heiner Koch hat Ungarn für den Einsatz von Schlagstöcken und Tränengas gegen Flüchtlinge an der Grenze zu Serbien scharf kritisiert. Diese Gewalt sei furchtbar und grausam, sagte der Familienbischof der Deutschen Bischofskonferenz der „Passauer Neuen Presse“.

+++ An den Bussen herrscht absolutes Chaos - in den Fahrzeugen totale Überfüllung. 

+++ Die Lage im kroatischen Tovarnik droht zu eskalieren: Laut Berichten von n-tv-Reporter Thomas Präkelt durchbrechen Flüchtlinge die Polizeiblockaden und stürmen die Busse. 

Soeben soll auch der kroatische Innenminister Tomislav Karamarko vor Ort gewesen sein und habe gesagt, Kroatien könne nicht alle Flüchtlinge aufnehmen. 

Reporter Präkelt sagt, wenn die riesige Masse an Menschen erst einmal in Bewegung sei, sich gegen die Polizei wende, könnten die Menschen nicht mehr zurückgehalten werden.

+++ Wenn die EU-Innenminister über die Verteilung weiterer 120 000 Flüchtlinge beraten, dann können sie Entscheidungen mit sogenannter qualifizierter Mehrheit beschließen. Diese ist laut Lissabonner Vertrag mit einer doppelten Mehrheit erreicht, wenn 55 Prozent der EU-Staaten - also 16 von 28 - zustimmen und sie gemeinsam mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung stellen.

Es wäre also möglich, die bremsenden mittel- und osteuropäischen Staaten zu überstimmen. Allerdings wird bei wichtigen Themen der Konsens aller Staaten gesucht. 

Flüchtlinge in München: Wie funktioniert die Unterbringung im Winter?

+++ In den Bundesländern wächst die Diskussion um die Unterbringung von Flüchtlingen im Winter. Aufgrund der weiter steigenden Zahlen könne etwa nicht mehr ausgeschlossen werden, dass Flüchtlinge in Rheinland-Pfalz auch in beheizbaren Zeltunterkünften aufgenommen werden müssten. 

Das sagte die Staatssekretärin im Integrationsministerium, Margit Gottstein (Grüne), bei einer Sitzung des zuständigen Landtagsausschusses in Mainz. Die bisherige Prognose für dieses Jahr von 40 000 Asylanträgen in Rheinland-Pfalz werde sich voraussichtlich nicht halten lassen.

+++ Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder kommen am nächsten Mittwoch zu einem Sondergipfel zur Flüchtlingskrise zusammen. Das teilte EU-Ratspräsident Donald Tusk am Donnerstag über Twitter mit.

+++ Nach Angaben von Channel5-Reporter Peter Lane haben Flüchtlinge im kroatischen Tavornik die Polizeisperre durchbrochen:

+++ Eine Kolumnisten ruft zum Oktoberfest-Boykott auf. Ihr Argument: München wolle sechs Millionen Besucher empfangen, nur keine Flüchtlinge. Wie reagiert der Wiesn-Chef?

+++ Channel5-Reporter Peter Lane hat Neuigkeiten aus Tavornik: Dort versucht die kroatische Polizei, die riesigen Flüchtlingsmengen zurückzuhalten. Die Menschen warten seit Stunden auf einen Zug nach Zagreb.

Amazon will Flüchtlinge fürs Weihnachtsgeschäft einstellen

+++ Der Versandhandelsriese Amazon will für sein Weihnachtsgeschäft in Deutschland wieder tausende Saisonkräfte engagieren. Insgesamt würden in den neun Logistikzentren 10.000 Mitarbeiter befristet eingestellt, teilte das Unternehmen mit. Geboten würden "gute Arbeitsplätze mit sehr wettbewerbsfähigen Löhnen". Amazon befindet sich wegen der Bezahlung in seinen Logistikzentren im Dauerkonflikt mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Für das diesjährige Weihnachtsgeschäft will Amazon den Angaben zufolge auch Flüchtlinge einstellen. Das Unternehmen arbeite eng mit den jeweiligen Arbeitsagenturen an den Standorten zusammen, "um Flüchtlingen schnell und unbürokratisch in der Weihnachtszeit eine saisonale Tätigkeit anzubieten".

+++ Eine Universität für Flüchtlinge - klingt ein bisschen utopisch? Für Markus Kressler nicht. Er sammelt Geld, um Asylbewerbern ein Studium zu ermöglichen. 

