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„Ein Symbol für den „Wohnungsmarkt“

Messe-Besucher entsetzt: 210 Euro für dieses Gammel-Zimmer

Ein Wiener Hotelgast beschwert sich bitter über seine Bleibe nahe des Hauptbahnhofs – dort räumt man Defizite ein.

München - Aufgequollene Fußböden, abgeplatzter Putz und jede Menge Schimmel – dieses Hotel an der Schillerstraße hat seinen Namen definitiv nicht verdient. Denn „Daheim“ fühlte sich zumindest Wojciech C. (39) nicht. Der Hotelgast hat unserer Zeitung Bilder von seiner, wie er sagt, „Gammelhöhle“ gezeigt. Ein Zimmer sollte ihn 210 Euro pro Nacht kosten. „Dieses Hotel ist für mich ein Symbol für den gesamten Münchner Wohnungsmarkt“, sagt der Wiener. Der freischaffende Architektur-Journalist suchte sich während der Immobilien-Messe Expo Real in München, die heute endet, eine bezahlbare Unterkunft. C. kennt die Hotelpreise während der Messen in Städten weltweit. „Ich war bereits in China, Myanmar oder an der Elfenbeinküste“, sagt C. „Aber derartige Zustände habe ich noch nie erlebt.“

Der Putz bröckelt, der Schimmel wuchert: Dieses Hotelzimmer befindet sich offensichtlich in einem desolaten Zustand. 

Am Mittwochmorgen bezog er das Zimmer im Bahnhofsviertel. Er habe keine großen Erwartungen an ein Hotelzimmer, brauche keinen Luxus. Aber: „Sauber sollte es schon sein“, sagt C. „Vor allem zu diesem Preis.“ Denn wenn die Messe vorbei ist und auch sonst keine Großveranstaltungen in der Stadt anstehen, kostet ein Zimmer im „Daheim“ rund 55 Euro. Derzeit schlägt der Betreiber aber satte 300 Prozent drauf.

Im Internet lässt C. seine Freunde an seinen Erlebnissen teilhaben. Er schreibt: „Das ist also meine Gammelhöhle. Wie krank kann eine Stadt sein?“ Gegenüber unserer Zeitung möchte er aber klarstellen: „Das Personal war sehr nett. Sie haben meine Beschwerde verstanden und mir anstandslos mein Geld zurückbezahlt.“ An der Rezeption wird der Eindruck bestätigt. „Ja, es gibt Probleme“, heißt es auf Nachfrage. „Wir hatten einen Wasserschaden.“ Die Folgen würden in einem halben Jahr beseitigt.

Gut aufgehoben fühlte sich Wojciech C. in seinem Hotelzimmer nicht. Er verlangte sein Geld zurück. 

Den Ärger seines Kunden kann der Rezeptionist nicht verstehen. „Wir sind kein Luxus-Hotel, was hat der junge Mann denn für diesen Preis erwartet?“ Die Beschwerde sei aus der Luft gegriffen. „Wir haben viele Stammgäste und die Preise werden eben der Nachfrage angepasst.“

Wojciech C. hat jetzt eine saubere Unterkunft ganz in der Nähe gefunden. „Hier zahle ich etwa 30 Euro mehr, aber das ist es mir wert.“ Der Österreicher ist entsetzt, wie sich die Stadt ihren Gästen präsentiert. Er sagt: „Da will man gar nicht wissen, wie es in Privatwohnungen aussieht.“ Der Wiener sieht Unheil auf die Stadt zukommen. Er denke an Metropolen wie London, in denen Spekulanten ganze Straßenzüge aufkaufen und die Gebäude jahrelang leer stehen und verfallen lassen. „Es zählt nur mehr die Rendite, der Mensch spielt keine große Rolle. Dabei haben die Investoren und Eigentümer eine große soziale Verantwortung.“

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