Festival "1001 Nacht"

Reiter will kein Kamelrennen auf der Theresienwiese

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Kamelrennen gab es schon auf der Trabrennbahn in Daglfing. Allerdings sehen richtige Rennkamele anders aus als diese Exemplare. Sie haben nur einen flachen Höcker und kaum Haare, der Jockey sitzt quasi auf dem Hintern.

München - Dschungelcamp im Englischen Garten, Ozzy Osbourne in der Frauenkirche oder Kamelrennen auf der Theresienwiese – klingt alles absurd? Findet OB Dieter Reiter auch.

Die Veranstalter von „1001 Nacht – Orient trifft Okzident“ planen, die Arabische Welt als Gast nach Bayern zu holen. Auf der Theresienwiese, auf der in zwei Monaten wieder das Oktoberfest toben wird, soll im Sommer 2015 eine 1800 Meter lange und 20 Meter breite Sand-Rennbahn aufgeschüttet werden – vorausgesetzt, die Veranstalter bekommen grünes Licht von der Stadt. Neun Tonnen Sand würden für die Rennbahn benötigt, das entspricht rund 370 Lastwagen-Ladungen, die zu der Fläche gekarrt werden müssten.

Doch so weit wird es nicht kommen. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) stellt klar: Mit ihm wird es kein Kamelrennen auf der Theresienwiese geben. „Das ist eine Schnapsidee, die definitiv nicht kommen wird“, sagte Dieter Reiter am Donnerstagabend. „Dafür wird es keine Stadtratsmehrheit geben.“

Die ökologisch orientierten Münchner würden sicher nicht neun Tonnen Sand – das entspricht etwa 370 Lkw-Ladungen – auf der Theresienwiese wollen. Reiter verwies außerdem darauf, dass die Veranstalter Tage ins Auge gefasst hatten, an denen auch der G8-Gipfel auf Schloss Elmau ansteht. Zum Schutz von Teilnehmern, die in München übernachten und wegen eventueller Demonstrationen in der Stadt wird ohnehin mit erheblichen Verkehrsbehinderungen gerechnet.

Die Kamelrennen sollten den Höhepunkt der Veranstaltung „1001 Nacht – Orient trifft Okzident“ markieren: Mit Spezialflugzeugen würden millionenteure Rennkamele nach München gebracht. Da auch in ihren Heimatländern diese hochgezüchteten Tiere nicht mehr von Kinder-Jockeys geritten werden dürfen, behilft man sich mit Jockey-Dummies, die von den Kamelbesitzern aus nebenherfahrenden Pick-Ups gesteuert werden. Neben der Rennbahn sollten Steh- und Sitztribünen errichtet werden, auf denen bis zu 1500 Zuschauer Platz finden, berichtete der Münchner Merkur.

München bei Arabern sehr beliebt

Außerdem sollen sechs Großzelte aufgebaut werden, daneben kleinere Beduinenzelte und Pavillons. In jedem Zelt präsentiert sich ein anderes Land aus der arabischen Welt – darunter Saudi Arabien, Kuwait, Bahrain und Katar –, das so seine kulturellen, wirtschaftlichen und touristischen Besonderheiten herausstellen kann. Das Fest wollen die Veranstalter als „Begegnung der Kulturen“ verstanden wissen. Als ein völkerverbindendes Element soll auch Musik dienen. Auf einer Open-Air-Bühne sollen sowohl europäische als auch arabische Künstler auftreten.

München sei der perfekte Ort für die Veranstaltung, findet Hosam Osman, der das Projekt auf die Beine stellen will. „Bei den Arabern ist die Stadt sehr beliebt.“ Etwa 100.000 arabische Touristen kämen jedes Jahr in die Stadt an der Isar.

In dem lokalpolitischen Gremium sind die Meinungen gemischt. Die meisten Mitglieder wünschen sich, dass politische Themen angesprochen werden, was die Veranstalter bisher nicht vorgesehen haben. „Man müsste auch Frauenrechte und die Rechte Homosexueller in diesen Ländern thematisieren“, so BA-Mitglied Martin Arz von der Rosa Liste.

Janina Ventker / Felix Müller

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