Steuerfahndung

Großrazzia in der Rotlicht-Szene: Tänzerinnen im Visier

München - Licht an! Keiner rührt sich! Und die Hände bleiben an der Stange! Am späten Mittwochabend gegen 23 Uhr stürmten starke Polizeikräfte zeitgleich drei Tabledance-Bars im Amüsierviertel in der Bahnhofstraße.

Die Goethestraße am Hauptbahnhof blieb über vier Stunden lang gesperrt. Der Grund: eine Steuer-Razzia, bei der insbesondere die Tänzerinnen in den Fokus der Ermittlungen gerieten.

Der Zeitpunkt der Razzia sieben Wochen vor der Wiesn – dem jährlichen Highlight im Nachtclub-Geschäft – ist natürlich kein Zufall. Alljährlich klagen immer wieder speziell männliche Touristen, dass ihre Kreditkarten nach dem Privattanz im Séparée mit großzügigem Champagner-Einsatz doppelt und dreifach belastet wurden. Eine Vielzahl dieser Betrügereien wird nie bekannt, weil sich die Männer schämen, meist längst wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind und verständlicherweise verhindern wollen, dass die Gattin pikante Einzelheiten aus rauschenden Münchner Nächten erfährt.

Nach tz-Informationen weckten genau solche Vorwürfe das Interesse der Polizei und Steuerfahnder an der Abrechnungspraxis der Tänzerinnen. Die Frauen arbeiten in den Clubs als Selbstständige und müssen dementsprechende Angaben in ihren Steuererklärungen machen.

Zeitgleich zur Razzia im Bahnhofsviertel durchsuchten die Polizei, Steuerfahnder und Staatsanwälte offenbar auch Privatwohnungen und Geschäftsräume der Frauen und Clubbetreiber in München und Umgebung. Dabei wurden Akten, Laptops und Computer konfisziert, die in den nächsten Monaten ausgewertet werden müssen. An der Großaktion waren rund 200 Polizisten beteiligt.

Die Razzia wirkt vermutlich auch wie ein Warnschuss für eine Vielzahl anderer Münchner Clubs, die sich bereits jetzt auf das goldene Geschäft mit den Oktoberfest-Besuchern vorbereiten.

Dorita Plange

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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