Mietvertrag nicht verlängert

Nach 55 Jahren ist Schluss: Beliebtes Café im Gärtnerplatzviertel muss schließen

Nächstes Frühjahr muss das Café Wiener ausziehen – nach 55 Jahren.
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Nächstes Frühjahr muss das Café Wiener ausziehen – nach 55 Jahren.

Hier schmeckt es noch wie früher: Im Café Wiener in der Rumfordstraße werden Kuchen und Torten nach alter Handwerkskunst gebacken. Doch nächstes Frühjahr muss das Lokal ausziehen – nach 55 Jahren.

München - Kuchen wie zu Großmutters Zeiten: Das ist das Motto des Café Wiener im Gärtnerplatzviertel (Ludwigsvorstadt* -Isarvorstadt*). Dort steht der Chef Rainer Wiener noch selbst in der Backstube und bereitet die Leckereien vor. Jeden Tag werden andere Kuchen und Torten angeboten. Seit 55 Jahren gibt es das Traditionsgeschäft schon – doch jetzt ist Schluss! Der Mietvertrag wurde nicht verlängert.

Das Café ist ein Familienbetrieb. Im Jahre 1966 kamen Rainer Wieners Eltern Erwin und Paula von Schweinfurth nach München* und eröffneten den Laden an der Rumfordstraße 8. Schon seit vielen Generationen ist die Familie im Bäcker- und Konditorenhandwerk tätig. Noch heute ist in dem Café das Flair der alten Tage spürbar. Die weiß lackierte Holztheke stammt aus der Anfangszeit, an den Decken hängen Kronleuchter, und die Lampen an der Wand waren früher einmal Guglhupf-Formen. Zuerst war das Lokal noch etwas kleiner, 1989 vergrößerte es die Familie.

Café Wiener (München): Die Nachricht war für die Betreiber ein Schock

Doch bis Mai 2022 muss das Café ausziehen. Die Nachricht sei überraschend gekommen und ein Schock gewesen, sagt Johanna Wallner-Wiener. „Das Café ist unser Wohnzimmer.“ Sie war ein junges Mädchen, als sie dort zu arbeiten begann. Die gelernte technische Zeichnerin wollte eigentlich nur für einige Monate Geld verdienen. Ihr großer Traum war, nach Amerika auszuwandern. „Ich hatte vorher noch nie Kuchen geschnitten und bedient“, erinnert sie sich. „Aber dann hat es mir so viel Spaß gemacht, dass ich geblieben bin.“ Ihr Mann hatte ebenfalls zunächst ganz andere Pläne: Er wollte studieren – und wurde dann doch Konditor: „Ich bin hineingerutscht“, sagt er.

Und nicht nur das: Die beiden verliebten sich ineinander und übernahmen gemeinsam das Café. Eine Entscheidung, die sie nie bereut haben. „Wir haben Stammkunden aus allen Stadtvierteln“, berichtet Johanna Wallner-Wiener. „Der Umgang mit den Gästen ist das Allerschönste.“

Manche Kunden haben als kleine Kinder im Café Wiener Bilder gemalt und kommen jetzt schon mit ihren eigenen Familien. Auch viele ehemalige Schüler, die sich vor vielen Jahren statt Mathe oder Deutsch zu büffeln lieber ein Stück Kuchen gegönnt haben, treffen sich noch heute dort.

Künftig betreibt die „Privat Bäckerei Wimmer“ an dem Standort eine Filiale

Doch kommendes Frühjahr ist Schluss. Künftig betreibt die „Privat Bäckerei Wimmer“ an dem Standort eine Filiale. „Wir werden erst umbauen und wahrscheinlich im Sommer 2022 eröffnen“, sagt Inhaber Martin Wimmer. Die Bäckerei zieht aus der nahe gelegenen Reichenbachstraße 16 um. „Die neue Fläche ist ein bisschen größer und vom Zuschnitt her einfacher“, erklärt Wimmer. Er habe unter anderem aus Platzgründen einen Makler beauftragt, eine Alternativfläche zu suchen. Der neue Laden sei ihm vermittelt worden, weil er frei werde.

Das Ehepaar Wiener will aber weitermachen. Die beiden sind bereits auf der Suche nach einem neuen Standort für ihr legendäres Café. „Wir würden wegen der Kunden gerne in der Gegend bleiben“, sagt Johanna Wallner-Wiener. Sie hofft: „Irgendwo geht immer ein Türchen auf. Wir sind zuversichtlich, dass es irgendwo weitergeht.“ - Claudia Schuri -*tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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