Prozessbeginn: Täter will ins Gefängnis

Höllenfahrt! Autodieb nahm Kurier auf die Motorhaube

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Serhat A. (28) krallte sich auf der Motorhaube seines Auto fest – bei Tempo 80. Am Steuer saß ein dreister Dieb.

München - Sushi-Kurier Serhat A. wollte den Dieb seines Wagens stoppen. Doch der nahm ihn auf die Motorhaube und bretterte durch das Bahnhofsviertel. Jetzt steht der Täter vor Gericht.

Er wollte nur eine Lieferung aus dem Asia-Imbiss in der Kapuzinerstraße holen, ließ deshalb den Schlüssel im Auto stecken. Doch als Sushi-Kurier Serhat A. (28) zu seiner Tour aufbrechen wollte, war sein blauer Fiat Punto plötzlich weg. Nur wenige Augenblicke später sah er den Slowaken Miroslav G. in genau seinem Wagen am Imbiss vorbeirauschen. Den dreisten Dieb entkommen lassen? Das kam für Serhat A. nicht in Frage – er sprintete hinterher. Seine riskante Aktion bezahlte der damals frisch verheiratete Türke beinahe mit dem Leben (wir berichteten).

Und Miroslav G.? Der muss sich seit Montag vor dem Münchner Amtsgericht wegen räuberischem Diebstahl und versuchten Mordes verantworten – für die Höllenfahrt durchs Bahnhofsviertel:

„Ich wollte niemanden töten, ich wollte nur ins Gefängnis“, sagt Miroslav G. mit versteinertem Blick am Montag vor Gericht aus. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38-jährigen Slowaken vor, den Tod von Serhat A. zumindest billigend in Kauf genommen zu haben.

„Ich kam mir mir vor wie ein Torero in der Stier-Arena“

Miroslav G.

Als der tollkühne Sushi-Bote den Autobieb an einer roten Ampel schließlich eingeholt hatte und sich ihm in den Weg stellte, startete der Wahnsinns-Ritt durch die Münchner Straßen. Serhat A. fuchtelte mit dem Armen. „Halt, halt!“ Umsonst. Anstatt aufzugeben, drückte Miroslav G. aufs Gas. Serhat A. landete auf der Motorhaube und wurde so auf einer Strecke von 1,5 Kilometern zum unfreiwilligen Sozius. Mit bis zu 80 Kilometern pro Stunde bretterte der Slowake durch die Herzog-Heinrich-Straße, fuhr sogar Zickzacklinien, um Serhat A. abzuwerfen. Doch der klammerte sich an die Scheibenwischer. „Ich kam mir vor wie ein Torero“, sagte er vor einem Jahr kurz nach dem Vorfall.

Die Horrorfahrt nahm schließlich in der Paul-Heyse-Straße ein jähes Ende. Kurz vor der Unterführung an der Kreuzung zur Bayerstraße raste Miroslav G. über eine rote Ampel und krachte in das Heck eines Audi A6. Serhat A. überstand den Unfall fast unverletzt, erlitt nur ein paar wenige Abschürfungen an Armen und Beinen. Er sagt: „Ich bin froh, dass ich noch lebe.“ Sein Fiat Punto war Schrott. Miroslav G. wurde noch an Ort und Stelle festgenommen.

„Ich wollte ihn nicht töten. Ich wollte ins Gefängnis“

Und genau das war sein ursprüngliches Ziel. Er sagt: „Ich bin im Englischen Garten aufgewacht – wie jeden Morgen. Ich hatte nur eine dünne Decke und es wurde jeden Tag kälter.“ Sein Entschluss: „Ich wollte ins Gefängnis. Also habe ich das Auto geklaut, wollte ein paar Meter weiter parken und auf die Polizei warten.“ Doch dann sah er im Kofferraum angeblich eine Tasche mit buchförmigen Päcken und mit „beige-weißem Staub“. Miroslav G. bekam Panik, wollte das Auto zurückbringen. Dann stellte sich Serhat A. in den Weg – und der Wahnsinn nahm seinen Lauf!

Am Dienstag kommt es zu einem Wiedersehen der beiden: Serhat A. muss in den Zeugenstand.

Johannes Heininger

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