Deutsche-Eiche-Wirt Dietmar Holzapfel

Kult-Wirt von Münchner Schwulen-Treff wird bedroht: Hört der Hass denn niemals auf?

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Dietmar Holzapfel (62) führt das Kult-Hotel und -Restaurant Deutsche Eiche an der Reichenbachstraße.

Als Dietmar Holzapfel (62) die Post in seinem Hotel Deutsche Eiche durchschaut, stockt ihm der Atem: In dem Stapel steckt eine an ihn adressierte Postkarte mit übelsten schwulenfeindlichen Bedrohungen und Beschimpfungen!

Der Kult-Wirt vom Gärtnerplatzviertel erstattet Anzeige bei der Polizei und fragt sich voller Sorge: „Hört denn dieser Hass niemals auf?“

Spurensuche: Die Karte wurde am 19. April im Briefzentrum Freising abgegeben. Der Absender ist teilweise leserlich – allerdings mit einer Ungereimtheit: „Die Postleitzahl 80481 gibt es in München nicht“, sagt Holzapfel. Eingeworfen wurde die Karte laut Poststempel zudem in Freising, nicht in München selbst. „Hallo Dieter“, schreibt der Täter (nicht Dietmar, wie Holzapfel heißt) und wütet dann drauflos – in einer Wortwahl, die wir hier nicht wiedergeben wollen, die Homosexuelle beleidigt und ihnen Gewalt androht.

Abgestempelt wurde die Postkarte in Freising.

Der Hotelier, der seit 1993 mit seinem Mann Josef Sattler die Deutsche Eiche führt, war geschockt. „Ich hatte das Gefühl, die Stimmung im Viertel ist gut. Und dass es weniger Übergriffe auf Schwule und Lesben gibt als früher. Aber so rosig ist es bei uns nicht zweieinhalb Monate vor dem Christopher Street Day.“

Als Holzapfel kürzlich Oberbürgermeister Dieter Reiter und Gattin Petra zum Kartenspielen traf, habe ihn der Rathaus-Chef überzeugt, zur Polizei zu gehen, um Anzeige zu erstatten. Vor 17 Jahren war der Hotelier schon einmal bedroht worden, auch damals stammte das Schreiben aus der Gegend von Freising. Der Täter wurde zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt. Jetzt hofft Holzapfel, dass jemand die Schrift auf der neuen Karte kennt und sich bei der Polizei meldet (Tel.: 089/291 00).

Der Hotelier Holzapfel ist die ständigen Bedrohungen jedenfalls satt. Er hofft, dass die Handschrift auf den Karten den Drohbriefschreiber überführen könnte, und verspricht: „Ich setze 1000 Euro Belohnung aus für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen.“

Lesen Sie auch: Mann glaubte, er könne Homosexuelle „heilen“ - dann outet er sich selbst als schwul

Das könnte Sie auch interessieren: Die Grünen-Politikerin Tessa Ganserer forderte im bayerischen Landtag, Therapien für homosexuelle und transsexuelle Menschen bundesweit zu verbieten. In Bayern gebe es immer noch Ärzte, die solche Therapien anbieten würden.

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