Wie auch Sie Flüchtlinge unterstützen können

Die große Münchner Herzlichkeit: Sie helfen

München - Die Welle der Hilfsbereitschaft in München und anderen Städten ist enorm: Hier lesen Sie, wie sich Menschen für Flüchtlinge engagieren.

Alle News vom Hauptbahnhof

Wien

In Wien trafen allein am Montag nach Polizeiangaben knapp 4000 Flüchtlinge mit Zügen aus Ungarn ein. Dies sei ein neuer Tagesrekord in diesem Jahr, sagte Polizeisprecher Patrick Maierhofer. Trotz eines großen Aufgebots an Einsatzkräften verlief die Ankunft eher chaotisch: Kontrollen gab es praktisch keine. Viele der überwiegend syrischen Flüchtlinge stiegen ungehindert in Züge Richtung Rosenheim und München um. In den späten Abendstunden warteten noch Hunderte Flüchtlinge auf den Bahnsteigen des Westbahnhof auf weitere Züge, die sie nach Deutschland bringen sollten.

Budapest

Die ungarischen Behörden haben am Dienstag den Budapester Ostbahnhof nach einer zweistündigen Totalsperrung am Vormittag wieder für Reisende geöffnet. Allerdings kontrolliert die Polizei die Eingänge und lässt keine Flüchtlinge mehr in Fernzüge. Am Montag hatte die Polizei überraschend auf Kontrollen am Bahnsteig verzichtet. Mit diesen Kontrollen sollten Reisende ohne gültiges Visum für Österreich oder Deutschland daran gehindert werden, in internationale Züge einzusteigen. Daraufhin waren im Laufe des Montags tausende Flüchtlinge mit Zügen über Wien nach München gefahren, wo die ersten am Nachmittag ankamen.

Viele Spenden von türkischen Händlern und asiatischen Wirten

Flo (25), Barkeeper aus München.

Ich bin seit 25 Stunden auf den Beinen und werde mich jetzt dann mal ein paar Stündchen aufs Ohr hauen. Vorher habe ich für 15 Euro für die Flüchtlinge Wasser gekauft und von türkischen Händlern und asiatischen Gastronomen rund um den Hauptbahnhof viele Lebensmittel geschenkt bekommen. Wir sind seit Montagabend hier, die Helfer wechseln durch. Alles basiert auf Privat-Initiative, und das Kinder- und Jugendmuseum nebenan unterstützt uns mit Möbeln, Wasser und Strom.

Nichts geplant, alles aus der Not geboren

Andreas Duchmann (20), Azubi, München.

Eigentlich wollten wir gegen die Nazis demonstrieren, die sich am Montagabend angekündigt hatten. Doch jetzt ist alles anders: Seit gestern um 19 Uhr racker ich mit meinen Helfern und habe keine Sekunde geschlafen. Zuerst haben wir Wasser gesammelt, dann haben uns die Menschen auf einmal Geld gegeben: „Hier 100 Euro, kauft davon, was ihr braucht!“ Toll! Und plötzlich waren 400 Flüchtlinge da. Wir haben jedem eine Flasche Wasser und Proviant in die Hand gedrückt. Jetzt haben wir alles da: Lebensmittel, Spielzeug, Zahnbürsten, Windeln, Babynahrung. Nichts war geplant, alles aus der Not geboren! Wir wollen helfen und den Flüchtlingen zeigen, dass Deutschland ein schöneres Gesicht hat – und nicht nur aus rechtem Pack besteht.

Die Menschen brauchen Trost

Mario Tille (52), Erzieher aus München.

Stellen Sie sich vor: Zuhause herrscht Krieg, Sie kommen in ein fremdes Land, kennen die Sprache nicht, haben niemanden, der sich um sie kümmert. Was glauben Sie, wie Sie sich freuen, wenn Menschen Sie willkommen heißen!? Da muss man doch helfen. Also bin ich gestern Abend her, habe Essen verteilt und Kuscheltiere an die Kinder. Das sind ergreifende Momente: wenn ein weinendes Kind plötzlich über das ganze Gesicht strahlt! Die Menschen brauchen nicht nur Essen, sondern auch Trost.

Schockiert über die Massen

Pia Lipp (16), Schülerin aus Pfaffenhofen.

Vorgestern am späten Abend klingelte mein Telefon: Ein Kumpel sagte, in München wollen Nazis die Flüchtlinge „begrüßen“. Ich solle Leute mobilisieren und sofort kommen – aber es fuhren keine Züge mehr! Also bin ich gleich heute früh in den Zug, allein, weil ich niemanden erreicht habe. Um 7.30 Uhr war ich hier. Und geschockt – so viele Menschen hatte ich nicht erwartet! Wir brauchen viel mehr Unterstützung! Wo sind die Hilfsorganisationen? Ich kann die Münchner nur bitten: Spendet Essen, spendet Wasser, spendet Geld!

