Aufstand geht weiter

Isar-Standl: "Kommt jetzt bald ein Promi-Kiosk?"

+
Kein Verständnis für die Stadt: Dieter (52) & Gabi (49) aus Ebersberg.

München - Münchens ältestes Standl – es hat zwei Revolutionen überlebt und vier Kriege, ein Königreich, drei Republiken und eine Diktatur – jetzt droht es an der Bürokratie zu scheitern. Die Besucher starten jetzt einen Aufstand!

 Im Internet ist jetzt ein Aufstand gegen die Schließung ausgebrochen. Auch Prominente haben sich unter die Unterstützer gemischt. Und die Rathaus-SPD startet einen Rettungsversuch.

Weil er in dem Landschaftsschutzgebiet Isarauen nur Tische für 16 Gäste aufstellen darf, hingegen aber mehr davon platziert und damit ständig gegen die Auflagen der Stadt verstößt, hat Pächter André Löwig Ärger mit dem Rathaus und will das Standl im Oktober schließen. So kündigt er es jedenfalls auf Facebook. an. Die Standl-Fans sind empört.

Genau 683 Mitglieder zählte am Sonntag die Facebook-Gruppe namens „Münchens ältestes Standl an Wittelsbacherbrücke soll bleiben.“ Hinter der Initiative steckt Manuela Rittner, die den tz-Artikel auf ihrer Facebook-Seite „Münchner Gschichten“ postete. Die Reaktionen kamen prompt: „Sofort und auf der Stelle haben mir viele geschrieben, dass ich was machen muss“, erklärt Rittner.

Unter die Unterstützer haben sich Bürgermeister Josef Schmid (CSU) oder Kabarettistin Luise Kinseher ebenso gemischt wie Benjamin David von den Urbanauten. Diese haben schon sieben Mal, ebenfalls im Landschaftsschutzgebiet Isarauen, den Kulturstrand veranstaltet. Dabei sind auch der Obststandl Didi, Kult-Wirt Hugo Bachmaier sowie Max Heisler vom „Bündnis bezahlbares Wohnen“.

„Das Standl ist sympathisch und liegt ja direkt neben der Straße, auch wenn das Grundstück noch zum Landschaftsschutzgebiet gehört. Wir müssen für das Weiterbestehen einen Kompromiss finden“, so Josef Schmid.

CSU-Stadtrat Richard Quaas findet: „Mein Gott, hat das Baureferat nichts besseres zu tun? Das Standl ist eine Institution, die zu München gehört! Da muss es doch eine Einigung geben!“

Auch die Normal-Bürger schimpfen: So schreibt Sylvia S. bei Facebook sarkastisch: „Liebe Stadt München, macht das nur, ein Stück Tradition nach dem anderen kaputtmachen. Einen Arbeitslosen Sozialfall mehr und die Krankenkasse bekommt einen depressiven Burnout Patienten.“

Die SPD, die jedes Jahr im gleichen Landschaftsschutzgebiet ihr Isarinselfest veranstaltet, schlägt nun eine Ausnahmegenehmigung vor unter der Voraussetzung, dass die Toilette nebenan dauerhaft öffentlich genutzt werden kann. Die tz hörte sich vor Ort um.

Platz für Brotzeit

Kein Verständnis für die Stadt: Dieter (52) & Gabi (49) aus Ebersberg.

Wir machen heute ein Radltour und freuen uns, dass wir hier eine Currywurst essen können. Wir haben das mit dem Standl in der tz gelesen und verstehen nicht, was die Stadt hier will. Der Wirt braucht nun mal einen Mindest-Umsatz, um überleben zu können und somit ausreichend Sitzplätze.

Dieter (52) & Gabi (49) aus Ebersberg

Froh über ein Wasser

Ich habe gerade spontan beschlossen, einen Isar-Spaziergang zu machen und bin froh, dass ich mir hier ein Wasser kaufen kann, weil ich sehr durstig war. Ein Eis gibt es jetzt noch dazu. Und ich finde es gut, wenn sich die Leute hinsetzen können, es gibt ja nicht nur Super-Sportler auf der Welt.

Pia Ditjo (48), Betriebswirtin aus Fürstenried

Herz für Obdachlose

Der Andi ist ein Super-Typ mit einem großen Herzen. Ich hab’ eine Zeit als Obdachloser unter der Wittelsbacherbrücke gelebt. Wenn Abends etwas zu Essen übrig war, hat er es uns runter gebracht und im Winter gab es am Morgen einen heißen Kaffee für uns. Wenn er geht, kommt dann ein Promi-Kiosk?

Rudi Frank (54) Dachdecker aus München

Wir leben in der Bürokratie

Die Stadt hat schon die Hühneraugen zugedrückt, da braucht sich der Andi nicht wundern, wenn es nun Ärger gibt. Wir leben in einem Land der Bürokratie, Vorschriften müssen hier eingehalten werden. Und mit der Schließung zu drohen, halte ich für unklug.

Klaus Freund (54)

Die Standl werden weniger

Ich mache gerne meine Runde mit dem Radl zum Westend und freue mich jedes Mal, wenn ich hier ein Frühstück mit Kaffee, Wurst- und Käsesemmeln kriege. Es gibt ja eh schon weniger Standl für die Ausflügler, die Wurst-Bude an der Candidbrücke ist schon weg.

Ernesto Daut (74), Rentner aus Obergiesing

Johannes Welte

Auch interessant

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare