Streit um Leerstand an der Pestalozzistraße

Asyl-Heim statt Abriss am Sendlinger Tor?

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Dieses Haus auf städtischem Grund soll abgerissen werden.

München - Jeder Münchner kennt das grüne Haus an der Ecke Pestalozzistraße/Blumenstraße. Der städtische Wohn- und Bürokomplex steht zum Teil schon seit 2006 leer.

Nach 14 Jahren Planungs-Chaos will ihn die Stadt jetzt abreißen und durch ein Mietshaus ersetzen. Doch mit dem Neubau wird wohl nichts vor dem Jahr 2022 …

Die Goldgrund-Gorillas, die bereits in der Müller- und Pilotystraße erfolgreich gegen städtischen Leerstand gekämpft haben, schlagen deshalb vor, die Zeit zu nutzen! Das Haus sei ideal, um Wohnungslose und Asylbewerber unterzubringen!

Die Chaos-Geschichte geht in das Jahr 2000 zurück: Schon damals beschloss der Stadtrat, dass der markante grüne Bau einem Wohnhaus weichen soll. Die Planungen kamen allerdings nicht über den Entwurf eines Bebauungsplanes hinaus. Und dennoch begann das Kommunalreferat damit, 2006 und 2007 die drei Wohnungen im Haus zu räumen. Dann zogen die dort untergebrachten städtischen Dienststellen aus. Anfang 2011 war der Bau endgültig leer, die Eingänge wurden zugenagelt, Wasser- und Stromanschlüsse abgeklemmt.

2012 interessierte sich die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) für das Grundstück, um dort ein Pflegeheim zu errichten. Doch Mitte dieses Jahres platzten diese Pläne, weil nun die Stadtwerke auf der gegenüberliegenden Seite der Blumenstraße einen neuen Ausgang für den U-Bahnhof Sendlinger Tor planen. Zwei Baustellen links und rechts der Straße – das würde ein Verkehrschaos am Altstadtring bedeuten. Die IKG verzichtete im Sommer auf das Areal, das Heim entsteht nun anderswo.

Die Goldgrund-Gorillas renovierten schon in der Müllerstraße.

Im August beantragte die SPD nun erneut den Bau eines Mietshauses! Doch vor 2022 rechnet niemand mit der Fertigstellung. Und trotzdem soll das alte Gebäude gleich nach der Wiesn abgerissen werden! Ein Bündnis aus Sozialverbänden und den Goldgrund-Gorillas schlägt nun vor: „Lasst das Haus erst mal stehen und bringt dort Asylbewerber und Obdachlose unter.“ Das Bündnis schrieb an OB Dieter Reiter (SPD) und rechnete vor, dass man dort selbst bei einer Million Euro Investitionskosten 3,5 Millionen sparen könnte, die man jetzt für andere Unterkünfte zahle.

Bei der CSU rennen die Gorillas offene Türen ein: „Das Haus würde sich als Zwischennutzung für die Unterbringung von Flüchtlingen eignen“, so der sozialpolitische Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion, Marian Offman. Bei der SPD ist man dagegen skeptisch: „Ich glaube nicht, dass sich das Projekt verwirklichen lässt“, so SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Das Haus sei zu marode.

Johannes Welte

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