Um sich an der Uni einzuschreiben, brauchen Flüchtlinge erst vor der Abschlussprüfung Zeugnisse und Identitätsnachweise. Sie haben dann zwei Jahre Zeit, ihre Unterlagen einzureichen. Die ersten Kurse an der "Kiron University" sollen im kommenden Jahr starten. Etwas über einer Million Euro benötigt Kressler für das Projekt, momentan steht er bei 82.000 Euro.

+++ Reporter Thomas Präkelt gab in der n-tv-Liveschalte einen Überblick über die Lage im kroatischen Tovarnik: Die Flüchtlinge würden seit sieben Stunden auf den Zug nach Zagreb warten, es sei sehr heiß und gebe nur wenig Schatten, so Präkelt. 

Die Polizei verteile nun die Flüchtlinge in Gruppen, damit der Zug bei seiner Ankunft nicht unkontrolliert gestürmt werde. Präkelt gab an, dass es momentan im Gegensatz zu Mittwoch keine Registrierung der Flüchtlinge gebe. Die Welle von knapp 6000 Menschen sei nicht abzusehen gewesen. Wohin die Flüchtlinge weiterreisen, wenn sie in Zagreb ankommen, wisse man noch nicht. 

Ungarische Botschaft verteidigt brutalen Polizeieinsatz bei Röszke

+++ Michael Stübgen, CDU-Politiker, ist aktuell in Ungarn und äußerte sich live auf n-tv zu der dortigen Situation. Sowohl die ungarischen Medien als auch die Gesellschaft würden die ungarische Regierung nicht so scharf kritisieren wie das Ausland, sagte Stübgen. 

Er forderte eine gesamteuropäische Lösung, die in Griechenland mit einem zentralen Auffanglager für dort ankommende Flüchtlinge beginnen sollte. 

+++ Die Botschaft von Ungarn in Berlin geht in einem Pressestatement auf Facebook auf die Ausschreitungen am Grenzübergang in Röszke von Mittwoch ein:

MITTEILUNG DER BOTSCHAFT VON UNGARNGestern (am 16. 09. 2015) Mittag stellten die am Grenzübergang Röszke 2...

Posted by Botschaft von Ungarn in Berlin on Donnerstag, 17. September 2015

+++ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) plant drastische Leistungskürzungen und strengere Regeln für Asylbewerber. Das geht aus dem Gesetzentwurf des Bundesinnenministeriums zur Neugestaltung der Flüchtlingspolitik in Deutschland hervor. 

"Mit dem Gesetzesvorhaben der Bundesregierung wird Abschottung, Abschreckung und Obdachlosigkeit zum Programm", kritisierte die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. Der Vorlage zufolge sollen alle Flüchtlinge keine Ansprüche auf Grundlage des Asylbewerberleistungsgesetzes geltend machen können, die über andere EU-Staaten eingereist sind und für deren Asylverfahren daher aufgrund der Dublin-Verordnung der EU eigentlich ein anderer Mitgliedsstaat zuständig ist. Sie sollen demnach lediglich eine Reisebeihilfe in Form einer Fahrkarte und Reiseproviant erhalten.

Sozialministerin Müller fordert bessere Organisation im BAMF

+++ Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) fordert eine bessere Organisation des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Nach dem Rücktritt von Behördenchef Manfred Schmidt sagte Müller: „Für die Flüchtlingssituation ist es dringend notwendig, das BAMF so zu organisieren, dass Verfahren beschleunigt und Antragsrückstände abgebaut werden.“

+++ Schauspieler Til Schweiger stellt ab 13 Uhr in Berlin seine neue Stiftung für Kinder und Jugendliche vor. Mit bei: Sigmar Gabriel, Jan Josef Liefers und Thomas D. Alle Infos dazu finden Sie in unserem Live-Ticker.

+++ n-tv-Korrespondent Thomas Präkelt hat neue Bilder aus dem kroatischen Tovarnik. Dort warten die Flüchtlinge seit Stunden auf den Zug nach Zagreb. 

Zugverkehr zwischen München und Salzburg unterbrochen

+++ Wegen der Grenzkontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze hat die Deutsche Bahn erneut den Fernverkehr zwischen München und Salzburg unterbrochen. Die Kontrollen führten zu Verspätungen, die einen grenzüberschreitenden Verkehr nach Fahrplan derzeit nicht möglich machten, erklärte die Deutsche Bahn am Donnerstag. Der Verkehr zwischen München und Salzburg sei deshalb bis auf weiteres unterbrochen. 

