"Ansturm kaum noch zu bewältigen"

49 Flüchtlinge in einem Zug: Polizei schlägt Alarm

+
Der Hauptbahnhof München.

München - Die Münchner Bundespolizei schlägt Alarm: Über 600 unerlaubt eingereiste Flüchtlinge sind seit Juni am Hauptbahnhof aufgeschlagen. Oft ist es das Werk von Schleuserbanden. Die Beamten kommen mit der Arbeit kaum noch nach.

So etwas hat selbst die Bundespolizei noch nicht erlebt: Als der EC 188 aus Verona am Montagabend am Hauptbahnhof eintraf, entstiegen ihm insgesamt 49 illegal eingereiste Flüchtlinge aus fünf verschiedenen Staaten. Davon stammten 35 aus Syrien, zehn aus Eritrea, zwei aus Somalia, je einer aus Nigeria sowie Gambia.

Es war der Höhepunkt einer galoppierenden Entwicklung: Seit Juni sind über 600 unerlaubt eingereiste Menschen am Hauptbahnhof aufgeschlagen. Nun schlägt die Bundespolizei Alarm: „Der Ansturm ist für uns personell wie räumlich kaum noch zu bewältigen“, sagt Sprecher Wolfgang Hauner. „Die polizeiliche Aufarbeitung bindet unsere Beamte stundenlang. Streifentätigkeiten sind in dieser Zeit nur noch eingeschränkt möglich.“

Erstaufnahmeeinrichtungen wie die Bayernkaserne platzen wie berichtet aus allen Nähten. Seit einigen Tagen wohnen dort sogar schon Flüchtlinge in einer zu einem Bettenlager umgestalteten Garage. Die seit Jahresanfang steigenden Flüchtlingszahlen spürt auch die Bundespolizei. Laut Hauner gibt es zwei dominante Einreiserouten. „Die einen reisen aus Italien ein“, etwa mit dem EC 188 aus Verona. „Die anderen reisen über die Türkei und Osteuropa ein.“ Für viele der unerlaubt eingereisten Asylbewerber ist der Hauptbahnhof die erste Anlaufstelle, „auch wenn sie mit Bus oder Lkw über die Grenze kommen“, sagt Hauner. „Die kommen dann von sich aus auf uns zu.“

So haben Bundespolizisten alle Hände voll zu tun. Auf der Wache an Gleis 26 werden die Personalien aller Flüchtlinge erfasst. „Bei 49 Flüchtlingen kann es da sehr eng werden“, sagt Hauner. Wo es möglich ist, werden Beamte mit Migrationshintergrund eingesetzt, die zum Beispiel Türkisch sprechen. „Dennoch ist die Sprachbarriere die größte Hürde.“ Die Nationalität der Asylbewerber muss festgestellt werden, sofern dies möglich ist. Die Flüchtlinge geben Fingerabdrücke ab. Zudem prüfen die Beamten, ob Schleuser im In- oder Ausland den Flüchtlingen bei der Einreise geholfen haben. „Manche Menschen bekommen einen Zettel mit, an wen sie sich hier zu wenden haben. Andere werden sogar vom Bahnhof abgeholt.“ Die Verfolgung von Schleusern gestalte sich jedoch relativ schwierig: „Das ist ein sehr langwieriger Prozess, die ausfindig zu machen.“

Ist die Arbeit der Bundespolizei getan, werden Frauen und Kinder unmittelbar dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge anvertraut. Männer werden oft für weitere Maßnahmen dem Münchner Polizeipräsidium überstellt. „Dafür sind wir nicht mehr zuständig“, sagt Hauner. Die Flüchtlinge kommen in sehr unterschiedlichem Zustand in München an. Syrer, die etwa die Hälfte der unerlaubt Eingereisten stellen, reisen Hauner zufolge häufig in Gruppen an und haben Geld dabei. „Die kaufen sich sogar ordnungsgemäß eine Fahrkarte.“ Die 35 aus Verona angekommenen Syrer etwa stammten aus vier Großfamilien, die mit insgesamt 14 Kindern unterwegs waren. Flüchtlinge aus Afrika seien hingegen häufig mittellos und reisten unter widrigen Bedingungen einzeln an. „Sie sind oft in einem schlechten hygienischen Zustand.“

Angelo Rychel

Auch interessant

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare