AC/DC-Legende Malcolm Young ist tot

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Vergleich zu Frankfurt & Hamburg

Kriminalität & Verwahrlosung: Lage an den Bahnhöfen spitzt sich zu

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Bierflaschen vor dem Münchner Hauptbahnhof: Trinker machen immer mehr Ärger.

Drogen und Diebe, Bettler und illegale Prostituierte, Trinker und Trickbetrüger: Das Münchner Bahnhofsviertel ist immer häufiger in den Negativ-Schlagzeilen. Auch andere Großstädte haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

München - Erst kürzlich hat die Stadt München ein Alkoholverbot erlassen, um die Gewalt in den Griff zu bekommen. Auch in Frankfurt am Main und Hamburg hat sich die Lage in den letzten Jahren zugespitzt. Interessanterweise ist die Lage in Berlin weniger brisant, als man vielleicht annimmt. Der Grund: Hier gibt es kein klassisches Bahnhofsviertel mehr. Frankfurt, Hamburg, München: Welche Probleme wo überhand nehmen – und wie die Städte gegen Kriminalität und Verwahrlosung kämpfen.

München: Alkohol & Prostitution

Bei uns in München beobachtet die Polizei seit etwa zwei Jahren immer mehr Kriminalität: alkoholbedingte Störungen, Betäubungsmittelkriminalität und illegale Prostitution, aber auch Bettelei und Ansammlungen arbeitssuchender Migranten. Die Polizei kämpft vor allem gegen die Trinkerszene.

In Zahlen bedeutet das für die ersten zehn Monate 2016: 1658 Betäubungsmitteldelikte, 1035 allgemeine Ordnungswidrigkeiten (etwa wegen Belästigung oder Verschmutzung) und 45 Verstöße wegen verbotener Ausübung der Prostitution. Mehr als 3500 Platzverweise sprach die Polizei aus.

„Ein sehr großes Problem stellen dabei die alkoholbedingten Störungen dar“, sagt Polizeisprecher Werner Kraus. Besonders bei der sogenananten Steherszene, die sich vor allem am Eingangsbereich aufhält, fühlten sich Reisende oft unwohl. Dort kann es zu kleinen Rangeleien und Schubsereien, aber auch zu Körperverletzungen kommen. Auch die große Zahl der Platzverweise lasse sich oft auf Alkoholkonsum zurückführen. Bis Oktober 2016 waren hier 533 Einsatzzüge des Präsidiums und der Bereitschaftspolizei im Einsatz. Die je 20 bis 30 Beamten überwachten zusätzlich zu den zuständigen Polizeiinspektionen die Szenerie.

Die neueste Waffe von Stadt und Polizei: das nächtliche Alkoholverbot (22 bis 6 Uhr), das nun seit etwas über einem Monat im und um den Bahnhof in Kraft ist. Laut KVR haben die Straftaten im Viertel nämlich besonders in den Nachtstunden zugenommen: Die Zahl der Raubdelikte stieg von ersten Halbjahr 2015 zum ersten Halbjahr 2016 zwischen 22 und 6 Uhr von 70 auf 188 Fälle (plus 168 Prozent). Bei den Körperverletzungen ist es ähnlich: von 63 auf 167 Delikte – 165 Prozent mehr! Aber hilft das Alkoholverbot auch? Hierzu könne man noch nichts Verlässliches sagen, meint Polizeisprecher Werner Kraus. Wegen der kalten Temperaturen seien in dieser Zeit allgemein weniger Personen am Bahnhof unterwegs gewesen. „Aber wir gehen strikt gegen Verstöße vor!“ Man habe seit Beginn des Verbots schon 120 Anzeigen erstattet.

„Pöbeleien an den Eingängen“

Ariane Schneider.

Die Rauchpausen sind für Ariane Schneider (49) von der Bäckerei Ratschiller & Hösle nicht mehr das, was sie mal waren. „An den Eingängen halten sich viel mehr Leute auf, die einen anbetteln oder anpöbeln, das ist unangenehm.“ Die Dachauerin arbeitet seit 26 Jahren im Hauptbahnhof. „Der Ton ist schroffer geworden. Man bekommt oft Streit, Geschrei oder Pöbeleien mit.“ Bei Betrunkenen hat sie gelernt, vorsichtig zu sein. Sie hofft auf das Alkoholverbot. „Ich habe jetzt schon das Gefühl, dass weniger Leute mit Bierflasche in der Hand rumlaufen.“ Angst empfindet sie trotz allem nicht. „Es ist nicht wirklich gefährlich hier. Die Polizei ist sehr präsent. Da ist es nachts in einem einsamen Wohngebiet schon wesentlich gefährlicher.“

Frankfurt: Drogen

In Frankfurt am Main schockieren vor allem aggressive Drogendealer. Die einzige größere Crack-Szene in Deutschland findet sich in dem Quartier. Die Zahl der Crack-Dealer sei innerhalb eines Jahres um 20 bis 40 auf 40 bis 80 gestiegen, hat Polizeipräsident Gerhard Bereswill Ende 2016 festgestellt. Zugleich sei eine neue Szene von 50 bis 70 Haschisch- und Marihuana-Verkäufern entstanden. Die Polizei geht daher seit rund drei Monaten viel stärker gegen die Szene vor. Mehr als 100 Beamte von Landes-, Bundes- und Stadtpolizei sind jeden Tag zusätzlich im Einsatz. Rund 20.000 Menschen wurden kontrolliert, etwa jeder Zehnte bekam eine Anzeige. Knapp 330 Verdächtige wurden festgenommen und rund 3,6 Kilogramm Rauschgift sichergestellt.

Hamburg: Gewalt

Im Hamburger Hauptbahnhof lagern Obdachlose, Alkoholiker treffen sich zu Trinkgelagen. Hier ist die Zahl der Polizeieinsätze seit 2013 kontinuierlich gestiegen: von 271 auf 413 (2016). Gemeinsame Einsätze von Bundes- und Landespolizei zeigten Wirkung, sagt Bundespolizeisprecher Rüdiger Carstens. Zumindest die Zahl der Taschen- und Handgepäckdiebstähle sei 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 17,6 Prozent auf 3565 zurückgegangen. Gleichzeitig hätten jedoch die gewaltsamen Widerstandshandlungen gegen Polizisten um 33,5 Prozent auf 311 zugenommen. Mehr Sicherheitspersonal, Videoüberwachung und kostenlose Pissoirs – so kämpfen das Bezirksamt Mitte und die Bahn gegen die Verwahrlosung.

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