Nach Polizeiaufruf

Rollstuhlfahrerin gerät an Bahn-Gleis in Not: Retter schildert dramatische Szenen „nicht lange nachgedacht“

Drama am Hauptbahnhof
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Ein beherzter Passant reagierte, als eine Rollstuhlfahrerin in Not geriet.

Am Hauptbahnhof in München geriet eine Rollstuhlfahrerin in Lebensgefahr. Ein Mann griff beherzt ein. Nach einem Aufruf hat er sich bei der Polizei gemeldet.

Update vom 6. August, 17.21 Uhr: So viel Aufregung hatte er bei seinem Familienurlaub nicht erwartet. Denn schon kurz nach seiner Ankunft in München wurde Jürgen Hermann zum Lebensretter. Der 37-Jährige aus St. Georgen im Schwarzwald ist der Held vom Hauptbahnhof!

„Ich habe gar nicht lange nachgedacht und einfach mit all meiner Kraft den Rollstuhl festgehalten“, erzählt der Familienvater. Was war passiert? Hermann fuhr am Mittwoch mit seiner Frau Petra und Tochter Finnja (13) für einen Städte-Trip nach München*. Nachdem er beide an einem Hotel in der Stadt abgesetzt hatte, parkte er das Auto außerhalb auf einem Waldparkplatz und fuhr anschließend mit der S-Bahn* wieder zurück in die Innenstadt.

Hauptbahnhof München: Hier rettete Jürgen Hermann aus St. Georgen einer Frau das Leben

Hauptbahnhof München: Details zur Rettung - „Ich bin hingerannt und habe sie festgehalten“

So war Hermann zufällig genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und zwar gegen 13 Uhr am Hauptbahnhof, S-Bahngleis 2. Dort versuchte eine Rollstuhlfahrerin (56) mehrfach vergeblich rückwärts in die Tür einer S8 nach Herrsching zu rollen. Als sich die Türen schlossen, rutschte die Frau mit ihrem Rollstuhl in die Lücke zwischen Bahnsteig und Zug. Sie war eingeklemmt, konnte sich selbst nicht mehr befreien!

Genau in dem Moment ging Hermann am Gleis entlang und hörte hinter sich, wie der Rollstuhl gegen die S-Bahn knallte. Der losfahrende Zug schrammte an der hilflosen Frau entlang. „Ich bin hingerannt und habe sie festgehalten“, erzählt der Mechaniker. Gerade noch rechtzeitig! Denn als der Zug weg war, hing der Rollstuhl mit zwei Rädern über der Gleiskante. Die Frau wäre in die Tiefe gestürzt, hätte sie Hermann nicht festgehalten. „Ich musste viel Kraft aufwenden“, erzählt er. „Zum Glück kamen Passanten dazu und halfen mir, den Rollstuhl hochzuziehen.“

Hauptbahnhof München: Dramatische Szenen spielten sich ab - Deutsche Bahn noch ohne Details

Die Frau aus Herrsching kam mit leichten Verletzungen und einem gewaltigen Schock davon. Sie befindet sich im Krankenhaus und ist laut Bundespolizei „auf dem Weg der Besserung.“ Jetzt ermitteln die Beamten: Warum hatten weder der Bahn-Fahrer noch die Bahnsteig-Aufsicht das Drama mitbekommen (tz berichtete)? Eine Anfrage bei der Deutschen Bahn ergab: „Wir prüfen den Sachverhalt, daher bitten wir um Verständnis, dass wir uns zu Details nicht äußern.“

Besonders stolz auf Jürgen Hermann ist nun Tochter Finnja: „Mein Papa ist ein Held!“ Und nach dem aufregenden Start verläuft der Rest vom Urlaub für die Familie Hermann hoffentlich ruhiger… (laf)

Update vom 6. August, 11.46 Uhr: Ein zunächst unbekannter Mann bewahrte eine Rollstuhlfahrerin am Münchner Hauptbahnhof vor dem Sturz ins S-Bahn-Gleis. Die Polizei suchte nach dem Lebensretter - mit Erfolg.

Hauptbahnhof München: Retter hörte „Schläge“ hinter sich - dann sah er Frau in Lebensgefahr

Am Freitag, 6. August, meldete sich der Gesuchte bei der Bundespolizei. Das berichten die Beamten in einer Pressemitteilung. Zunächst konnte dem Retter nur telefonisch gedankt werden. Doch zu einem späteren, zeitnahen Zeitpunkt soll der Mann in die Polizeiinspektion eingeladen und geehrt werden, geht aus dem Schreiben hervor.

