Toter im Glockenbachviertel

50 Liter Spiritusbomben: 32-Jähriger lebte in Festung

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Mehrere Kanister mit Spiritus hat der 32-Jährige in seiner Wohnung gelagert. Mit den selbst gebastelten Bomben wollte er offenbar eine Explosion auslösen.

München - Macheten, Gaspistolen, Messer: Der 32-Jährige, der sich erschossen hat, war ausgerüstet. Mit einer selbst gebastelten Spiritusbombe wollte er zudem seine Wohnung in die Luft jagen.

Die Einzimmerwohnung des Mannes gleicht einer Festung. So jedenfalls hört es sich an, wenn der leitende Kriminalhauptkommissar Siegbert Reder und der Pressesprecher der Polizei, Wolfgang Wenger, vom Einsatz in der Holzstraße 51 am Mittwoch erzählen.

Sie finden dort die Parallelwelt eines Waffennarrs. Fein säuberlich aufgereiht hat er in einem Schrank jede Menge Munition gelagert - über 1000 Schuss, Messer, Gaspistolen, Macheten, Chinaböller. "Der Mann hat sich auch einen taktischen Helm gebastelt", sagt Wolfgang Wenger. Einen Helm für Einsätze.

Einen Großeinsatz hatte die Polizei gestern in der Wohnung des 32-Jährigen, wie Kriminalhauptkommissar Siegbert Reder sagt. Zunächst fängt alles relativ harmlos an. Als Mitarbeiter des Kreisverwaltungsreferats (KVR) am Mittwochmorgen vor der Eingangstür stehen, macht der Mann nicht auf. Eigentlich sollten in der Wohnung Waffen sichergestellt werden, die der 32-Jährige nach seinem Austritt aus einem Schützenverein unerlaubterweise immer noch hatte. Reine Routine. Doch es kam anders.

Insgesamt 50 Liter Spiritus in Kanistern

Die KVR-Mitarbeiter rufen die Polizei dazu. Der Mann öffnet die Tür noch immer nicht, hat sie von innen mit drei großen Koffern verbarrikadiert. Ein Schlüsseldienst soll deswegen aufsperren - als dieser gerade anfängt, hören die Polizeibeamten Zischgeräusche, weißer Rauch quillt heraus, dann knallt es laut. Nach ersten Erkenntnissen hat sich der Mann selbst erschossen, SEK-Beamte stürmen sofort die Wohnung.

Die Zischgeräusche kommen wohl von den Signalfackeln, die der 32-Jährige an mehreren Kanistern befestigt hat. Als er daran zieht und sie somit zündet, will er eine große Explosion auslösen. Die Kanister sind randvoll, gefüllt mit Spiritus. In seiner 25 Quadratmeter großen Wohnung hatte der Mann vorsorglich mehrere Kanisterbomben positioniert, insgesamt 50 Liter Spiritus. "Eine Bombe stand sogar direkt neben seinem Bett", sagt Pressesprecher Wolfgang Wenger. Immer griffbereit. "So konnte er sie schnell und jederzeit zünden." Drei davon sollten offenbar am Mittwoch brennen.

Toter im Glockenbachviertel - Bilder vom SEK-Einsatz

Toter im Glockenbachviertel - Bilder vom SEK-Einsatz

Feuer entsteht dennoch kaum in der Wohnung. Die Feuerwehr, die dazugerufen wird, muss wenig löschen. "Spirtius kann eine Verpuffung oder eine Explosion auslösen", sagt Kriminalhauptkommissar Siegbert Reder. "Aber in dem, was sich der Mann zusammen gemischt hat, war wohl zu viel Spiritus." In einem solchen Fall zündet es nicht so, wie es soll.

In der Wohnung finden die Beamten den 32-Jährigen leblos im Wohnzimmer. Sie bringen ihn nach unten, eine Reanimation schlägt fehl. Der Mann ist bereits tot. Ob es sich bei der Leiche auch tatsächlich um denjenigen handelt, der auch in der Wohnung gemeldet war, will die Polizei noch nicht bestätigen. Das soll die Obduktion klären. Nur so viel: Der in der Holzsstraße 51 gemeldete Mieter war der Polizei nicht bekannt.

Auch ob sich der Mann selbst erschossen hat, soll nun die Obduktion klären.

pak

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