Er reiste nach Syrien in den Heiligen Krieg

Dieser Münchner wollte als Märtyrer sterben

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Diesem 21-Jährigen wird gerade der Prozess gemacht.

München - Weißes Hemd, akkurater Seitenscheitel, jugendliches Gesicht – wie ein braver Schulbub betritt Ufuk C. am Donnerstag den Gerichtssaal. Sieht so ein Terror-Kämpfer aus?

„Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland“, lautet die Anklage. Und als der gebürtige Münchner beginnt, aus seinem Leben zu erzählen, wandelt sich das Bild.

Auf Nachfrage von Richter Manfred Dauster gibt er zu: „Ja, ich wollte als Märtyrer sterben. Auch wegen der Jungfrauen im Paradies, die mir versprochen worden sind.“

Von April bis Juli 2014 war Ufuk C. ins Kriegsgebiet nach Syrien gereist. Über das türkische Antalya, dass von Deutschland aus vor allem von Touristen angeflogen wird, reiste er schließlich per Bus über die türkisch-syrische Grenze.

Bei seiner Rückkehr am 25. Juli 2014 wurde er gleich nach der Landung am Münchner Flughafen festgenommen. Kurz zuvor war im Internet ein Propaganda-Video aufgetaucht, auf dem zum Dschihad (Heiliger Krieg, Anm. d. Red.) aufgerufen wird.

Darin zu sehen: Ufuk C. Die Monate zuvor verbrachte er mit mehreren Gleichgesinnten in der Terror-Gruppe Jabhat-al Nusra, ein syrischer Ableger von Al-Kaida. Ufuk C. wurde ausgebildet, lernte den Umgang mit Waffen, erhielt Taktikschulungen und Islam-Unterricht.

„Morgens sind wir gelaufen, danach gab’s Schusstraining und viel Theorie“, schildert der 21-Jährige seinen damaligen Tagesablauf. Einen echten Kampfeinsatz hat er nach eigener Aussage nicht miterlebt. „Es ist nicht viel passiert. Die meiste Zeit haben wir Sport gemacht, gekocht oder sind geschwommen.“

Richter Dauster entgegnet verwundert: „Das klingt mir so wie: Wir fahren ins Landschulheim.“ Der Grund für seine Rückreise ist weniger harmlos. Als Truppen von Syriens Präsident Assad ihre Stellungen bombardierten, wurde es kritisch.

Er sagt: „Ich habe das alles auf die leichte Schulter genommen. Ein Schlüsselerlebnis nach seinem Schulabschluss weckte sein Interesse für den Islam. „Ich habe viele schlimme Sachen gemacht. Habe Drogen genommen, Alkohol getrunken und war meinen Eltern nicht immer ein guter Sohn. Aber trotzdem durfte ich die Barmherzigkeit Allahs erfahren“, erklärt C.

Im Internet lässt er sich von salafistischen Hass-Predigern verführen. „Die Präsentation, die Ansprache hat mich beeindruckt“, beschreibt er den Beginn seiner Radikalisierung. Sein Tag besteht aus arbeiten und beten.

Er verliert die Lust an einem Leben in Deutschland und reist schließlich nach Syrien. C.: „Um zu helfen und Ungläubige zu töten.“ Das Urteil soll am 9. Juni ergehen.

Johannes Heininger

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