Betroffen seien die Züge der Intercity-Linie 62 von Frankfurt über Stuttgart, München und Salzburg nach Klagenfurt/Graz. Auf deutscher Seite beginnen und enden die Züge demnach in München, auf österreichischer Seite in Salzburg. Auch die österreichische Railjet-Linie 90 Budapest-Wien-Salzburg-München endet demnach in Salzburg. Reisende in Richtung Salzburg und Wien könnten entweder über Kufstein, Wörgel und Zell am See oder über Passau und Wels nach Österreich reisen, erklärte die Deutsche Bahn, die die Einschränkungen bedauerte. 

Die Bundesregierung hatte am Sonntag entschieden, angesichts der hohen Flüchtlingszahlen wieder die Grenze zu Österreich zu kontrollieren. Daraufhin hatte die Deutsche Bahn den Zugverkehr bereits einmal vorübergehend eingestellt.

+++ Ein Reporter des polnischen Fernsehsenders TVP ist dem Sender zufolge von der ungarischen Polizei stundenlang festgehalten worden. Wie TVP am Donnerstag berichtete, sei der Mann inzwischen wieder auf freiem Fuß. 

Der Journalist hatte am Mittwoch über die Proteste von Flüchtlingen an der serbisch-ungarischen Grenze berichtet. Er habe dabei nach eigenen Angaben „ein paar Schläge mit einem Polizeiknüppel abbekommen“ und wegen illegalen Grenzübertritts festgenommen worden.

+++ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Automobilindustrie aufgefordert, bei der Integration von Flüchtlingen zu helfen. Wo immer sich die Möglichkeit ergebe, offen auf Menschen zuzugehen und ihnen Chancen zu geben, "ermuntere ich Sie dies zu tun", sagte Merkel auf der Eröffnungsfeier der Automesse IAA in Frankfurt am Main. 

Der "gute, robuste" Zustand der deutschen Wirtschaft ermögliche es dem Land, "neue Herausforderungen zu meistern", sagte die Kanzlerin mit Blick auf die Flüchtlinge.

Lage an der ungarischen Grenze weiterhin kontrolliert

+++ n-tv-Reporter Dirk Emmerich ist im serbischen Horgos. Die Lage hätte sich beruhigt, sagt er. Viele harren weiterhin dort aus und wollen weiter über die Grenze nach Ungarn.

+++ Kroatien wird nach Einschätzung seines Premierministers möglicherweise nicht alle ankommenden Flüchtlinge registrieren können. „Unsere Möglichkeiten sind beschränkt“, sagte Zoran Milanovic nach einem Treffen mit dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in Zagreb.

Die Flüchtlinge in Kroatien zeigen sich zuversichtlich, ihr Ziel zu erreichen. Dort sei es friedlich und besser als in Ungarn, sagt ein Syrer. Er sei froh, bis dorthin gekommen zu sein.

+++ Das Rote Kreuz und der Malteser Hilfsbund betreuen und versorgen aktuell rund 800 Flüchtlinge in der Industriehalle Freilassing

. Das Rote Kreuz wird im Laufe des Tages ein eigene Lagezentrum für den Flüchtlingseinsatz errichten. 

Trotz der großartigen Hilfeleistungen, gibt es auch immer wieder negative Schlagzeilen: In München hat die Bundespolizei von skrupellosen Betrügern am Hauptbahnhof berichtet. Vermeintliche Landsleute, alles Asylbewerber, zocken die Flüchtlinge schamlos ab.

SAT.1 Umfrage: 59 Prozent der Bayern befürworten Grenzkontrollen

+++ SAT.1 Bayern hat zur Entwicklung der aktuellen Flüchtlingsdebatte eine repräsentative Telefonbefragung von über 1000 Bürgern durchgeführt. 

Diese zeigte, dass 59 Prozent der Bayern für Grenzkontrollen sind, nur 26 Prozent sind dagegen. 39 Prozent der Bayern halten den Flüchtlingsstrom hingegen für auf Dauer nicht verkraftbar.

Es stellte sich auch heraus, dass 67 Prozent der Meinung sind, dass Bayern im Rahmen der Flüchtlingskrise erst einmal genug getan hat und jetzt andere Bundesländer gefordert seien. 

+++ Florian Knape vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nennt in einem Gastbeitrag sieben Gründe, warum Deutschland die Flüchtlingskrise bewältigen kann.

+++ An der deutsch-österreichischen Grenze sind weitere Notunterkünfte für Flüchtlinge eingerichtet worden. Etwa 300 Migranten seien in der Sporthalle einer Realschule in Freilassing untergebracht, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Donnerstag. 

