Vor zwei Jahren wurde umgebaut

Kapuzinerstraße: Radler verdrängen Autos

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Des einen Freud, des anderen Leid: Die Radfahrer kommen auf der Kapuzinerstraße gut durch, Autofahrer weniger.

München - Seit 2013 verfügt die Kapuzinerstraße beidseitig über einen Schutzstreifen für Radler. Autofahrer stehen nun oft im Stau, weil eine Fahrspur geopfert wurde.

Die Grünen hatten bei der Stadt um Informationen über die Situation in der Kapuzinerstraße gebeten. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung legte jetzt eine erste vorläufige Bilanz vor. Die Zahl der Fahrradfahrer ist deutlich angestiegen, um rund 25 Prozent. Dies haben Zählungen ergeben. Heute fahren auf der Kapuzinerstraße westlich der Thalkirchner Straße 4500 Radfahrer täglich, 1000 mehr als vor dem Umbau. Im Bereich östlich der Pestalozzistraße sind sogar 4900 Menschen auf Zweirädern unterwegs, ebenfalls 1000 mehr als vor der Markierung der Schutzstreifen.

Voriges Jahr interviewte das Referat für Stadtplanung und Bauordnung am Kapuzinerplatz 40 Radfahrer und bat um eine Einschätzung zur neuen Kapuzinerstraße. Drei Viertel waren mit der Sicherheit und dem Komfort auf den Schutzstreifen zufrieden.

Die Sorge im Vorfeld des Umbaus, wonach das enge Miteinander von Auto und Fahrrad vermehrt zu Unfällen führen könnte, war offenbar unbegründet. Zwar hat es diverse Male gekracht, bei der Analyse der Unfälle konnte die Polizei aber bis auf wenige Ausnahmen keinen Zusammenhang mit der neuen Radwegführung feststellen. Wenn, dann kommen sich die Radfahrer selbst ins Gehege.

Zu problematischen Situationen kommt es laut Polizei gelegentlich im Bereich zwischen Kapuzinerplatz und Lindwurmstraße, wo beidseitig Schutzstreifen angelegt wurden und gleichzeitig temporär eingeschränkte Halteverbote gültig sind. Hier ist zu beobachten, dass Radfahrer den haltenden Fahrzeugen ausweichen müssen, was gelegentlich zu gefährlichen Situationen führt. Dennoch bleibt festzuhalten: Das Radfahren in der Kapuzinerstraße ist wesentlich angenehmer als vor dem Umbau.

Für Autofahrer gilt oft das Gegenteil. Wegen der weggefallenen Geradeausspur über die Lindwurmstraße bildet sich sowohl morgens als auch abends auf gesamter Länge Stau. Vom Baldeplatz in Richtung Thalkirchner Straße treten während der Spitzenzeiten häufig Überlastungen auf - vor allem in der morgendlichen Hauptverkehrszeit bis hinein in die Isarparallele. Aus diesem Grund wird die Ampelschaltung am Baldeplatz aktuell dahingehend optimiert, dass der Verkehr von der Wittelsbacherbrücke kommend so früh abgebrochen wird, dass laut Planungsreferat das „Überstauen“ der Wittelsbacherstraße verhindert wird. Die Behinderungen entlang der Isarparallele sollen dadurch vermieden werden.

Die Autofahrer haben auf die neue Situation reagiert - und suchen sich andere Routen. Die Zahl der Pkw hat laut Zählung deutlich abgenommen. Über die Wittelsbacherbrücke brausten 2005 noch 34 000 Autos täglich, heute sind es rund 10 000 weniger. Auch im Bereich der Arbeitsagentur ist der Pkw-Verkehr rückläufig.

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