Bei dem Mann handelt es sich um einen 37-jährigen Deutschen. Er kommt aus dem Schwarzwald und macht zurzeit mit seiner Familie Urlaub in München. Der couragiert Helfer gab an, im Vorbeigehen hinter sich „Schläge“ gehört zu haben. Das Geräusch kam vermutlich vom Rollstuhl, der gegen die S-Bahn schlug. Daraufhin drehte sich der 37-Jährige um - sah die Rollstuhlfahrerin in Lebensgefahr und lief sofort los.

Die 56-Jährige aus Herrsching ist mittlerweile Vernehmungsfähig und befindet sich laut Polizei auf dem Weg der Besserung. Sie wird im Krankenhaus von der Bundespolizei befragt.

Ursprünglicher Artikel vom 5. August: München - Kurz nach 13 Uhr (Mittwoch, 4. August) hatte eine 56-jährige Rollstuhlfahrerin am Münchner Hauptbahnhof* versucht, rückwärts in eine S8 Richtung Herrsching einzusteigen. Als mehrere Versuche scheiterten, schlossen sich die Türen und die S-Bahn fuhr los. „Die Frau aus Herrsching war im Rollstuhl sitzend auf dem Bahnsteig zurückgeblieben“, berichtet die Bundespolizei in einer Pressemitteilung.

Hauptbahnhof München: S-Bahn fährt los, als Rollstuhlfahrerin festhängt

Beim Anfahren geriet ein Rad des Rollstuhls zwischen Bahnsteig und Zug. In dieser Position eingeklemmt, fuhr die S-Bahn* aus und schrammte dabei in beinahe voller Länge an der feststeckenden Rollstuhlfahrerin entlang.

Passanten hatten die äußerst kritische Situation und die lauten Hilferufe der Frau glücklicherweise bemerkt. „Ein bislang unbekannter junger Mann rannte zu der 56-Jährigen und ergriff den Handlauf des Rollstuhls genau in dem Moment, in dem sich der Zug vom Rollstuhl löste. Der Mann hielt den gekippten Rollstuhl mit der darinsitzenden Frau fest und verhinderte damit den sicheren Sturz ins Gleis“, vermeldet die Bundespolizei.

S-Bahn-Unfall am Münchner Hauptbahnhof: Frau trägt blutende Verletzungen davon

Wenige Sekunden später eilten weitere Passanten herbei; gemeinsam zogen sie den Rollstuhl mit der 56-Jährigen auf den Bahnsteig zurück. Die Frau wurde mit blutenden Verletzungen und unter Schock ins Krankenhaus eingeliefert. Zu ihren Verletzungen liegen noch keine näheren Informationen vor.

In der Pressemitteilung heißt es: „Sowohl der Triebfahrzeugführer als auch die Bahnsteigaufsicht hatten den Vorfall offenbar nicht bemerkt. Beide mussten nach Übermittlung des Unfallgeschehens abgelöst werden. Die Münchner Bundespolizei hat Ermittlungen wegen Gefährdung des Bahnverkehrs aufgenommen.“

Geistesgegenwärtiger Passant verhindert Sturz ins Gleis: Bundespolizei will ihn ausfindig machen

Jetzt wird nach den Passanten gesucht, die den Sturz der Rollstuhlfahrerin ins Gleis durch ihr „geistesgegenwärtiges, schnelles und beherztes Eingreifen“ verhinderten. Insbesondere nach dem Mann, der als erstes den Rollstuhl sicherte, und damit die 56-Jährige vor weiteren schweren Verletzungen bewahrte.

Er trug ein schwarzes, auffälliges, T-Shirt mit weißer „Gas Monkey“-Druck auf Vorder- wie Rückseite sowie eine schwarze, lange Hose und hellgraue leichte Schuhe. Das Gesicht das etwa 25 bis 30-Jährigen war vorschriftsmäßig mit einer weißen FFP2-Maske bedeckt. Neben kurzen, dunkeln Haaren hatte er eine große Tätowierung am rechten Arm. Der Mann wird gebeten sich unter der Rufnummer 089/515550-1111 bei der Bundespolizeiinspektion München zu melden. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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