Seit Tagen werden in der Halle eines Möbelhauses in dem Grenzort schon 1000 Menschen versorgt. Etwa 400 Flüchtlinge sind zudem in einer Turnhalle der Bundespolizei in Rosenheim untergebracht. Die Asylsuchenden warten in den Unterkünften, bis sie per Zug in die bundesweiten Aufnahmezentren gebracht werden.

Flüchtlinge finden neue Wege: Jetzt ziehen sie über den Grenzfluss Inn

+++ Die Grenzkontrollen wie etwa an der A8, in Kiefersfelden oder Freilassing und Passau zeigen zwar Wirkung, doch gleichzeitig finden die Flüchtlinge neue, weniger frequentierte Wege, um in ihr Ziel Deutschland zu kommen. Es geht nun über den Grenzfluss Inn.

+++ Im serbischen Horgos werden wieder Infos über die veränderte Balkan-Route verteilt, wie n-tv-Reporter Dirk Emmerich berichtet.

+++ Tragisches Unglück bei einem Willkommensfest für Flüchtlinge am Blausteinsee in Eschweiler. Ein umstürzender Blumenkübel verletzte ein Flüchtlingskind (3) tödlich.

Flüchtlinge an der Grenze in Freilassing

+++ Rotes Kreuz (BRK) und Malteser Hilfsdienst (MHD) haben in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gegen 3 Uhr eine Turnhalle in Freilassing als zweite Notunterkunft ausgebaut, da die 1.000 Plätze in der Industriehalle durch die vielen Flüchtlinge, die noch immer zu Fuß von Salzburg nach Freilassing ziehen, kurz nach Mitternacht voll belegt war. Die beiden Hilfsorganisationen stemmen den Großeinsatz seit Montagmittag rein ehrenamtlich, wobei Einheiten aus dem Nachbar-Landkreis Traunstein die heimischen Helfer im Schichtdienst immer wieder ablösen.

Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge tritt zurück

+++ Der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Manfred Schmidt, hat seinen Rücktritt erklärt. Schmidt begründete seine Entscheidung mit "persönlichen Gründen". Das Bamf war in den vergangenen Wochen wiederholt kritisiert worden, weil die Beschleunigung von Asylverfahren nur schleppend voran kam.

+++ Zwischen 4000 und 5000 Flüchtlinge haben am Donnerstag versucht, in der kroatischen Grenzstadt Tovarnik Züge in Richtung der Hauptstadt Zagreb zu besteigen. "Hier sind zwischen 4000 und 5000 Menschen", sagte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Jan Kapic, am Bahnhof des Ortes an der Grenze zu Serbien. 

Zwar kämen Züge an, doch könnten diese nicht alle Flüchtlinge mitnehmen. Am frühen Morgen war ein Sonderzug mit 800 Flüchtlingen aus Tovarnik in Dugo Selo bei Zagreb eingetroffen, wo die Menschen in ein Aufnahmezentrum gebracht wurden.

Wie es aktuell in Tovarnik aussieht, zeigt ein Video von n-tv-Reporter Thomas Präkelt:

+++ Ab Freitag sollen wieder Züge zischen Ungarn und Österreich fahren. Das teilten die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mit. Sowohl auf der Strecke Wien-Budapest als auch im grenzüberschreitenden Regionalverkehr sollten dann wieder Züge planmäßig fahren.

Flüchtlinge in München: Wiesn-Chef Schmid zur aktuellen Lage

+++ Bei einem Rundgang über das Oktoberfest äußerte sich Wiesn-Chef Josef Schmid zur aktuellen Flüchtlingslage: "Wir blenden natürlich nicht aus, was um uns herum passiert. Und wir blenden natürlich nicht die existentielle Not derer aus, die zu uns kommen". 

Die Stadt München richtet ein Spendenkonto für die Flüchtlinge in München ein. Bankverbindung steht dann auf oktoberfest.eu.

+++ "Ich hätte gerne das Doppelte an Syrern, wenn ich dafür ein paar Osteuropäer abgeben könnte". Dieser makabere Satz stammt von Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link, wie die WAZ berichtet. Bereits auf der SPD-Tagung zur Flüchtlingskrise in Berlin sorgte die Aussage für Entsetzen, jetzt diskutiert auch das Netz über die Äußerung Links. 

Auf Nachfrage der WAZ erklärte der Oberbürgermeister im Anschluss: "Ich bedaure, dass ich für meine Botschaft in einer emotionalen Debatte nicht die richtigen Worte gefunden habe. Ich wollte durch meine Aussage niemanden persönlich treffen". 