OB Reiter: „Jetzt muss es schnell gehen“

Auch OB Dieter Reiter hat sich gestern ein Bild von der Situation am Hauptbahnhof gemacht. Das tz-Gespräch:

Herr Reiter, sind Sie stolz auf Ihre Stadt?

OB Dieter Reiter: Natürlich bin ich stolz auf die Leute! Ich muss meinen großen Dank aussprechen an die Ehrenamtler, die Polizei und die Ordnungskräfte. Das ist eine riesengroße Herausforderung für uns alle!

Nicht alle in Europa gehen die Herausforderung gemeinsam an …

Reiter: Ungarn hat die europäische Idee aufgekündigt. Ich sende der Bundesregierung und Frau Merkel einen dringenden Appell: Werfen Sie alles Gewicht, das Deutschland in der EU und der Welt hat, in die Waagschale. Verhandeln Sie mit Ungarn! So geht es nicht!

Sie wollen politischen Druck aufbauen?

Reiter: Ja. Ungarn verhält sich zutiefst unsolidarisch. Das können wir nicht länger dulden. Vielleicht muss die Bundesregierung ernsthaft über Sanktionen nachdenken.

Aber was kann man jetzt konkret tun?

Reiter: Wir müssen ein humanitäres Desaster vermeiden! Nichts anderes. Die Menschen, die hier ankommen und warten müssen menschenwürdig versorgt werden.

Wie konnten Sie bisher helfen?

Reiter: Ich habe Obst für die Flüchtlinge bestellt. Außerdem kommen bald Sonnenschirme. Wenn wir mehr Wasser brauchen, dann werden wir welches organisieren. Gerade eben haben wir schon die Hydranten geöffnet – es muss jetzt alles schnell gehen!

Auch wenn man dabei die „Zuständigkeit“ übertritt?

Reiter: Ich bin es langsam gewohnt, Dinge zu tun, für die ich eigentlich nicht zuständig bin. Weil es notwendig ist. Ich betone nochmals: Die Stadt München ist hier nicht zuständig. Trotzdem liegt mir das Thema am Herzen – und deswegen bin ich hier.

So können Sie die Menschen in Not unterstützen 

Die Münchner beweisen ein großes Herz. Die tz sagt Ihnen, wie Sie den Flüchtlingen helfen können:

Allgemeine Information: Ein guter Einstieg ist die Internetseite www.willkommen-in-muenchen.de. Hier erfahren Sie, wo und was Sie spenden können. Viele Fäden der Flüchtlingshilfe laufen auch bei den Caritas-Freiwilligenzentren zusammen; Hotline: 0800 / 00 05 802. Die Mitarbeiter vermitteln in alle Münchner Flüchtlingseinrichtungen, unabhängig vom Träger.

Geldspenden:

Caritas: LIGA-Bank München, Stichwort: Hilfe für Flüchtlinge, IBAN: DE53750903000002297779, BIC: GENODEF1M05, Kto: 229 77 79, BLZ: 750 903 00

Landeshauptstadt München: HypoVereinsbank München, Kto. 81300. BLZ 70020270, IBAN: DE34700202700000081300, BIC: HYVEDEMMXXX, Verwendungszweck: 151830057 (unbedingt angeben)

Sachspenden:

Diakonia versorgt die Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung Bayernkaserne und den Dependancen im Stadtgebiet mit Kleidung und Dingen für den täglichen Bedarf (etwa Hygieneartikel). Eine stets aktuelle Liste über benötigte Sachspenden können Sie im Internet abrufen unter www.diakonia.de/spenden/sachspenden

Annahmestellen: Dachauer Straße 192 (Rückgebäude), Tel: 089 / 18 91 480-0; Stahlgruberring 8 (Gewerbegebiet Moosfeld), Tel: 089 / 18 91 480-0. Die Annahmezeiten sind Mo., Di., Mi., Fr. von 9 bis 16 Uhr, Do. 9 bis 19 Uhr, Sa 9 bis 14 Uhr

Tatkraft gesucht:

Diakonia sucht für die Sortierung der gespendeten Kleidung ehrenamtliche Helfer. Melden Sie sich bitte im entsprechenden Kalender auf der Seite http://diakonia-fluechtlinge.de unter "Zeit spenden" an. Sie entscheiden selbst, wann und wie lange Sie helfen möchten.

T Scharnagl, J. Menrad, J. Mell, M. Bieber

Rubriklistenbild: © Westermann

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