1. tz
  2. München
  3. Stadt
  4. Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt

Betreutes Trinken am Hauptbahnhof - Hilfsangebot für Alkoholabhängige polarisiert

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Caroline Wörmann

Kommentare

Alkohol trinken ist am Münchner Hauptbahnhof vom 1. August 2019 an ganztägig verboten.
Alkohol trinken ist am Münchner Hauptbahnhof vom 1. August 2019 an ganztägig verboten. Die Caritas plant ein Hilfsangebot für Alkoholabhängige. (Symbolbild) © Michael Westermann

Der Rund-um-die-Uhr-Schluckstopp am Münchner Hauptbahnhof gilt ab dem 1. August. Für Alkoholabhängige soll es einen Suchtraum in den Räumen der Caritas geben.

München – Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat über das Projekt: Durch das kontrollierte Trinken am Hauptbahnhof sollen „Straftaten verhindert und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erhöht“ werden, heißt es in der Vorlage aus dem Sozialreferat. Dass sich die Trinkerszene seit Einführung des Alkoholverbots zwischen 22 und 6 Uhr seit Anfang 2017 verlagert hat, gilt als ausgemacht. Vor allem an der Schützenstraße und im Alten Botanischen Garten halten sich soziale Randgruppen seither verstärkt auf, wie das Sozialreferat bereits im Frühjahr konstatierte.

Ein geschützter Raum für Trinker in der Nähe des Hauptbahnhofs

Deshalb soll nun ein Hilfsangebot für Trinker kommen, ein Aufenthaltsort zum erlaubten Alkoholkonsum. Vertreter des Sozialreferats hätten sich entsprechende Einrichtungen in Augsburg und Dortmund selbst angeschaut. „Beide Einrichtungen haben zu einer wesentlichen Verbesserung der Umfeldsituation geführt“, heißt es.

Vor allem Geschäftsleute und Hoteliers hatten sich in der Vergangenheit über unhaltbare Zustände im Umfeld des Hauptbahnhofs beschwert. Damit das neue Angebot auch in der Nachbarschaft akzeptiert wird, schlägt das Sozialreferat vor, diese „genau über das Vorhaben zu informieren und regelmäßig zu Informations- und Austauschrunden in die Einrichtung zu laden“.

Geschützer Raum für Trinker: Platz für 50 Personen

Der offene Tagestreff, dessen Trägerschaft der Caritasverband München mit seinen Fachverbänden übernimmt, soll innerhalb der kommenden drei Monate eröffnen – und dann täglich von 10 bis 20 Uhr. Die Caritas bietet auf 159 Quadratmetern in einem Ladenlokal an der Dachauer Straße 3/Ecke Hirtenstraße in Laufweite nördlich des Hauptbahnhofs etwa 50 Personen Platz. Die Räume werden noch renoviert. Sozialarbeiter sollen während der Öffnungszeit präsent sein und Suchtkranken unter anderem bei Behördenangelegenheiten und in Gesundheitsfragen zur Seite stehen. Sie sollen aber auch deeskalieren, wenn es zu Streitigkeiten kommt.

Caritas-München-Chef kritisiert Vorgaben der Stadt

Er wolle den städtischen Gremien nicht vorgreifen, sagt Caritas-München-Chef Harald Bachmeier. Bekomme die Caritas aber den Zuschlag, „wollen wir mit der Aufenthalts- und Begegnungsstätte Männern und Frauen mit Multiproblemlagen, mit Sucht- und psychischen Erkrankungen und auch vereinsamten Menschen einen Zufluchtsort bieten“.

Erstaunlich: Obwohl es bei der Zielvorgabe für die Trinkerstube heißt, dass die Betroffenen einen „Ort brauchen, an dem sie sich frei von Bedingungen aufhalten können“, gibt das Konzept für die Einrichtung vor, dass in dem Suchtraum lediglich „selbst mitgebrachte ,weiche‘ Alkoholika wie Bier oder Wein“, nicht aber Schnaps & Co. konsumiert werden dürfen.

Noch in diesem Jahr will die Stadt knapp 830 000 Euro in die Erstausstattung, das Personal und die Sachkosten für das Projekt investieren. Ab 2020 wird mit etwa 1,6 Millionen Euro jährlich für die Stube gerechnet.

Polizei steht geplanter Trinkerstube skeptisch gegenüber

Voraussichtlich ab 2022 wird das Pater-Rupert-Mayer-Haus der Caritas, in dem auch die Trinkerstube unterkommt. saniert. Auch während der Bauzeit werde man eine vorübergehende Lösung in Bahnhofsnähe finden, kündigt die Caritas an.

Die politische Mehrheit für den Trinkerraum ist gesichert, die große Koalition aus SPD und CSU befürwortet ihn. Der Einrichtung skeptisch gegenüber steht dagegen die Polizei. Man wolle „die Trinkerszene nicht anziehen, sondern die Sicherheitslage verbessern“, hatte der Leiter der Verbrechensbekämpfung im Polizeipräsidium, Stefan Kastner, im Mai dieses Jahres erklärt.

---

Auch am Viktualienmarkt sollen künftig schärfere Regeln für den Alkoholkonsum gelten und Mallorca-Urlauber dürfen bald an diesen beliebten Orten keinen Alkohol mehr trinken.

Auch interessant

Kommentare

Mehr zum Thema