Kiosk an der Wittelsbacher Brücke

Münchens ältestes Standl muss dicht machen!

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André Löwig (54) vor seinem Standl an der Isar: Nach dem Sommer könnte Schluss sein!

München - Seit 1848 kühlt Münchens ältestes Standl an der Wittelsbacherbrücke die Kehlen der Isar-Badenden und Flaucher-Flaneure. Nun muss der Kiosk dicht machen. Der Betreiber erklärt, wie es dazu kam:

Hier hat wohl schon jede Isar-Nixe und jeder Flaucher-Flaneur seine Halbe Bier gekauft: Seit 1848 kühlt Münchens ältestes Standl an der Wittelsbacherbrücke die Kehlen der Fluss-Freunde. Doch jetzt soll Schluss sein: „Am 31. Oktober machen wir dicht“, droht Betreiber André Löwig. Jetzt brechen alle Dämme im Isar-Streit!

Der Standl-Mann sagt: Die Stadt wolle ihn trockenlegen. Die Stadt sagt: Er verstößt uferlos gegen alle Auflagen.

Seit 2005 betreibt Löwig den Kiosk: „Ich bin einfach sauer auf die Stadt!“ Er könne unmöglich alle Auflagen einhalten. „Ich glaube, dass man mich weghaben will. Das Standl ist halt keine Prosecco-Bar!“, sagt Löwig. Wenn die Stadt die Auflagen nicht lockert, berichtete auch Hallo München, will er für immer schließen.

Baureferat der Stadt erhebt schwere Vorwürfe

Das Baureferat der Stadt erhebt wiederum schwere Vorwürfe. Löwig habe nur eine Ausnahmegenehmigung, weil der Kiosk im Landschaftsschutzgebiet liege, sagt eine Sprecherin. Dabei liegt das Standl direkt an der Straße!

Laut Stadt sind nur vier Tische mit je vier Stühlen erlaubt, derzeit stehen aber fünf Bierbankgarnituren und neun Gartenstühle davor. Während der WM seien sogar mehr als ein Dutzend Tische und ein Fernseher aufgestellt gewesen. Hier ist laut Baureferat ein Biergarten schlicht nicht erlaubt.

"Das Standl und die Besucher brauchen mich!"

Löwig gibt ja zu, dass er es mit den Auflagen nicht ganz genau genommen hat: „Aber was soll ich machen? Ich muss wirtschaftlich denken! Wir haben 120 Tage im Jahr geöffnet. Das Geld muss aber für 365 Tage reichen!“ Ohne die zusätzlichen Bänke wäre ein Betrieb nicht möglich. Ohne den Fernseher hätte er während der WM gleich zusperren können! Er glaubt auch nicht, dass sich das Standl auf der anderen Straßenseite an die Auflagen halte, wie die Stadt behauptet.

Und die Bußgelder? Heuer musste er 650 Euro zahlen, darunter 100 Euro für eine rechtswidrige Regentonne und nochmal so viel für Blumen. Gezahlt hat er nicht: „Ich habe Einspruch dagegen eingelegt.“

Für die Zukunft sieht Löwig schwarz. 200 Euro Rente wird er bekommen, fürs Standl hat er sich hochgradig verschuldet. „Wo soll ich noch eine Arbeit finden? Ich bin 54 Jahre. Keine Firma braucht mich! Das Standl und die Besucher brauchen mich!“

Florian Fussek

… und das sagen die Gäste zum drohenden Aus:

Super Wirt

Franz Schnitzler (60), Pensionsleiter, München

Da würde gewaltig was fehlen. Hier ist’s gemütlich und familiär, jeder kennt jeden. Man wird toll bedient und manchmal wird hier auch gegrillt. Der Wirt ist super. Er lässt sich immer wieder was neues einfallen.

Stück Heimat

Robert Bauer (67), Rentner aus Unterhaching

Ich wäre sehr traurig, mir würde ein Stück Heimat fehlen. Ich komme seit acht Jahren extra aus Unterhaching her, weil’s da sowas Tolles nicht gibt. Die Atmosphäre hier ist einzigartig und das Bier günstig.

Griabiger Ort

Willi Molok (59), Rentner aus München

Das Standl ist griabig und man sitzt schön im Grünen. Das hier ist Tradition und davon lebt die Stadt. Darum muss es auch erhalten bleiben. Am Wochenende ist es brechend voll, auch viele Familien kommen her.

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