Heftige Kritik am neuen Konzept

Müllerstraße: Ist das die beste Lösung?

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Vorder- und Hinterhaus sollen samt Garten für den Neubaublock weg.

München - Ist das von Kommunalreferent Axel Markwardt vorgeschlagene Konzept mit einem Teilabriss in der Müllerstraße wirklich der goldene Kompromiss?

Nachdem der SPD-Mann die Pläne am Freitag vorgestellt hatte (tz berichtete), tauchten übers Wochenende im Rathaus und bei den Goldgrund-Gorillas erhebliche Zweifel auf.

Der Bolzplatz soll erhalten bleiben.

Seit Monaten schwelt ein heftiger Streit um die Zukunft der drei heruntergekommenen städtischen Häuser an der Müllerstraße mit ihren 17 Wohnungen. Auf der einen Seite das Kommunalreferat, das sie erst abreißen und einen 6,4 Millionen Euro teuren Neubau mit 82 bezahlbaren Wohnungen errichten wollte. Auf der anderen Seite die Eltern der Kinder, die sich auf dem Bolzplatz der Glockenbachwerkstatt austoben dürfen – dieser hätte dem Neubau-Projekt weichen müssen. Selbst der Bezirksausschuss war dagegen. Dann bewiesen die Gorillas der Satire-Aktion Goldgrund in einer der Wohnungen, dass man die zum Abriss vorgesehenen Häuser mit wenig Geld doch bewohnbar machen kann.

Inzwischen befürwortet Markwardt die Sanierung des Eckhauses sowie den Abriss der Altbauten an der Müllerstraße und im Innenhof. Die Zahl der Wohnungen würde von 17 auf 23 steigen, nur zehn aber wären öffentlich gefördert. Die Kosten werden auf 6,3 Millionen Euro geschätzt. Der Bolzplatz bliebe erhalten. Eine „Pinselsanierung“ der Häuser würde 1,3 Millionen Euro kosten.

Auch wenn der Bolzplatz gerettet scheint, sind die Aktivisten enttäuscht (siehe unten). Und im Rathaus überzeugt der Markwardt-Plan CSU-Fraktionschef Josef Schmid ganz und gar nicht: „Diese Lösung ist sehr teuer und schafft wenig neuen Wohnraum. Es stellt sich die Frage, ob man das Ziel, für günstigen Wohnraum in der Innenstadt zu sorgen, mit der Pinselsanierung nicht besser erreichen würde.“ Langfristig sei ein Neubau auf der jetzigen vierspurigen Corneliusstraße zu erwägen. Auch FDP-Fraktionschef Michael Mattar ist überzeugt: „Diese Umbauvariante ist absoluter Wahnsinn: Für so viel Geld so wenig neue Wohnungen schaffen.“

Das schlagen die Gorillas vor

Als Gorillas verkleidet, renovierten die Goldgrund-Aktivisten eine Wohnung.

„Für uns ist das nur eine Zwischen­etappe.“ Till Hofmann, Kabarett-Manager und Kopf der Goldgrund-Aktivisten, freut sich, dass der Bolzplatz erhalten bleibt. „Was wir aber immer noch nicht verstehen: Wieso man unbedingt hier einen gewachsenen Bestand abreißen und durch einen Wohnblock ersetzen muss.“ Der Plan würde zudem bedeuten, dass die Bewohner, die das Sozialamt in den vergangenen Monaten im Eckhaus untergebracht hat, wieder ausziehen müssten. „Das sind anerkannte Asylbewerber, die arbeiten gehen und deren Kinder integriert sind. Man reißt sie aus ihrer Umgebung. Von Bürgerbeteiligung ist keine Rede: Die Nachbarn werden offenbar nicht gehört.“ Hofmanns Vorschlag: „Schickt’s einen Maler durch, es finden sich genug Menschen, die einziehen, wenn die Miete passt. Und plant einen Neubau auf der anderen Seite der Corneliusstraße, so wie es um die Ecke in der Zwingerstraße auch ging.“

J. Welte

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