Pfiffe für OB-Kandidatin Nallinger

Lautstarker Goldgrund-Protest in der Müllerstraße

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Die grüne OB-Kandidatin Sabine Nallinger musste bei ihrer Rede Pfiffe und Gelächter über sich ergehen lassen.

München - In der Müllerstraße wurde am Dienstag lautstark gegen die Abrisspläne zweier Häuser protestiert. Für die grüne OB-Kandidatin Sabine Nallinger gab es Pfiffe.

Mut hat sie ja, die Sabine Nallinger: Am Dienstag begab sich die OB-Kandidatin der Grünen in die Höhle des Löwen. Die bestand aus dem Vorhof des städtischen Anwesens in der Müllerstraße, wo die Stadt zwei alte Häuser abreißen will, um ein neues zu bauen. Und genau dagegen protestierte gestern vor rund 250 Fans eine bunte Truppe von Künstlern, die Kleinkunst-Pate Till Hofmann als Goldgrund-Chef über Nacht aus dem Ärmel geschüttelt hatte.

Die Liedermacherin und Kabarettistin Martina Schwarzmann eröffnete den Protestabend in der Müllerstraße Fotos (6): Kurzendörfer

Die Stadt meint, dass man das großteils leer stehende Wohnhaus an der Straße nicht mehr retten könne, so marode sei es – von Einsturzgefahr im Treppenhaus ist gar die Rede. „Das haben die Gutachten ergeben“, so Sabine Nallinger, die zwischen den Rappern von Blumentopf und den Sportfreunden Stiller, den Wellküren, Kabarettistin Martina Schwarzmann und Krimi-Autor Friedrich Ani auf die Bühne trat (siehe Kasten links) – um das zu verteidigen, was heute der Kommunalausschuss mit den Stimmen von SPD und Grünen voraussichtlich beschließen wird: einen Neubau, der inklusive Nebenkosten rund 6,3 Millionen Euro kosten soll. Die Zahl der Wohnungen auf dem Grundstück stiege von 17 auf 23. Dazu müsste auch der Gewerbebau im Hinterhof weg. Nur das Eckhaus darf stehen bleiben sowie der Bolzplatz.

Eine Sanierung der Bauten, die 1,3 Millionen Euro kosten würde, lehnt der Stadtrat ab: „Wir müssten das Wohnhaus dann nach fünf Jahren abreißen“, so Nallinger unter Pfiffen. „Das Haus steht schon 150 Jahre und würde auch nochmal 150 Jahre stehen“, entgegnete Hofmann. Ein Statiker, den Goldgrund ins Haus geschickt hatte, habe das bestätigt. Das ließ Nallinger aber ebensowenig gelten wie die Warnung des Bezirksausschussvorsitzenden Wolfgang Püschel (SPD), dass die Bewohner des künftigen Neubaus erfolgreich gegen den benachbarten Bolzplatz klagen könnten.

Dafür versprach Nallinger: „Als Oberbürgermeisterin werde ich für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen.“ Dafür erntet sie lautes Gelächter.

J. Welte

Sportis, Blumentopf, Ani: Darum sind wir dabei

Auch die Band Blumentopf setzt sich für den Schutz alter Bauten ein.

Viele Münchner Top-Künstler hat Kabarett-Impresario Till Hofmann zusammengetrommelt. Die tz hörte sich um. Krimi-Spezialist Ani sagt: „Es ist eine Ehrensache, dass ich mitmache. Der Till macht viele tolle Projekte. Man muss immer wieder darauf hinweisen, wie die Stadt und die SPD die Mietsituation verschlechtern. Wir müssen uns wehren, anwesend sein, damit sich was ändert. Ansonsten kann man gleich daheim bleiben.“ Blumentopf setzen sich dafür ein, „dass alte Bauten geschützt werden und die Stadt ihr Gesicht nicht verliert. Sie muss lebenswert bleiben“. Chancen sehen sie: „Beim Bolzplatz an der Corneliusstraße hat’s ja auch geklappt.“

Die Sportfreunde Stiller traten spontan in der Müllerstraße auf.

Die Sportfreunde betonen: „Gute Goldgrund-Ideen müssen umgesetzt werden. Wir können nicht einfach hinnehmen, dass sich nichts ändern kann. Uns liegt das Gesicht unserer Stadt am Herzen.“ Und Hofmann: „Viele Leute fänden es furchtbar, wenn dieses charmante Eck verschwinden würde.“

Matthias Bieber

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