SEK-Einsatz im Glockenbach

Hier führen sie den Pistolenmann ab

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Hier wird der Grieche (53) aus dem Haus zum Streifenwagen geführt.

München - Er fiel den Nachbarn schon öfter unangenehm auf. Doch jetzt hat er es wirklich übertrieben: Ein offensichtlich psychisch kranker Mann (53) hat am Freitag im Glockenbachviertel einen großen Polizei-Einsatz ausgelöst.

Am Ende griff das SEK ein und holte den bewaffneten Mann aus seiner Wohnung.

Der 53-Jährige Grieche lebte allein im vierten Stock des einzigen Hochhauses inmitten der schönen Altbauten in der belebten Hans-Sachs-Straße. Im Hause galt er als verschroben, aber eigentlich harmlos. Darum dachte sich eine Nachbarin (37) auch nichts dabei, als er am Donnerstag mal wieder ausflippte. Am späteren Abend gegen 22.30 Uhr hämmerte er auf seinem Wohn-Flur im vierten Stock wie ein Besessener mit den Fäusten und dem Griff einer nicht näher identifizierbaren Schusswaffe gegen die Tür eines 53-Jährigen Nachbarn. Ob da ein Streit vorausgegangen war und worum es eigentlich ging, ist noch nicht ganz klar.

Als die gleiche Nachbarin am Freitag vormittags ihre Wohnung verließ, stank der Flur im vierten Stock nach kaltem Rauch. Zudem war der Türstock und die Fußmatte des Nachbarn von außen mit aufgestapelten Müll angezündet worden. Die Bewohner selbst hatten davon noch gar nichts bemerkt, weil das Feuer von selbst erloschen war. Der Verdacht fiel sofort auf den Griechen. Darum riefen die besorgten Nachbarn die Polizei.

Weil der 53-Jährige ganz offensichtlich eine Waffe besaß, entschied der Einsatzleiter um 10.30 Uhr, das für solche Fälle geschulte und schwer bewaffnete Spezialeinsatzkommando SEK zu rufen. Die Hans-Sachs-Straße wurde in Teilen gesperrt. Mittlerweile waren am Einsatzort und im Biergarten nebenan zahlreiche Anwohner und Schaulustige zusammengelaufen. Kurz darauf gab es im vierten Stock einen kurzen Knall: Das war der Moment, in dem das SEK die Tür des 53-Jährigen in einem Überraschungsangriff aufbrach. Der Grieche leistete keinerlei Widerstand und wurde auch nicht verletzt. Gefesselt wurde er gegen 12.15 Uhr unter einem blau-weiß-gestreiften Sweatshirt verborgen aus dem Haus zum Polizeiwagen geführt und ins Polizeipräsidium zur Vernehmung gefahren. Das Kommissariat 13 ermittelt gegen ihn wegen Brandstiftung. Vermutlich wird er nun psychiatrisch untersucht. In seiner Wohnung wurde eine Schreckschusspistole gefunden. Vorsichtshalber wurde die Wohnung auch noch von einem Sprengstoffhund durchsucht. Die Sperrung der Hans-Sachs-Straße wurde nach 40 Minuten aufgehoben.

SEK-Einsatz im Glockenbachviertel: Bilder

SEK-Einsatz im Glockenbachviertel: Bilder

Im Haus lebte der "schöne Zar"

Efim Laskin wurde 1991 regelrecht hingerichtet.

Schon einmal geriet das Hochhaus in der Hans-Sachs-Straße in die Schlagzeilen. Hier lebte bis Herbst 1991 Efim Laskin (†52) – ein ebenso gefürchteter wie geliebter Führungskopf der Russenmafia, der von seinen Anhängern als „schöner Zar“ verehrt wurde. Seine Wohnung war lange Zeit Anlaufadresse für Emigranten in Not. In der Nacht zum 27. September 1991 wurde Laskin, der in Schutzgelderpressungen, Drogenhandel und Geldfälscherei verwickelt war, auf dem Parkplatz am Ungererbad erstochen. Drei seiner vier Mörder leben nicht mehr. Einer – Alexander T. – wurde kürzlich in Moskau auf offener Straße erschossen. 

Dorita Plange

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