Der Besitzer dachte, es seien Brennnesseln

In der Dachauer Straße: Hanf-Alarm am Dönerstand

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Diese Hanfpflanzen wuchsen im Kübel vor dem Restaurant.

Nanu, was wachsen denn da für Pflanzen vor dem Dönerstand in der Dachauer Straße? Das fragten sich einige Kunden und siehe da: es ist Cannabis. Da rückte die Polizei an.

München - Ein Scherz? Ein unzufriedener Kunde? Eine Zufallsanpflanzung? Gäste des türkischen Restaurants „Döner De Luxe“ an der Dachauer Straße in der Maxvorstadt trauten ihren Augen kaum, als sie sich einen Blumenkübel vor dem Laden genauer anschauten: Sprossen da in aller Öffentlichkeit direkt neben den Tischen des Restaurants Cannabispflanzen?

Eine Zivilstreife der Münchner Polizei nahm das Gewächs vorsorglich unter die Lupe und stellte fest: Es handelt sich tatsächlich um Hanf. Die Beamten ernteten die Pflanzen ab und schickten sie an das zuständige Fachkommissariat. „Wenn ich das Foto der Pflanzen anschaue, ist das meiner ersten Einschätzung nach eher Nutzhanf“, sagt Hubert Halemba, Vizechef des Rauschgiftdezernats. Um sicherzugehen, werden die abgeernteten Pflanzen jetzt an die zuständige Abteilung beim Landeskriminalamt (LKA) gebracht.

Nahm das Gewächs unter die Lupe: Ein Polizist, der nicht erkannt werden möchte.

Gutachten wird erstellt

Dort wird ein Gutachten erstellt, ob in dem Gewächs, das vor dem Dönerladen wuchs, THC enthalten ist. THC steht für Tetrahydrocannabinol und zählt zu den psychoaktiven Cannabinoiden. Es ist der hauptsächlich berauschende Bestandteil der Hanfpflanze. Halemba geht davon aus, dass in dem Hanf vor „Döner De Luxe“ kaum THC enthalten ist. „In den Blättern an sich ist ohnehin sehr wenig. Mindestens das Zehnfache befindet sich in den Blütenständen.“ Diese Dolden bilden aber nur die weiblichen Pflanzen aus.

Halemba, der die Drogenszene seit 1984 kennt, vermutet, dass sich im Fall des Blumenkübel-Hanfs jemand eine Blödelei erlaubt hat und einige günstige Samen in die Erde gedrückt hat. „Normalerweise werden Cannabispflanzen versteckt angebaut. So offensichtlich macht das doch keiner absichtlich.“ Hätte jemand einen rauschbewirkenden Hanf in den Trog gesteckt, hätte er 30 bis 40 Euro versenkt. An eine Zufallsbepflanzung glaubt Halemba nicht. Günstiger Hanfsamen ist beispielsweise in Vogelfutter zu finden. So könnte theoretisch auch ein Vogel Samen verloren haben. „Aber so gezielt mehrere Samen nebeneinander, das ist eher unwahrscheinlich.“ Möglich ist natürlich auch, dass ein Kunde des Dönerladens dem Besitzer eins auswischen wollte und absichtlich dort Hanf anpflanzte.

Der Dönerbesitzer kann sich das Gewächs vor seinem Laden jedenfalls nicht erklären. „Ich hätte niemals gedacht, dass das wirklich Hanf ist. Für mich sah das eher nach Brennnesseln aus ...“

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