Klägliches Fiepen aus der Decke

Tauben-Drama am Hauptbahnhof?

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Die Deckenverkleidung im Hauptbahnhof-Zwischengeschoss ist noch nicht komplett. Die Lücken wurden mit Netzen geschlossen.

München - Immer wieder werden Passanten auf Tauben aufmerksam, die in Deckenverkleidungen oder Schutzgittern gefangen sind. So auch neulich am Hauptbahnhof. Was die Bahn zu dem vermeintlichen Tier-Drama sagt.

In diesen Netzen sitzen die Taubenküken und sind scheinbar gefangen. Die weißen Tupfen sind Federn, die überall im Netz hängen.

Morgens im S-Bahn-Zwischengeschoss am Hauptbahnhof: Ein klägliches und ziemlich lautes Fiepen dringt aus der Deckenverkleidung. Der Randbereich der Deckenfläche, wo noch keine Verkleidungen angebracht sind, wurde mit Netzen geschlossen. Im Netz hockt ein zerzaustes Taubenküken. Seine Rufe gehen durch Mark und Bein, etliche Passanten bleiben trotz morgendlicher Hektik stehen und schauen, einige scheinen zu überlegen, wie man den Vogel wohl befreien könnte. 

Schon während der gesamten Bauzeit bei der Umgestaltung des Zwischengeschosses konnte man beobachten, dass die Tauben, die es am Hauptbahnhof wie überall in der Stadt reichlich gibt, sich in den über Monate offenen Decken häuslich einrichten. Aus Tauben-Sicht sicher eine vortreffliche Unterkunft. Bis jetzt. Die Deckenverkleidung wird immer weiter vervollständigt - werden die Tauben etwa samt ihrer Brut quasi eingemauert? Auch wenn viele die Tauben in der Stadt eher als Plage empfinden, so etwas wäre schon arg brutal.

Tauben-Drama auch am Stachus

Schon vor Wochen hat Merkur-Leser Stefan Oberhauser eine ähnliche Beobachtung im Zwischengeschoss am Stachus gemacht. "Als ich heute Morgen den S-Bahnhof Stachus in Richtung Neuhauser Straße/Ausgang Herzog-Wilhelm-Straße verlassen habe, konnte ich erst nicht fassen, was ich sehen musste", schrieb er an unsere Redaktion. Die seit Monaten offene Decke über der Außentreppe sei mit Taubengittern versehen worden. Dort hätten sich Szenen abgespielt, die mehr als betroffen machten: "Anscheinend", so Oberhauser, "wurden Tauben und Jungtiere hinter dem Gitter eingesperrt. Andere Tauben klammerten sich außen an das Gitter und versuchten ins Innere zu gelangen. Begleitet wurde das Ganze von wildem Geflatter und verzweifeltem Tschiepen." Oberhauser betont, da es dort vor Tauben nur so wimmele, seien die Schutzgitter an und für sich eine nachvollziehbare Idee, "aber muss es so sein, dass Tiere offensichtlich langsam verhungern und verdursten müssen und dabei jämmerliche Töne von sich geben?" 

Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp beteuert auf Anfrage, dass keine Tiere absichtlich hinter den Verkleidungen oder Schutzgittern eingesperrt würden. "Meistens sei es umgekehrt", so Honerkamp, die Tiere nisten sich hinter den Gittern ein, so auch in dem Fall am Stachus. Die Netze am Hauptbahnhof hängen seit Mai über den Lücken in der Decke. Bevor so etwas angebracht wird, würden immer alle Tiere verscheucht, erklärt Honerkamp. Die Tauben fänden aber fast immer ein Schlupfloch. Das Gitter sei deshalb wieder geöffnet worden, um die Tiere zu befreien.

"Wir wollen und dürfen die Tiere ja nicht vergiften"

Der Umgang mit den Stadttauben ist ein Problem. Die Einflugmöglichkeiten in die Bahnhöfe sind ja immer da, so Honerkamp. Er erklärt: "Generell muss man Maßnahmen ergreifen, um die Tiere abzuwehren. Dort in der Einkaufspassage, das ist keine geeignete Nistmöglichkeit". Auch und vor allem, weil dort viel mit Lebensmitteln hantiert werde.

Fragt sich nur wie man das den Tauben klar macht. "Man kann nur verschiedene Möglichkeiten der Vergrämung probieren", weiß Honerkamp. "Wir können und wollen die Tiere ja nicht vergiften." Einfach dulden könne man die Vögel nicht.  

Mitte August soll die Decke im Hauptbahnhof-Zwischengeschoss endgültig geschlossen werden. Tierschützer dürften sich gerne vor Ort überzeugen, dass keine Tiere dort eingeschlossen werden, sagt Honerkamp. Wer dennoch einmal gefangene Tauben irgendwo bemerkt, kann sich an den Service der Bahn wenden, so Honerkamp. Und er nennt auch die Telefonnummer: 13081055. 

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