Trauriger Jahrestag

Die Jagd nach dem Isar-Mörder: Zum ersten Mal spricht Domenicos Freundin

Wurde von einem Unbekannten niedergestochen: Ingenieur Domenico L. (†31).

Vor fünf Jahren wurde Domenico L. von einem Unbekannten brutal niedergestochen. Noch heute ist der so genannte Isar-Mord nicht aufgeklärt. Wie gehen die Hinterbliebenen mit dieser schrecklichen Tat um?

München - Für Domenico Lorussos Familie, die in der süditalienischen Stadt Potenza lebt, wird der kommende Montag wohl der schlimmste Tag des Jahres werden. An jenem Tag vor fünf Jahren wurde ihnen ihr Sohn, Bruder, Cousin und Freund gewaltsam entrissen. „Es ist eine tägliche Qual“, sagte Paolo, Domenicos zwei Jahre älterer Bruder damals. „Sie wird für uns ein Leben lang dauern.“ Im SZ-Magazin spricht jetzt erstmals auch Domenicos Freundin Laura (Name geändert). Sie sagt: „Domenico wird nicht zurückkehren. Wenn sie den Täter finden sollten, käme auch der Schmerz zurück in mein Herz.“

Die Mordkommission lässt seit fünf Jahren nichts unversucht, um den Mann, der Domenico Lorusso das Leben nahm, zu fassen. 16.000 Menschen überprüfte die Polizei mittlerweile, 5700 Speichelproben wurden genommen und fast 800 Hinweise abgearbeitet. Wenn sich der Mord an Domenico Lorusso am Montag jährt, fehlt aber noch immer die heiße Spur. „Alles, was zielführend sein könnte, haben wir gemacht“, sagte Kriminalhauptkommissar Herbert Linder drei Jahre nach der Tat im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Er war 20 Jahre bei der Mordkommission und arbeitete von Beginn an an dem Fall, war in der über 30-köpfigen „Soko Cornelius“ und leitete später die „Ermittlungsgruppe Cornelius“. Diese Ermittlungsgruppe wurde nun am 30. April aufgelöst. „Aber wir bitten natürlich weiterhin um Hinweise“, so eine Polizeisprecherin. 10.000 Euro Belohnung sind ausgesetzt.

Blumen und Kerzen schmückten lange den Tatort in der Ehrhardtstraße.

Was passierte im Mai 2013 an der Isar?

Es ist der Abend des 28. Mai 2013, als sich an der Isar eine sinnlose Tragödie abspielt. Ein noch immer unbekannter Mann zerstört unweit der Corneliusbrücke das Glück eines jungen Paares aus der süditalienischen Stadt Potenza. An dem lauen Frühlingsabend trifft sich Domenico mit seiner Verlobten am Gärtnerplatz. Am nächsten Tag wollen die beiden nach Italien reisen und ihren Familien erzählen, dass sie heiraten werden. Der Ingenieur bei Airbus radelt mit seiner Verlobten an der Erhardtstraße die Isar entlang. Sie wollen nach Hause zu ihrer Wohnung am Wiener Platz in Haidhausen. Gegenüber dem Europäischen Patentamt spuckt plötzlich ein Mann Lorussos Verlobte an. Der 31-Jährige stellt den Unbekannten zur Rede. Der Mann sticht dem Italiener ein Messer ins Herz. Lorusso sackt zusammen und stirbt im Krankenhaus.

Warum ist der Isar-Mord immer noch ungeklärt?

In den vergangenen fünf Jahren besuchten die Ermittler die Anwohner aller Straßenzüge rund um den Tatort, forschten in allen Kneipen und Restaurants, ob es Gäste gab, die sich auffällig verhielten, alle Mitarbeiter wurden überprüft. In der Muffathalle lief ein Konzert der schwedischen Punk-Band „Dead by April“. Diese Szene kleidet sich gerne extravagant – der Täter soll an dem warmen Abend einen langen Mantel getragen haben – ein Zufall? Doch alle Besucher des Konzertes konnten identifiziert werden, ein Treffer war nicht dabei.

Da der Unbekannte sich bei der Tat verletzte und Blut verlor, liegt der Mordkommission DNA-Material vor. Wegen der Verletzung hofften die Ermittler auch, dass der Täter nach dem Mord ärztliche Hilfe in Anspruch genommen hat. In einer großen Anzeige im Fachblatt „Münchner ärztliche Anzeigen“ des Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbandes München baten Staatsanwaltschaft und Mordkommission Hausärzte, Chirurgen und Notfallambulanzen um Hinweise. Der entscheidende Hinweis blieb aber aus.

Auch grundlose Angriffe in anderen Ländern, wie zum Beispiel im Sommer 2014 in Rom, werden überprüft. Zudem werden automatisch alle neuen DNA-Spuren aus allen Bundesländern mit dem Treffer vom Tatort an der Isar abgeglichen. Auch Menschen, die an Drogen sterben oder sich das Leben nehmen, und das Interesse der Ermittler wecken, werden überprüft.

Wer ist der Täter?

Die Hoffnung, den Isarmörder noch zu finden, gibt die Münchner Mordkommission nicht auf. „Der Angriff war äußerst brutal. Es ist möglich, dass dieser Mann wieder in Erscheinung tritt“, sagte Linder damals. „Zudem könnte es sein, dass der Unbekannte sich jemandem anvertraut hat – einem Bekannten, einem Pfarrer, einem Therapeuten – und dieser sich irgendwann dazu durchringen kann, zur Polizei zu gehen.“

Mord am Isarufer

Stefanie Wegele und Johannes Heininger

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