Doch laut WAZ bleibe er bei seiner Aussage, dass in Duisburg eine zusätzliche Belastung durch die Flüchtlingskrise gestemmt werden müsse: "Anders als in anderen Städten leben hier mittlerweile 12.500 Bulgaren und Rumänen, die im Rahmen der EU-Freizügigkeit kommen. Die meisten von ihnen haben keine Arbeit und durch fehlende Deutschkenntnisse auch kaum Möglichkeiten, eine zu finden".

Österreich erwartet größere Flüchtlingszahl aus Slowenien

+++ Der stellvertretende Chefredakteur des Münchner Merkur, Georg Anastasiadis, hat einen Kommentar zu Kanzlerin Merkels emotionaler Aussage vom Mittwoch verfasst.

+++ Nach der Unterbrechung der sogenannten Balkanroute über Ungarn haben in der Nacht zum Donnerstag kaum weitere Flüchtlinge die Grenze zu Österreich überquert. Lediglich eine Handvoll Menschen sei angekommen, teilten die Behörden mit. Sowohl an der Ost-Grenze zu Ungarn als auch an der südlichen Grenze zu Slowenien sei die Lage derzeit ruhig, hieß es. Die Alpenrepublik stellt sich jedoch bereits auf eine größere Zahl an Flüchtlingen aus Slowenien ein.

+++ Wie es derzeit an der Grenze zu Serbien im ungarischen Röszke aussieht, zeigt ein Video von n-tv-Korrespondetn Dirk Emmerich:

Flüchtlinge in München: Jetzt auch Grenzkontrollen in Sachsen

+++ An der Hauptverkehrsroute zwischen Deutschland und Tschechien, der Autobahn 17, hat die Bundespolizei Grenzkontrollen eingerichtet. „Die Lage in Serbien und Ungarn könnte dazu führen, dass vermehrt Schleuser auftauchen“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Pirna. Die Mehrzahl der Flüchtlinge mit Ziel Deutschland kommt derzeit in Bayern an. Auch in Sachsen gibt es jedoch schon Grenzkontrollen - etwa in Oberwiesenthal und Marienberg.

+++ Die Pläne der Bundesregierung zur leichteren Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nehmen Gestalt an. So solle künftig "nach Ablauf der Frist zur freiwilligen Ausreise der Termin der Abschiebung nicht angekündigt werden, um die Gefahr des Untertauchens zu verringern", zitierten die in Dortmund erscheinenden "Ruhr-Nachrichten" aus einem Gesetzentwurf des Bundesinnenministeriums. 

Die Höchstdauer der Aussetzung von Abschiebungen durch die Länder werde von sechs auf drei Monate reduziert.

+++ n-tv-Reporter Dirk Emmerich hat Neuigkeiten von dem Syrer, der von einer ungarischen Kamerafrau getreten worden ist: Er bekommt einen Trainerjob in Madrid.

Auf der Webseite des BBC gibt eine Stellungnahme des Sprechers der Fußballschule zum neuen Job des Syrers Osama Abdul Mohsen.

Flüchtlinge in München: Ruhige Nacht am Hauptbahnhof

+++ Etwa 30 Flüchtlinge sind in der Nacht auf Donnerstag am Münchner Hauptbahnhof angekommen. „Die Nacht war sehr ruhig“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Jedoch würden im Laufe des Vormittags mehrere Hundert Flüchtlinge erwartet, die mit Regionalzügen aus dem Grenzort Freilassing gebracht werden sollten. Am Mittwoch waren den Angaben nach etwa 1600 Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof angekommen.

Vier Busse haben etwa 200 Migranten nach Nürnberg gebracht. Kurz nach Mitternacht seien die Flüchtlinge, vor allem Familien mit Kindern, in Nürnberg angekommen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

+++ Nach der Abriegelung der ungarischen Grenze kommen deutlich mehr Flüchtlinge nach Kroatien als von der Regierung erwartet. Rund 5400 Menschen seien bereits eingetroffen, berichtete das öffentlich-rechtliche Fernsehen HRT am Donnerstag in Zagreb unter Berufung auf das nationale Rote Kreuz. Weitere 4000 würden in den nächsten Tagen erwartet. 

Am frühen Morgen wurden 800 Flüchtlinge von Tovarnik an der Grenze zu Serbien mit dem Zug nach Dugo Selo östlich von Zagreb gebracht. Dort sollen sie in einem Erstaufnahmezentrum unterkommen.

+++ Alle Ereignisse vom Mittwoch finden Sie in

unserem Nachrichtenticker des Vortags

.

dpa/AFP/sb

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