Serie: Die Zukunft in den Vierteln

Dieser Stadtteil hat eine Baustellenhölle rund um das Bahnhofsviertel

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Ganz weit unten: Das ganze Jahr 2019 wird der Umbau des U-Bahnhofs Sendlinger Tor weitergehen.

München wächst: Im Jahr 2035 werden rund 300.000 Menschen mehr leben als heute. In den Stadtvierteln wird daher kräftig gebaut. Wir zeigen, wie es künftig aussieht. Diesmal: Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt.

„Im südlichen Bahnhofsviertel reißen sich die Investoren um gewerbliche Grundstücke“, sagt der Bezirksausschuss-Vorsitzende der Ludwigs- und Isarvorstadt (BA 2) Alexander Miklósy (Rosa Liste) dieser Zeitung noch wenige Tage vor seinem Tod am 12. Dezember. „Die Fülle der Baustellen kann dazu führen, dass rund um den Hauptbahnhof zwangsweise eine autofreie Zone entsteht, weil überhaupt kein Durchkommen mehr ist“, befürchtet er.

Am spektakulärsten wird wohl der luxuriöse Neubau des Traditionshotels Königshof. Das alte Haus wird Anfang des Jahres abgerissen. Der futuristische Entwurf des spanischen Architekturbüros Nieto mit vertikalen Einschnitten in der Fassade geht neun Stockwerke in die Höhe. Während der zweieinhalbjährigen Bauphase wird es erhebliche Auswirkungen auf die Bayerstraße und andere Nebenstraßen geben.

Entschieden wird bald über die Schillerstraße 3 und 3a, wo ein „Motel One“ mit 280 Zimmern entstehen könnte. Auch schräg gegenüber, in der Bayerstraße 25, ist ein neuer Hotel- und Gewerbekomplex geplant. „Gegen zu viele Hotels versuchen wir uns zu wehren“, erklärt Miklósy. Der Bedarf an Betten sei mehr als gedeckt, teilweise fallen sogar Wohnungen weg. Sorge bereitet den Lokalpolitikern auch der Mangel an Parkplätzen und Busanfahrtszonen.

Ein weiteres Projekt ist das Karree zwischen Bayer-, Paul-Heyse- und Schwanthalerstraße, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof, das die Postbank an die Credit Suisse verkauft hat. Für die Neugestaltung der gemischt genutzten Immobilie findet demnächst ein Architekturwettbewerb statt. Vorab soll hier aber endlich eine Lösung für Radler umgesetzt werden. „Eine durchgehende Radverbindung entlang der Paul-Heyse-Straße hat für uns hohe Priorität“, so der inzwischen verstorbene BA 2-Vorsitzende.

Ludwigsvorstadt: „Insgesamt müssen wir uns leider auf eine Baustellenhölle einstellen.“

Weiter gebaut wird am Hauptbahnhof und der zweiten Stammstrecke. „Losgehen wird es dieses Jahr wahrscheinlich am Starnberger Flügelbahnhof“, so Miklósy. „Hier kämpfen wir noch für einen direkten Durchgang zu den Gleisen und gegen einen unpassierbaren Büro- und Shoppingkomplex. Insgesamt müssen wir uns leider auf eine Baustellenhölle einstellen. Auch am Sendlinger Tor geht es noch das ganze Jahr mit der großen U-Bahn-Grube weiter.“ Allerdings klappe hier die Verkehrsumleitung erstaunlich gut.

Auf dem ehemaligen Viehhofgelände ist der Neubau des Volkstheaters im Zeitplan. Das Theater wird im Laufe des Jahres immer deutlichere Formen annehmen. Und auch die kulturelle Nutzung der schon lange leerstehenden Viehhofbank kommt in Bewegung. Hier soll es noch im Januar eine Stadtratsentscheidung geben. Eröffnet wird im Spätsommer das neue Stadtteilkulturzentrum„Luise – Am Alten Südbahnhof“. Der Name steht für die beiden Viertel Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt und Sendling, die das Haus gemeinsam nutzen. Im Frühjahr beginnen unter Leitung des Trägervereins Glockenbachwerkstatt die Detailplanungen. Die Bürger erwartet auf rund 800 Quadratmetern an der Ruppert-/Ecke Tumblingerstraße ein breites Kulturprogramm sowie Info- und Beratungsangebote.

Umgebaut und deutlich aufgewertet wird der St.-Paul-Platz. Es entsteht dabei vor dem Haupteingang der Kirche ein Aufenthaltsraum für Anwohner und Besucher. Fortgesetzt werden soll im Sommer das Projekt Piazza Zenetti – ein vorübergehender Bürgertreff mit Freizeitangeboten.

Für die lebenswerte und bunte Nachbarschaft im Glockenbachviertel stehen dieses Jahr auch die Straßenfeste. Das Gärtnerplatzfest, das 2018 wegen eines fehlenden Sicherheitskonzepts und des Wiedereinzugs des Theaters ausfallen musste, soll wieder an einem Juliwochenende stattfinden. Auch beim Hans-Sachs-Straßenfest wird gefeiert. Geplant ist auch ein zweites Isar-Ludwig-Wochenende für die Aktiven, Vereine und Künstler des Viertels. Hier braucht es aber einen Träger, weil der Aufwand für den BA allein zu hoch ist. Weitergehen sollen im Sommer auch die leisen Kultur- und Freizeitangebote im Nussbaumpark, die gut angekommen sind und die Grünanlage wieder für Bürger attraktiv gemacht haben.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Ludwigsvorstadt - mein Viertel“.

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