Gentrifizierung vom Odeonsplatz bis zur Isar?

Angst vor „Party-Horror“: Gärtnerplatz-Anwohner protestieren gegen neue Fußgängerzone

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Gärtnerplatz-Anwohner wollen keine Fußgängerzone.

Am Gärtnerplatz in der Isarvorstadt in München ist immer viel los. Doch der Plan das Areal um den Gärtnerplatz für Autos zu sperren und nur für Fußgänger zu öffnen, gefällt nicht jedem. 

München - Der Vorstoß einer Anwohner-Initiative, die Reichenbachstraße auf ganzer Länge zum Fußgängerboulevard zu machen, ist bei der Bürgerversammlung Ludwigs-/Isarvorstadt durchgefallen. Anwohner protestieren. Wie berichtet, sammelte die Initiative „Gärtnerplatz Fußgängerzone“ bereits mehr als 800 Unterschriften für eine stufenweise Verkehrsentlastung rund um den Gärtnerplatz. Dabei soll die Reichenbachstraße langfristig völlig autofrei werden.

An der einer Fußgängerzone am Gärtnerplatz haben Anwohner kein Interesse 

„Kein Anwohner hier hat Interesse an einer Fußgängerzone“, erklärte der Geschäftsmann Nikolas Meyer. Er hat direkt am Gärtnerplatz/Ecke Reichenbachstraße ein Schuhgeschäft und wohnt auch dort. „Während des Umbaus des Theaters hatten wir Händler schon eine harte Zeit, weil es viele Straßensperren gab. Für uns ist die Erreichbarkeit und eine hohe Frequenz ein Muss“, sagte er bei der Bürgerversammlung. 

Das Viertel lebe von inhabergeführten, individuellen Geschäften, nicht von Billigheimern oder Ketten, die in Fußgängerzonen einzögen. Profitieren würde nur die Gastro. „Und wir bräuchten dann ein Konfliktmanagement nachts für die ganze Reichenbachstraße“, glaubt Meyer. Schon heute seien die Nachtschwärmer laut, weil man nur noch vor den Kneipen rauchen darf, jeder ein Handy benutze und viele Musik laut auf der Straße hörten.

Erreichbarkeit muss gegeben sein: Das sagt Nikolas Meyer, der das Schuhgeschäft „Morgantini“ betreibt.

Muss der Gärtnerplatz mit dem Auto erreichbar sein? 

„Ich möchte nicht in einer abgeschotteten Fußgängerzone leben“, sagte Ralf Schweinböck, der seit 18 Jahren in der Reichenbachstraße lebt und arbeitet. „Für mich ist es sehr wichtig erreichbar zu sein, auch mit dem Auto. Die Auswirkungen auf uns Anwohner wären gravierend.“ Seine Nachbarn sehen das ebenso und befürchten Touristenströme, die das Viertel heimsuchen werden. „Heute ist unser Teil mit der Einbahnregelung eine ruhige Idylle. Raser und lautes Autokreiseln am Gärtnerplatz, wie die Initiative behauptet, gibt es einfach nicht. Und den Party-Horror vom nächtlichen Gärtnerplatz haben wir schon erlebt als die Treppe zum Theater breiter und die Flächen auf dem Platz offener waren.“

Will nicht in einer abgeschotteten Fußgängerzone leben: Der Fotograf Ralf Schweinböck.

Angst vor einer Flaniermeile und Touristen

Eine Flaniermeile wäre ein Besuchermagnet, der unsere gute Nachbarschaft zerstört“, malte Klaus Hase aus. Weitere Anwohner warnten vor einem Boulevard vom Odeonsplatz bis zur Isar und befürchten dann eine Gentrifizierung mit stark steigenden Mieten. Car-Sharing statt einem eigenen Auto lehnte eine Anwohnerin ab.

Als bekennende Autofahrer bezeichnete Constantin Bös vom Pilotprojekt „Gärtnerplatz Fußgängerzone“ diese Anwohner. Bei der Bürgerversammlung warb er für seine Initiative, die er als eine Diskussionsplattform für eine enkeltaugliche Mobilität und Quartiersentwicklung mit mehr Raum und Grünflächen darstellte.

Interessanterweise stimmten die anwesenden Bürger sowohl für die Ablehnung seiner Petition „Fußgängerzone in der Reichenbachstraße“ als auch, mit knapperer Mehrheit, für eine Weiterführung seiner Diskussion zum Verkehrsabbau.

Was passiert nun mit dem Gärtnerplätz?

Der Bezirksausschuss Ludwigs-/Isarvorstadt (BA 2) steht hier zwischen den Fronten. „Es besteht am Gärtnerplatz Handlungsbedarf“, so der BA-Vorsitzende Alexander Miklósy, Rosa Liste. „Wir haben beispielsweise Probleme mit den Ladezonen am Platz, hier behindern die Laster oft Schulkinder und Passanten. Eine Fußgängerzone führe aber zu weit, es gehe um abgestufte Lösungen. Sehr wichtig sei: „Wir wollen nichts gegen den Willen der Anwohner machen, sondern sie mit ins Boot holen.“ 

Lesen Sie auchDoppelbrücke an der Isar? Steg soll Prater- und Schwindinsel verbinden

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Isarvorstadt – mein Viertel“.

Bettina Ulrichs

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