Arbeiter klagen über schlechte Bezahlung

Lohn-Ärger auf der Luxus-Baustelle im Glockenbach

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Ein Foto von Donnerstag Nachmittag: die Arbeiter vor der Baustelle.

München - Sie bauen mit die teuersten Wohnungen in München, müssen aber seit Monaten auf ihren Lohn gelten. Jetzt reicht es den Bauarbeitern vom Wohnprojekt Glockenbachsuiten an der Fraunhoferstraße.

Stilvolles Wohnen an der Isar: Mit diesen Worten wird für das Luxus-Wohnprojekt Glockenbachsuiten an der Fraunhoferstraße geworben. Die Quadratmeterpreise für die Wohnungen mit Blick auf die Maximilianskirche betragen bis zu 22.000 Euro. Weniger stilvoll soll der Umgang mit den Bauarbeitern sein. „Hier wird nicht einmal der gesetzliche Branchenmindestlohn gezahlt“, schimpft Matthias Jena (54), Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Bayern. Und: „Die Arbeiter warten teils schon seit Monaten auf ihren kargen Lohn.“

Rund 25 Männer aus Bosnien versammelten sich Donnerstag Nachmittag an der Fraunhoferstraße – sie sind seit Januar 2015 auf mehreren Münchner Baustellen beschäftigt. „Seit Mitte Februar haben die Arbeiter kein Geld mehr erhalten“, sagt DGB-Mann Jena: „Es geht insgesamt um ausstehende Lohnzahlungen von rund 60.000 Euro.“

Mit Unterstützung der DGB-Beratungsstelle Faire Mobilität fordern die verzweifelten Arbeiter aus Bosnien – einem der ärmsten Länder Europas – jetzt ihr Geld ein. „Außerdem bereiten wir Klagen beim Arbeitsgericht München vor“, sagt Matthias Jena.

Laut DGB sind die Bauarbeiter bei einer slowenischen Firma mit Sitz in Ljubljana angestellt. Dieses Unternehmen sei Subunternehmer einer Baufirma aus Grünwald, die wiederum ein Subunternehmer einer Baufirma aus Wolfratshausen sein soll.

„Mit den Arbeitern sind Stundenlöhne zwischen acht und zehn Euro vereinbart worden“, sagt Jena. „Das ist rechtswidrig, weil im Bauhauptgewerbe seit 1. Januar ein Mindestlohn von 14,20 Euro pro Stunde gilt!“

Auch wenn in Slowenien geringere Sozialversicherungsbeiträge und Steuern anfallen, hätte den Arbeitern laut DGB ein Stundenlohn von knapp elf Euro gezahlt werden müssen. Jena: „Für einen Monat harter Arbeit haben die Männer zwischen 400 und 500 Euro zu wenig erhalten.“ Beim Bauträger der Glockenbachsuiten, der Münchner conceptbau, wusste man von den Vorwürfen bis Donnerstag nichts. „Lohndumping ist vertraglich ausgeschlossen“, sagt ein Sprecher der tz.

Der Subunternehmer aus Grünwald wiederum beruft sich auf Pauschalzahlungen und sieht die slowenische Firma in der Pflicht. „Wenn die Arbeiter für vertraglich vereinbarte Leistungen länger brauchen, dann ist das deren Problem“, sagte der Projektleiter der tz. Von der slowenischen Firma hieß es im Gegenzug, man habe vom Grünwalder Unternehmen für März zu wenig Geld bekommen – nur etwa 50 000 statt 98 000 Euro. Deshalb habe man die Arbeiter nicht voll auszahlen können.

Argumente hier, Argumente dort. Und irgendwo dazwischen 25 Arbeiter, die auf ihr Geld warten … Immerhin, so hieß es am Donnerstag, verhandelten die Beteiligten über eine schnelle Lösung. Das Ergebnis ist bislang noch nicht bekannt.

Das sagen die Arbeiter

Bitte fair zahlen

"Ich habe drei Monate hier gearbeitet, ohne Geld zu bekommen – da reden wir von gut 3000 Euro. Ich leiste gute Arbeit und möchte dafür auch bezahlt werden!"

Sefir (57) aus Szenica

Bin enttäuscht

"Ich komme aus Doboj in Bosnien und arbeite schon ein Jahr hier auf der Baustelle. Ich habe eigentlich nicht erwartet, dass mir in Deutschland so etwas passiert. Mir sind rund 350 Arbeitsstunden nicht gezahlt worden.

Vlastimir (45)

jam

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