Alkoholverbot in Kraft - dennoch Zwischenfälle

Betrunkener von U-Bahn-Gleisen am Hauptbahnhof gerettet

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An dieser Stelle zog Stefan Ebert (21) einen Mann aus den Gleisen.

München - Am Bahnsteig der U4 und U5 wäre es am Samstag beinahe zu einem tödlichen Unfall gekommen. Ein Betrunkener war auf die Gleise gestürzt - doch zum Glück war Stefan Ebert da.

Das Alkoholverbot war noch keine 24 Stunden gültig, da hätte es beinahe den ersten Todesfall gegeben – hätte da nicht Student und Lebensretter Stefan Ebert (21) beherzt eingegriffen. Der Freisinger hat am Hauptbahnhof zusammen mit zwei Unbekannten einen Betrunkenen aus dem Gleisbett gezogen. Es ging um Sekunden!

Samstag, 20.15 Uhr: Stefan Ebert wartet am Bahnsteig der Linie U4/U5 auf seine U-Bahn. Er ist aus Freising angereist, will seine Mutter besuchen. „Ich war in meinen Gedanken eigentlich ganz woanders“, erzählt der Politik-Student der tz. Bis ein Mann in sein Sichtfeld torkelt – gefährlich nahe an der Bahnsteigkante. Wenige Sekunden später verliert der Betrunkene das Gleichgewicht und fällt ins Gleisbett. Mit seinem Kopf schlägt er auf den Schienen auf, ist sofort bewusstlos. „Ich tauschte kurze Blicke mit zwei anderen Männern neben mir aus“, sagt Ebert. „Es fiel kein einziges Wort, wir wussten gleich, was zu tun war.“ Die Männer schmeißen ihre Taschen auf den Boden und springen auf die Gleise. Mit vereinten Kräften zerren sie den Mann zurück auf den Bahnsteig. Dann ein Blick auf die Anzeige: Die nächste U-Bahn wird in weniger als einer Minute einrollen. Nichts wie raus!

Münchens schönste U-Bahnhöfe

In der Zwischenzeit war auch ein Mitarbeiter der U-Bahnwache zu dem Verletzten auf den Bahnsteig geeilt. Auch er hatte die Situation beobachtet und den Nothalt aktiviert. Wie es dem Mann mit den vielen Schutzengeln geht, weiß Ebert nicht. Er und die beiden anderen couragierten Helfer sind nach dem Vorfall einfach weitergegangen. „Ich war nur froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, sagt der Student, der sich danach von seiner besorgten Mutter einiges anhören musste.

„Da gab’s mehr Tadel als Lob“, erzählt Ebert. Zwar hatte er einem Menschen das Leben gerettet, dafür aber sein eigenes aufs Spiel gesetzt. „An die eigene Sterblichkeit habe ich in dem Moment nicht gedacht“, sagt Ebert. „Es war eine spontane Entscheidung.“

Alkoholverbot am Hauptbahnhof: So liefen die ersten Stunden

Jetzt gilt’s aber! Seit Samstag wird das städtische Alkoholverbot für die Straßen und Plätze rund um den Hauptbahnhof umgesetzt. Mit zehntägiger Verspätung wegen einer fehlenden Unterschrift von OB Dieter Reiter heißt es seit dem Wochenende: Schluss mit Schluck! Die tz erzählt, wie die ersten Stunden für Polizei und Kontrolleure verlaufen sind.

Nächtliche Szenen, die der Vergangenheit angehören. Seit Samstag gilt das Alkoholverbot rund um den Hauptbahnhof

Die von vielen erwartete Flut von Verstößen blieb zum Auftakt aus. Weder die Landespolizei, die für die Straßen und Plätze um das Bahnhofsgelände zuständig ist noch die Beamten der Bundespolizei waren mehr gefordert als üblich. Grund für den ruhigen Start dürfte die extreme Kälte mit Minusgraden im zweistelligen Bereich sein. Laut Wolfgang Hauner, Sprecher der Bundespolizei, machte die unter besonderer Beobachtung stehende „Stammsteherszene“ deshalb an den ersten Tagen auch keine Probleme: „Es war zu kalt für die Leute. Uns sind keine Fälle bekannt, bei denen Mitarbeiter der DB-Sicherheit unsere Hilfe benötigt hätten.“

Ähnlich positiv fällt auch die erste Bilanz des Münchner Polizeipräsidiums aus. „Keine Verwarnungen, keine Platzverweise. Es war alles ruhig“, sagte Polizeisprecher Christoph Reichenbach zur tz. Bei der Umsetzung des nächtlichen Alkoholverbots zwischen 22 Uhr abends und sechs Uhr morgens werde den Reisenden in den ersten Wochen „eine Karenzzeit“ eingeräumt, erklärt Hauner. Heißt: Die Bundespolizei will bei Verstößen auf das Verbot hinweisen, statt sofort knallhart abzukassieren. Eigentlich erwartet den Sünder ein Bußgeld in mittlerer zweistelliger Höhe, wie die Stadt mitteilte. Erst Kuschelkurs, dann harte Hand.

Das Alkoholverbot machte keine Probleme, die Beamten hatten trotzdem alle Hände voll zu tun. Ein Imbiss-Mitarbeiter beobachtete neben seinem Stand ein Pärchen beim Sex. Als er dazwischen ging, kassierte er von der Frau einen Faustschlag ins Gesicht. Anzeige!

Johannes Heininger / Stefanie Wegele

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