„Es tut mir so leid“

Großeinsatz an Corneliusbrücke: Darum muss der Verursacher nichts zahlen

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Am Ende kam er mit der Luftmatratze unterm Arm zurück.

Zwei Badetote innerhalb weniger Tage im Eisbach – und am Sonntag bahnte sich an der Isar das nächste Drama an. Hubschrauber suchten einen jungen Mann, der an der Corneliusbrücke verschwunden war. Doch es endete glimpflich.

Zweimal innerhalb weniger Tage sind die Retter in den Englischen Garten gerufen worden – am Sonntagabend dröhnen die Rotoren der ADAC- und Polizei-Hubschrauber über der Isar. Am gegenüberliegenden Ufer des Deutschen Museums und weiter flussabwärts suchen Polizisten nach einem jungen Mann – er ist mit einer Luftmatratze ins Wasser gestiegen und seitdem verschwunden. Um 18.30 Uhr ging der Notruf bei der Berufsfeuerwehr ein, jetzt rückt ein Großaufgebot an. Vom Harlachinger Krankenhaus aus ist Rettungshubschrauber „Christoph 1“ gestartet – eine Stunde ist der Helikopter, der mit einer Seilwinde für schwierige Bergungen ausgestattet ist, unterwegs. Die Besatzung sucht von der Corneliusbrücke bis zum Föhringer Wehr die Umgebung ab – vergebens. Die Einsatzkräfte machen nicht den Eindruck, als gebe es da große Hoffnung.

Am Ende taucht der Vermisste putzmunter wieder auf der Corneliusbrücke auf. Lachend läuft er auf die Rettungskräfte zu und umarmt seine erleichterten Freunde. „Ich bin gerade an einem Ufer aufgewacht und dachte: Wo bin ich, Mann?“ Er lacht herzhaft und sagt: „Es tut mir so leid.“

Auf den Mann kommen keine Kosten zu

Der zwischenzeitlich Vermisste war bei sommerlichen Temperaturen mit seinen Freunden zum Baden an der Isar und hat dort wohl bereits den ganzen Tag über reichlich Alkohol getrunken. Zwar hat der junge Mann sein Vorhaben noch angekündigt, als immer mehr Zeit verging und ihr Freund nicht in Sichtweite war, überkam seine Begleiter ein ungutes Gefühl.

Die gute Nachricht für den jungen Mann: Er wird nicht zur Kasse gebeten. „Er hat den Einsatz nicht absichtlich verursacht“, teilt die Polizei mit. „Seine Freunde haben sich Sorgen gemacht und richtigerweise den Notruf gewählt.“ Hätte er die Suchaktion absichtlich initiiert, sie hätte ihn ein Vermögen gekostet. Alleine eine Flugstunde eines Polizeihubschraubers kostet im Schnitt 2000 Euro.

Großeinsatz an Isar bei Corneliusbrücke

Auch Stefan Dorner, der Sprecher des ADAC Südbayern, sagt unserer Zeitung: „Von unserer Seite werden keine Kosten auf den jungen Mann zukommen. Der Flug wird in der Rubrik ,Fehleinsatz‘ verbucht.“ Der ADAC-Rettungshubschrauber gleicht einer fliegenden Intensivstation und wird laut Dorner oft als Vorsichtsmaßnahme losgeschickt. Im Jahr 2016 flog „Christoph 1“ 1407 Einsätze. 15,6 Prozent der Flüge hatten am Ende keinen ernsten Hintergrund. Der Preis für eine Flugstunde des 8,5 Millionen Euro teuren Helikopters liegt im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich.

„Christoph 1“ war am Sonntag unterwegs.

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