So läuft der Laden

Hohe Auszeichnung für den Milla-Club

+
Till Hofmann (43) vor seinem Milla-Club in der Holzstraße: Da ist im wahrsten Sinne des Wortes Musik drin.

München - Zwei Jahre nach seiner Gründung wurde der Milla-Club im Glockenbachviertel gleich mehrfach preisgekrönt. Höchste Zeit, den Laden für Musik und mehr abseits des Mainstream vorzustellen!

Der Till Hofmann ist schon ein Phänomen. Immer bescheiden, immer umtriebig, dazu mit einer gottgegebenen Gelassenheit gesegnet. Dem scheint alles nur so zuzufliegen. Wie jetzt etwa gleich zwei Preise auf einmal: Erst gewann seine Milla in der Holzstraße (Glockenbachviertel) den diesjährigen Spielstättenpreis auf dem Reeperbahn-Festival. Am Dienstag folgte die Nachricht, dass der 43-Jährige einer der diesjährigen Träger des Kultur­preises Bayern ist (siehe unten).

Zurück in den hohen Norden: Der Reeperbahn-Preis ist alles andere als unbedeutend; nicht nur, weil er mit 30.000 Euro dotiert ist, sondern auch, weil das dortige Festival eines der wichtigsten für Live-Bühnen abseits des Mainstreams ist. Das führte auch Herbert Grönemeyer und Kulturstaatsministerin Monika Grütters an die Millionenstadt-Waterkant.

Die Milla macht’s also – und damit ist es höchste Zeit, den vor fast genau zwei Jahren gegründeten Keller-Club für Musik und mehr abseits der Hitparaden näher vorzustellen. Till Hofmann führt uns durch den Club, den der Chef von Lustspielhaus, Lach & Schieß & Co. zusammen mit Peter Brugger von den Sportfreunden Stiller, dem Komponisten Gerd Baumann (u. a. Singspiel auf dem Nockherberg) und dem Musik-Passionisten und ehemaligen Bayern-Spieler Mehmet Scholl betreibt.

Investiert hat das Quartett circa 100.000 Euro in den Laden. „Die Miete liegt im fairen vierstelligen Bereich“, wie Hofmann uns sagt. „Der Hausbesitzer ist ein kulturinteressierter, guter Vermieter.“

Was passiert mit den 30.000 Euro? Hofmann: „Die fließen in Foyer, Backstage und ins Künstler-Catering. Und wir mörteln was in Sound und Licht dazu. Und jetzt: hereinspaziert!

Der Sound-Saal

180 Leute passen in den rund 130 Quadratmeter großen Konzertsaal – Hofmann und seine Kollegen bieten musikalisch ein so breites Spektrum wie möglich, mittlerweile sogar mit Klassikkonzerten. Der Club eröffnete übrigens vom 15. auf den 16. Oktober 2012 – also genau am Geburtstag von Hofmann und seinem Freund und Milla-Compagnon Mehmet Scholl. „Ursprünglich musste jeder von uns vier Geschäftsführern (s. Vorspann) die Musik mögen, die uns angeboten wurde. Mittlerweile verlassen wir uns ganz auf unsere Mira Mann, die das Booking macht“, sagt Hofmann. Hauptsache, die Qualität stimmt.

Bier zu den Beats

Die Bar besteht aus Holz der ehemaligen Schwabinger 7 und Isar- Schwemmholz. Die übrige Milla-Einrichtung ist vom Flohmarkt Müller-Hertz in der Fraunhoferstraße. „Der Saal“, erklärt Hofmann, „geht zur Bar leicht aufwärts, somit hat man auch von hinten einen perfekten Blick auf die Bühne.“ Der Grund: Bis in die 60er war hier ein Bachbett, das dann zubetoniert wurde. Zu trinken gibt’s etwa Augustiner oder Tegernseer (die Halbe für 3,50 Euro) – und, wer will, kriegt was zu knabbern.

Hier geht's aufwärts

Hofmann und tz-Kulturredakteur Matthias Bieber auf den Stufen zum Allerheiligsten – der Bühne. Derzeit wird so gut wie jeden Abend gespielt, geöffnet ist immer dann, wenn es Auftritte gibt. Im Sommer naturgemäß etwas weniger als jetzt. Hinter dem Vorhang ist der (ziemlich spartanische) Backstage-Bereich, links steht ein Klavier, das die Milla-Jungs vor zwei Jahren neu gekauft haben. Übrigens soll der Laden der einzige seiner Art bleiben: „Das haben Mehmet, Peter, Gerd und ich klar abgemacht“, sagt Hofmann. Ein kleines Festival oder so etwas ist allerdings schon vorstellbar.

Hier geht's abwärts

Auf dem Foto rechts geht es zu den Toiletten, links geht es die Treppe hinab ins Milla. Jede Menge Plakate stimmen schon mal drauf ein, was hier so alles los ist und war. Im Erdgeschoss – da, wo Hofmann hinschaut – befindet sich auch das Büro der Milla.

Das Büro

Die heimliche Chefin im Milla-Ring ist Mira Mann (hinten), die das Booking der Bands und Solisten macht. Die Sängerin der Band Candelilla hört sich alle Einsendungen an und bestimmt, wer in den Club passt und welche Bands an einem Abend auftreten. So gibt’s etwa einen Milla Song Slam (mit Singer-Songwritern, die acht Minuten Zeit für ihre Lieder haben) oder Same Old Song: ein Klassiker etwa von Nirvana oder den Beatles wird vorgegeben, und 15 Bands arrangieren ihn neu.

Noch eine Auszeichnung

Kaum hat Hofmann die Reeperbahn finanziell „erleichtert“, schon geht’s im Süden weiter: Der gebürtige Passauer ist einer der diesjährigen Träger des Kulturpreises Bayern, der heuer zum zehnten Mal verliehen wird. Aus der Begründung: „Till Hofmann hat bis heute die bayerische Kulturszene erheblich bereichert.“ Sei es im Kabarett (Lach & Schieß, Lustspielhaus), in der Kunst (Galerie Truk Tschechtarow) oder eben mit der Milla.

Zu den weiteren Geehrten gehören u. a. die Band Kofelgschroa und die Regensburger Domspatzen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 5000 Euro dotiert, die Verleihung ist am 13. November in Fürstenfeldbruck.

Matthias Bieber

Auch interessant

Meistgelesen

Sie werden nicht glauben, wer hinter diesen Fassaden lebte
Sie werden nicht glauben, wer hinter diesen Fassaden lebte
Berufung zurückgezogen: Todesfahrer muss in Haft
Berufung zurückgezogen: Todesfahrer muss in Haft

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare