Demonstration am Dienstagabend

Pestalozzistraße: Darum machen wir uns stark

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Friedrich Ani (von links), Christian Springer und Frank-Markus Barwasser vor dem Haus an der Pestalozzistraße, das die Stadt weghaben will. 220 Menschen halfen gestern Abend beim Protest.

München - Einmal mehr hat sich am Dienstagabend Münchens Kabarettszene eingefunden, um gegen städtischen Leerstand und Abrisspläne des Kommunalreferates zu protestieren.

An der verrußten Fassade hängen Warnschilder: Vorsicht!!! Amtsschimmel. Davor wummert die Tuba der Express Brass Band, und einmal mehr hat sich am Dienstagabend Münchens Kabarettszene um Frank-Markus Barwasser, Luise Kinseher, Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer (Herbert & Schnipsi) sowie Christian „Fonsi“ Springer eingefunden, um gegen städtischen Leerstand und Abrisspläne des Kommunalreferates zu protestieren. Mit ihnen sind 200 weitere Menschen da. Die Kabarettisten haben Asylbewerber interviewt und lesen vor, was den Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan oder Nigeria Unbeschreibliches widerfahren ist.

In der Pestalozzistraße steht an der Ecke zur Blumenstraße ein leerstehendes Haus aus der Nachkriegszeit, das die Stadt seit 2011 verfallen lässt. Jetzt soll es schnell einem Neubau weichen. Für die Aktivisten von Goldgrund mit Kleinkunst-König Till Hofmann an der Spitze macht das keinen Sinn. Die Goldgrund-Gorillas fordern vielmehr: „Lasst das Haus stehen, renoviert es und bringt dort Flüchtlinge unter.“ Nach Augsburger Vorbild wollen die Aktivisten ein „Hotel Bellevue di Monaco“ gründen, ein Wohnhaus mit Café, Werkstätten und Kulturbetrieb zur Integration von jungen Flüchtlingen, Müttern und Obdachlosen. „1,2 Millionen Euro würden dafür genügen“, so Hofmann. Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) schätzt die Kosten dagegen auf sechs Millionen. Der Referent hatte auch Journalisten durch das Haus geführt, zeigte verschimmelte Wände. Das ist der „Amtsschimmel“, den Hofmann aufs Korn nimmt: „Wer hat denn das Haus so lange leer stehen lassen?“

„Flüchtlinge in die Maximilianstraße? Ja, gute Idee!“

Mit dabei auf der Demo: Luise Kinseher.

Luise Kinseher: "Mir geht das Flüchtlingsschicksal, von dem ich vorlesen durfte, furchtbar nah. Horror-Nachrichten in den Nachrichten erregen Protest und Empörung, aber ein Einzelschicksal ruft ein intensives Mitgefühl, Mitempfinden hervor. Mitgefühl ist die einzige Chance für uns Menschen, weiterzukommen."

Frank-Markus Barwasser: "Ich habe heute an der U-Bahn ein Gespräch belauscht, bei dem es darum ging, dass das Gärtnerplatzviertel doch viel zu teuer für Flüchtlings-Wohnstätten sei. Der Mann fragte rhetorisch: „Und was kommt als nächstes? Die Maximilianstraße?“ – Und ich sagte: Ja, gute Idee! Till, schau mal nach, ob da was leersteht!"

Axel Hacke: "Ich wohne im Viertel. Es ist mir unerklärlich, warum dieses Haus seit Jahren leersteht. Es wäre ja heute mehr wert, wenn man es bewohnt hätte. Das ist ein Unsinn und ein Skandal. Dagegen muss endlich vorgegangen werden. Die Idee eines Zuhauses für Flüchtlinge ist sehr gut."

Christian Springer: "Das Leerstandshaus zeigt uns, dass wir aufmerksamer sein müssen, gerade auch mit unseren Mitmenschen. In der Bayerkaserne fehlen Pullis und Schuhe. Wenn wir schaffen, dass das Haus stehenbleibt, aber morgen keine Kleidung in der Bayerkaserne ist, sind wir ein armseliges Land."

Marcus H. Rosenmüller: "Goldgrund hat Kraft und Visionen und geht an gegen Bedenkenträgerei. Die Gorillas sehen keine Probleme, sondern Lösungen. Weiter so!"

Müllerstraße: Es tut sich was

OB Dieter Reiter will prüfen, ob sich die Müllerstraße als Sozialprojekt eignet.

Gibt es doch ein Happy End für die Müllerstraße? Erst wollte das Kommunalreferat die drei Häuser an er Ecke zur Corneliusstraße abreißen, um dort ein neues Wohngebäude zu errichten. „Die Gebäude sind gut in Schuss“, so die Goldgrund-Gorillas: Sie renovierten im Frühjahr 2013 eine Wohnung im Eckbau. Die Aktivisten schlugen vor, in der Müllerstraße das Integrationsprojekt „Bellevue di Monaco“ für junge Flüchtlinge, Mütter und Obdachose zu etablieren. Die Stadt lehnte ab, derzeit ist vorgesehen, zwei der drei Häuser abzureißen. Doch nun kommt wieder Bewegung in die Sache. OB Dieter Reiter (SPD) lädt die Gorillas zu einem Runden Tisch ein. Die Gorillas sollen erklären, wie sich die Realisierung ihres Projekts vorstellen. CSU, SPD und Grüne unterstützen die Gespräche. Die Goldgrund-Gorillas hatten als neuen Standort schon das leerstehende städtische Haus an der Pestalozzistraße vorgesehen (siehe oben).

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