Stadt will Goldgrund-Chef anzeigen

Leerstandshaus inspiziert: Hofmann droht Ärger

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Goldgrund-Chef und Kabarett-König Till Hofmann.

München - Kleinkunst-König Till Hofmann und Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) liegen schon seit Monaten im Clinch. Jetzt droht allerdings rechtlicher Ärger.

Kleinkunst-König Till Hofmann (Lustspielhaus, Lach & Schieß) und Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) liegen schon seit Monaten im Clinch. Grund: Mit seinen Freunden von der Satire-Aktion Goldgrund führte Hofmann die städtische Immobilienverwaltung unter Markwardt schon mehrfach wegen ihrer Leerstände mit spektakulären Aktionen vor. Erst in der Müllerstraße, wo als Gorillas verkleidete Aktivisten eine heruntergekommene Bude herrichteten, dann in der Pilotystraße, wo die Stadt ein ganzes Anwesen leerstehen ließ und Hofmanns Freunde zum Kabarett-Angriff auf die Stadt bliesen.

Am Dienstag steigt in der Pestalozzistraße die nächste Kleinkunst-Demo (siehe unten). Hier lässt die Stadt seit 2009 bzw. 2011 ein Wohn- und Geschäftshaus leerstehen, es soll in den nächsten Tagen abgerissen werden. Ab 2017 ist hier ein neues Wohngebäude geplant. Wie schon in der Müllerstraße fordern die Goldgrund-Aktivisten mit Hofmann an der Spitze, das Haus stehen zu lassen.

Sie wollen hier das Flüchtlingsprojekt Bellevue Monaco gründen. Das Konzept: Unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, alleinerziehende jungen Frauen sowie junge Wohnungslose bekommen ein Dach über den Kopf. Auch ein Café, Ausbildungsbetriebe und eine Reparaturwerkstatt wären geplant. Goldgrund schlug als Standort erst die städtischen Abrisshäuser in der Müllerstraße vor – die Stadt lehnte ab.

Kommunalreferent Axel Markwardt will das Haus in der Pestalozzistraße abreißen.

Kommunalreferent Markwardt ist aber auch gegen den Standort Pestalozzistraße: „Eine Zwischennutzung wäre mit erheblichen Kosten verbunden.“ Konkret spricht er von bis zu sechs Millionen Euro. Um sich selbst ein Bild zu machen, gingen Hofmann und ein befreundeter Bauingenieur in die Pestalozzistraße, schraubten ein Schloss ab und schauten rein. „Wir sahen, dass das Haus keine schlechte Bausubstanz hat“, so Hofmann. Ein Nachbar aber holte die Polizei. „Die Beamten erklärten, dass sie den Grundstückseigner informieren müssen.“ Tatsächlich handelt es sich um einen potenziellen Hausfriedensbruch. Später rief die Polizei Hofmann an und erklärte: „Der Grundstücksbesitzer beabsichtigt, Strafanzeige zu erstatten.“ Das ist die übliche Praxis im Kommunalreferat. Am Montagabend ließ Markwardt mitteilen: „Aktuell ist keine Strafanzeige erstattet worden.“ Möglicher Hintergrund: OB Dieter Reiter (SPD) erklärte am Abend: Er lädt Goldgrund zum Runden Tisch zum Thema Bellevue Monaco ein. Standort: Müllerstraße!

Von Barwasser bis Ani: Sie sind dabei

Etliche Künstler sind dabei, wenn Till Hofmann ruft – eine Auswahl sehen Sie auf den Fotos links. Einige der prominenten Hirne und Herzen der Stadt erreichten wir am Telefon.

Frank-Markus Barwasser betont: „Wenn wir nicht Druck von unten machen, dann passiert nichts oder alles zu langsam. Ich hätte gern mal ein Gutachten, wie baufällig das Haus wirklich ist.“ Michael Altinger betont: „Es ist wichtig, den Menschen ein Gesicht zu geben. Es wird nur noch über Zahlen geredet.“ Und Christian Springer weiß: „München würde ohne Zugereiste nicht existieren. Früher kamen sie aus der Oberpfalz und Castrop-Rauxel, heute aus Somalia und dem Nahen Osten. Auf gut Münchnerisch: ahlam wa sahlam! Griaß eich!“

Johannes Welte, M.B.

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