Bau-Chaos Rund um den Münchner Hauptbahnhof

Kollaps in der Münchner City: Zahl der laufenden Baustellen explodiert - ein Ende ist noch lange nicht in Sicht

Baustelle am Hauptbahnhof München - am Bahnhofsvorplatz.
+
Baustellen-Wahnsinn in der Innenstadt: Baustelle am Hauptbahnhof München.

Im Stadtgebiet gibt es aktuell 80 Baustellen. Manche davon, wie die Sanierung des Altstadtrings, begleiten die gebeutelten Verkehrsteilnehmer schon seit Jahren. Und immer wieder ploppen neue Projekte auf.

München - Besonders schlimm ist die Situation rund um den Hauptbahnhof München*, dessen Umgestaltung selbst zu den Großbaustellen der Stadt gehört. Im Bahnhofsviertel passiert so viel, dass die Einschränkungen Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer genauso treffen wie Trambahn-Nutzer. Der tz-Report zeigt, wo jetzt und demnächst starke Nerven gefragt sind. Diese 5 Baustellen lähmen den Verkehr im Bahnhofsviertel:

Paul-Heyse-Unterführung 

Jeweils nur einspurig ging es in der vergangenen Woche in der Paul-Heyse-Unterführung* voran. Notwendig wurde die Fahrbahnsperrung wegen „Prüfarbeiten an den Tunnelwänden“, wie es vom Baureferats heißt. Außerdem sind Reparaturen an einer Gasleitung nötig. Diese „kleine“ Baustelle bleibt bis zum 18. Dezember: In dieser Zeit läuft der Verkehr südlich auf nur einer Fahrspur. Im kommenden Jahr kommt es nach den Plänen der Stadt dann zum großen Wurf in der lauten, hässlichen und nach Abgasen stinkenden Unterführung. Wie berichtet, ist die Sanierung der 210 Meter langen Passage heuer verschoben worden. Die Aufträge für das 6,3-Millionen-Euro-Projekt, offiziell als Aufwertung bezeichnet, konnten nicht vergeben werden. Nun soll es Anfang 2021 mit den Bauarbeiten losgehen. Dabei kommen zunächst die Stadtwerke zum Zug, die diesen Bereich an das Fernkältenetz anschließen wollen. Außerdem muss eine Stromleitung verlegt, eine Gasleitung entfernt werden. Los geht es bereits in der dritten Januarwoche. Die Maßnahme soll Anfang April abgeschlossen werden. Ist das geschehen, kann die Fahrbahndecke erneuert werden. Im Anschluss daran übernimmt das Baureferat: Der 100 Jahre alte Tunnel bekommt neue, helle Wandverkleidungen und ein Beleuchtungskonzept. Die Bauzeit ist auf 20 Wochen angelegt.

Paul-Heyse-Unterführung in München - auch der „Tunnel des Grauens“ genannt.

Schwanthalerstraße

Die Fernwärme-Baustelle der Stadtwerke wandert seit Monaten durch die Isar- und Ludwigvorstadt und kostet Autofahrer viele Nerven. Um das Innenstadtnetz an das Heizkraftwerk Süd anzuschließen, müssen viele Straße aufgerissen werden. Die eigentliche Verbindung soll bis Weihnachten dieses Jahres hergestellt werden. Der Netzausbau läuft aber umfassend und gerade im Bahnhofsviertel weiter. Nachdem bereits an der Herzog-Heinrich- und an der Schwanthalerstraße eifrig gebuddelt wurde, steht im nächsten Jahr die Paul-Heyse-Straße im Blickpunkt. Zwischen der Landwehr- und Schwanthalerstraße soll von Januar bis September 2021 gearbeitet werden.

Königshof am Stachus

Vielversprechendes kündigt diese Baustelle an: Bis Ende nächsten Jahres entsteht am Stachus der neue Königshof*. Anfang 2019 wurde der optisch eher schlichte Hotel-Vorgängerbau aus der Nachkriegszeit abgerissen. Jetzt kann man den Baufortschritt kann jeden Tag per Webcam mitverfolgen. Aktuell laufen die Arbeiten im Untergeschoss der neuen Luxusherberge, die ab 2021 unter anderem mit einer imposanten Fassade glänzt. Bis dahin bleibt der Bereich am Karlsplatz für die Baustelle abgesperrt. 

Ende 2017 wurde das Hotel der Königshof abgerissen. Ein neues Luxushotel mit neun Stockwerken soll dort entstehen.

 Prielmayerstraße

Der Umbau der Tramnetzes rund um den Hauptbahnhof ist weit vorangeschritten. Eine komplette Freigabe aller Linien ist laut SWM aber noch nicht möglich. Grund dafür ist ein Bauwerksschaden, der auf Höhe der Dachauer Straße im Zwischengeschoss aufgetreten ist. Er hat zur Folge, dass die Tramverbindung an der Prielmayerstraße gesperrt und die Linie 19 weiter unterbrochen ist. Wie lange dieser Zustand noch anhält, bleibt offen. „Das weitere Vorgehen ist derzeit in Klärung.“ Der Gebäudebereich gehört nicht einer städtischen Einrichtung, sondern einer Immobiliengesellschaft. Das erschwert die Planbarkeit.

Bahnhofsvorplatz

Zwar schaut es immer noch so aus, als gäbe es auf dem Bahnhofsvorplatz richtig viel zu tun: Aber schon am kommenden Montag sollen die Trambahnen am Bahnhof wieder weitgehend normal fahren. Das erklärten die Stadtwerke auf tz-Anfrage: Der Bahnhofsplatz, die Arnulfstraße und die Dachauer Straße könnten am 30. November „wieder für den Trambahnverkehr freigegeben werden.“

Die Gleisanlage wurde in den vergangenen Monaten an diesem zentralen Knotenpunkt komplett umgebaut – „und auch erweitert.“ Letzteres betrifft vor allem die Linien 16 und 17, die künftig von der Arnulfstraße direkt in die Prielmayerstraße fahren können. Vor dem Bahnhof ist zudem an einem dritten Gleis gearbeitet worden. Die Vorteile der Erweiterung: „Die Tram bekommt mehr Platz mit einer eigenen Haltestelle für die Linie 20 Richtung Moosach, sodass das Nadelöhr entschärft wird und der Betrieb künftig flüssiger und damit pünktlicher ablaufen kann.“ Außerdem wird es möglich, längere Züge einzusetzen. Fertiggestellt wird das dritte Gleis in der Zeit zwischen März und Juni 2021. Wie die Verkehrsführung bis dahin ist, wird laut KVR derzeit noch geplant. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Der Münchner Hauptbahnhof soll bis zum Jahr 2026 ein komplett neues Gesicht* bekommen. Warum ein Umbau dringend notwendig ist und was alles verändert werden soll.

Kommentare