Firma Jostra in der Müllerstraße

Keine Hoffnung mehr: Traditionsgeschäft macht zu

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Johann Strauß (72), Inhaber der Firma Jostra, Müllerstraße.

München - Johann Strauß hat keine Hoffnung mehr - sein Traditionsgeschäft Jostra in der Müllerstraße muss schließen. Die tz sprach mit ihm.

Herr Strauß, im Februar berichtete die tz über den geplanten Abriss des Hauses an der Müllerstraße 2, was für Ihr Traditionsgeschäft das Aus in der Münchner Innenstadt bedeuten würde. Und wia schaut’s aus, gibt es vielleicht doch noch Hoffnung – oder ist bald Schluss?

Johann Strauß: Nein, wir haben keine Hoffnung mehr. Wir haben Anfang der Woche ein großes Transparent vor die Tür gehängt, auf dem wir auf den Totalräumungsverkauf wegen Abriss hinweisen. Hier ist es bald vorbei, zum 1. Oktober ist uns gekündigt worden. Wir haben mittlerweile auch schon viel in unser Lager nach Dornach im Münchner Osten gebracht, wo wir dann in Zukunft unser Geschäft haben werden.

Das heißt also, die Unterschriftenaktion für den Erhalt hat auch nichts gebracht?

Strauß: Nein, da kamen damals im Februar schon in den ersten 24 Stunden 1000 Unterschriften zusammen, genützt hat es nichts. Es ist einfach nur traurig. Ich bin gerade dabei, auszuräumen und auszumisten. Ich bin dabei auf viele Bilder von Rupert Stöckl, Petra Moll und anderen Münchner Malern von früher gestoßen. Da erinnert man sich natürlich ganz automatisch an vergangene Zeiten.

Sie waren fast 40 Jahre hier und haben Anfang der 80er-Jahre auch das Stadtgründungsfest mitinitiiert.

Strauß: Das stimmt. Meine Mitarbeiter und ich waren hier in München und der Innenstadt fest verwurzelt. Der grüne Innenhof hier herinnen, wir haben das alles selbst gemacht, selbst gestaltet. Ich hab mir vorhin erst gedacht: Jetzt schmeißt du dein ganzes Leben weg.

Das muss weh tun …

Strauß: Das tut es. Das hier in der Müllerstraße war unsere Heimat. Wenn benachbarte Kunden wie der Konen, der Kaufhof oder der Dallmayr etwas gebraucht haben, eine Rolle Lackfolie etwa, dann kamen sie auf die Schnelle rüber zu uns. Wir waren ja nicht weit. Jetzt sitzen wir dann in Dornach und werden liefern müssen.

Der Trend, dass alteingesessene Geschäfte aus der Innenstadt raus müssen, macht große Sorge. Denken Sie, es erfolgt irgendwann die Umkehr, die Besinnung darauf, diese Entwicklung zu bremsen?

Strauß: Nein. Nichts wird sich ändern. München droht, eine 08/15-Großstadt zu werden, weil es betriebswirtschaftlich rentabler ist, eine neue Glasfassade zu errichten, als alte historische Wohneinheiten zu erhalten. Die Urbanität wird verloren gehen. Das macht sehr nachdenklich.

Florian Kinast

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