Augenzeuge schildert uns den Polizeieinsatz

Diese Tasche sorgt für unglaublichen Zufall am Hbf

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Mutterseelenallein stand diese blaue Sporttasche im Schalterbereich des Münchner Hauptbahnhofs.

München - Eine herrenlose Sporttasche am Münchner Hauptbahnhof sorgte Montag Mittag für Aufregung - und für einen unglaublichen Zufall.

Eine blaue Sporttasche der Marke Nike stand Montag Mittag gegen 12 Uhr herrenlos im Münchner Hauptbahnhof. Inmitten der Schalterhalle, vor den Eingängen zweier Geschäfte. "Eine Viertelstunde lang", sagt Peter Thoma. Er beobachtete die Sache, so kurz nach dem Terror in Paris, mit einem äußerst unguten Bauchgefühl, verständigte schließlich die Polizei. Ein Bombenalarm?

Mehrere Beamte der Münchner Polizei rückten gemeinsam mit Kollegen der Bundespolizei an, sperrten den Bereich um die Tasche großräumig ab. Doch zur genauen Untersuchung des "verdächtigen Gegenstands" ist es nicht gekommen. Gleich aus zweierlei Gründen. 

Plötzlich: Festnahme statt Sicherung der Tasche

Erstens: Aus einem der beiden Geschäfte, einem Tabakladen, stürmte noch während dem Absperr-Prozedere ein Dieb. Er lief den Polizisten sprichwörtlich in die Arme, wurde sofort festgenommen. "Das war sogar ein bewaffneter Diebstahl, der Mann hatte ein Messer bei sich", sagt Oliver Timper, Pressestelle Polizeipräsidium München. Aus einem Einsatz wurden sozusagen zwei Einsätze.

Ein Dieb, der sich unbeobachtet wähnte und dachte, mit seiner Beute davonzukommen, tapst direkt in einen anderen Einsatz und wird festgenommen - ein unglaublicher Zufall.

Und zweitens: Während der Festnahme des Diebes tauchte der Besitzer der blauen Sporttasche auf. Laut Timper "ein Flüchtling, der die Tasche scheinbar sorglos abgestellt hatte". Was letztlich in der Tasche war, ist laut Timper nicht bekannt. "Vermutlich Kleidungsstücke."

Inhalt der Tasche nicht bekannt

Was steckt in der Tasche? Laut Angaben der Polizei wurde der Inhalt nicht untersucht.

Vor lauter Absperren und Festnehmen haben die Beamten die Tasche gar nicht genauer unter die Lupe genommen. Fahrlässig? "Nein", sagt Timper. Der Flüchtling sei an die Absperrung herangetreten und habe gesagt: "Ich bin der Besitzer." Daraufhin wurde sie ihm übergeben. "Wenn in dieser Tasche tatsächlich eine Bombe gewesen wäre, hätte sie kein Mensch der Welt freiwillig in die Hand genommen." 

Nicht der erste Taschenalarm

Letztlich entpuppte sich der Sporttaschen-Fall als Fehlalarm - nicht der erste in den vergangenen Tagen. Am vergangenen Freitag war am Münchner Hauptbahnhof ebenfalls für mehrere Minuten eine Tasche inmitten der Schalterhalle abgestellt. Seltsamerweise zur gleichen Zeit wie am Montag - um kurz nach zwölf. Und es handelte sich ebenfalls um eine blaue Sporttasche. "Einen Zusammenhang schließen wir aber aus", sagt Timper. Blaue Sporttaschen stünden am Münchner Hauptbahnhof sehr häufig. Unter anderem die Zeitungstaschen der ICE.

Appell an Passanten

Besonders erschreckend ist für Peter Thoma, der sich mit seiner Schilderung des Vorfalls an unsere Onlineredaktion gerichtet hatte, die Unachtsamkeit der Passanten. "Ich bin nach dem Attentat in Paris, wo es so viele Tote und Verletzte gegeben hat, schockiert, dass die Menschen immer noch so verblendet sind und in keiner Sekunde die Augen offen halten." Thoma meint, der Einzige gewesen zu sein, dem die herrenlose Tasche aufgefallen ist. Alle anderen seien ohne Sorge regelrecht darüber gestolpert. Timper sagt dazu: "Wir bei der Polizei leben von Hinweisen, sind dankbar wenn sich jemand rührt - lieber einmal zu viel als zu wenig."

js

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