Trotzdem 1000 neue Plätze geplant

Wegen Hygiene: Flüchtlinge doch nicht ins Wiesn-Zelt

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Die ursprünglich ins Auge gefasste Nutzung von Wiesn-Zelten als Unterkunft für Flüchtlinge kommt nun doch nicht in Frage.

München - München will kurzfristig für 600 bis 1000 Flüchtlinge Unterkunftsmöglichkeiten schaffen.

Nach seiner Sitzung kündigte der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) an, schon bis Freitag klären zu wollen, an welchen Standorten und in welchem Zeitraum die Unterbringung von Flüchtlingen realisiert werden kann.

Sicher ist bereits, dass die ursprünglich ins Auge gefasste Nutzung von Wiesn-Zelten „nicht in Frage kommt“. Begründung: Die Mindestanforderungen für eine menschenwürdige und hygienische Unterkunft seien nach 16 Tagen Oktoberfest nicht gegeben. Außerdem ließen sich die Zelte gar nicht oder nur schwer beheizen.

Näher untersucht werden soll aber sehr wohl die Nutzung von Containern und Isolierhallen auf der Theresienwiese. Als weitere mögliche Gebäude sollten laut SAE „in den nächsten Tagen“ das Olympiastadion als auch die Event Arena (das ehemalige Radstadion) näher geprüft werden. Geprüft würden außerdem die Bayerische Landesschule für Gehörlose sowie die Landwirtschaftsschule und der Siemens Sportpark inklusive der Doppelturnhalle sowie verschiedene Gewerbeobjekte.

Als mögliche Standorte für die Aufstellung von Containern würden neben der Theresienwiese das Tollwood-Gelände im Olympiapark, Freiflächen an der Messe, das Areal am Kapuzinerhölzl und der Zschokkestraße sowie ein bis zwei Freibäder der Stadtwerke München auf ihre Eignung untersucht. Viel Arbeit in kürzester Zeit also.

Doch auch darüber hinaus ist die Stadt München tätig: Sie hat bereits der Regierung von Oberbayern fünf Vollzeitmitarbeiter zur Verfügung gestellt, um den Flüchtlingsansturm besser bewältigen zu können. Darüber hinaus hätten sich weitere 50 städtische Dienstkräfte bereit erklärt, in der Bayernkaserne (für die weiterhin ein Aufnahmestopp gilt) zu helfen. OB Dieter Reiter fasste die Marschrichtung der Stadt so zusammen: „Meine Mindestanforderung für heute und die nächsten Tage ist, dass niemand mehr im Freien schlafen muss.

Auch Schullehrer bitten um Hilfe

Die steigende Zahl von Asylbewerbern stellt auch die Schulen in Bayern vor große Herausforderungen. Der Lehrerverband BLLV sprach am Mittwoch von einer „dramatischen Situation“: Lehrer müssten zum Teil schwer traumatisierte Kinder unterrichten, „ohne unterstützendes und ausreichendes Personal und ohne Vorbereitung“.

Übergangsklassen für Flüchtlingskinder seien meist überfüllt. Die Kinder würden darum oft auf normale Schulklassen verteilt, wo sie nicht angemessen betreut werden könnten. Der Lehrerverband forderte vom Kultusministerium mehr Unterstützung durch Sozialarbeiter, therapeutische Hilfe für traumatisierte Kinder und kleinere Übergangsklassen. Wie viele Flüchtlingskinder derzeit in bayerischen Schulen sind, konnte das Ministerium übrigens nicht sagen. Der Aufenthaltsstatus von Schülern werde nicht erfasst. Laut BLLV besuchen in München rund 1400 Schüler Übergangsklassen. Knapp ein Viertel dürfte aus Flüchtlingsfamilien stammen.

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