Für perspektivlose Jugendliche

Integrations-Bambi für Stengers SchlaU-Schule

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Ausgezeichnet: Michael Stenger bei der Arbeit.

München - Kicker Mesut Özil hat einen, Rapper Bushido auch. Und heuer geht der Integrations-Bambi nach München. Michael Stenger (55), Gründer der SchlaU-Schule für Flüchtlinge in der Schwanthalerstraße, erhielt am Donnerstagabend das goldene Kitz:

Für „die Hingabe, Fürsorge und Führungsqualität“, mit der er jedes Jahr etwa 60 perspektivlosen Jugendlichen zu einem Schulabschluss und damit einer Zukunft verhilft.

Stengers Schüler sind oft traumatisiert. In ihrer Heimat herrschen Krieg, Gewalt und Hunger. In Stengers SchlaU-Schule (SchlaU steht für schulanaloger Unterricht) finden die Flüchtlinge, die meist ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind, Halt. Stenger und sein Team ebnen ihnen mit Verständnis und Geduld, aber auch wohldosierter Strenge den Weg ins Berufsleben.

Spätestens nach drei Jahren erhalten fast alle der 16- bis 21-jährigen Schüler einen Abschluss: „Unsere Schüler sind wunderbare Botschafter. Sie sind alle zuerst unheimlich wertvolle Menschen, aber auch zukünftige Steuerzahler“, sagt Stenger stolz.

Stenger, den seine Schützlinge „Papa“ nennen, weiß: Der Bambi bringt ihm und seiner Schule Aufmerksamkeit: „Ich freue mich wahnsinnig darüber, weil ich weiß, dass uns das einen unglaublichen Auftrieb geben wird. Nicht nur der Schule, sondern der ganzen Flüchtlingsarbeit.“

Stenger hat mittlerweile die Schulleitung abgegeben, den Kampf für eine gerechtere Welt aber wird er wohl nie aufgeben. Schon als Bub verstörte ihn die tägliche Ungerechtigkeit gegenüber Ausländern in seinem Heimatdorf im nordbayerischen Spessart. Als damals die ersten Türken einzogen, merkte er schnell: „Die wurden menschlich nicht gleich behandelt.“ Eines hat Stenger dabei nie verstanden: „Warum sollte ich zu einem Klaus netter sein als zu einem Ali?“

Tobias Scharnagl

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