600 Platzverweise

Corona in München: Demonstranten wollen nicht locker lassen - „Nächsten Samstag sind wir wieder hier“

Die Teilnehmerzahl bei der Münchner Demo gegen die Corona-Beschränkungen war auf 1000 beschränkt. Diese Zahl war 20 Minuten vor Beginn erreicht. Zu schaffen machte der Polizei mehr die große Zahl von Demonstranten, die sich am Rand der Wiesn versammelten.

Die Corona-Demo auf der Theresienwiese ist friedlich verlaufen. Jenseits der Kundgebung versammelten sich jedoch 2500 Menschen rund um die Wiesn. Die Polizei schritt ein und erteilte 600 Platzverweise. Die Initiatoren der Demo* wollen auch kommenden Samstag protestieren.

Am Rednerpult auf der Bühne ist ein Pappschild aufgeklebt. „Weder rechts noch links“, ist darauf zu lesen. Die Botschaft der Demo-Organisatoren: Sie wollen sich nicht in eine Ecke drängen lassen. Die Immobilienmaklerin Sina Bodden, eine der Rednerinnen, erklärt, sie sei es leid, als Verschwörungstheoretikerin hingestellt zu werden. Und sie finde es unerträglich, dass so viel Angst vor dem Virus verbreitet werde. „Angst, Angst – und noch mal Angst.“

Corona-Demo in München: Stadt beschränkt Zahl der Kundgebuns-Teilnehmer

1000 Demonstranten versammeln sich am Samstag innerhalb eines großräumig abgesperrten Bereichs auf der Theresienwiese. Mehr hat die Stadt aus Infektionsschutz-Gründen nicht zugelassen. Die Initiatoren hatten die Kundgebung für 10 000 Personen angemeldet. Die maximal zulässige Zahl von 1000 Teilnehmern ist rund 20 Minuten vor Veranstaltungsbeginn erreicht. Um 14.50 Uhr macht die Polizei erstmals eine Durchsage per Lautsprecher an die Menschen, die sich am Rande der Theresienwiese entlang des Bavariarings drängen: „1000 Teilnehmer sind erreicht. Bitte verlassen Sie die Wiesn.“ Es folgt ein gellendes Pfeifkonzert der immer stärker anwachsenden Menge im Umfeld der Wiesn.

Randprobleme: Rund um die Wiesn versammelten sich etwa 2500 Menschen. Die Polizei schritt mehrfach ein.

Die Polizei hat unterdessen nicht wie angekündigt gut 500 Beamte, sondern 1000 Einsatzkräfte bereitgestellt. „Nicht weil wir Ausschreitungen befürchten würden, sondern um unsere Strategie umsetzen zu können“, wie Sprecher Marcus da Gloria Martins erklärt. Maxime sei, den Zustrom aufs Gelände rechtzeitig und weitläufig zu begrenzen und weitere Menschenansammlungen zu verhindern. Letzteres gelingt nicht. Dazu später mehr.

Auf der Demo selbst halten die Teilnehmer brav die Mindestabstände von 1,5 Metern ein. Zwischen den Redebeiträgen ertönt Musik aus dem Hippie-Musical „Hair“. Die Altersstruktur der Demonstranten ist gemischt, die Organisatoren selbst – alle Privatpersonen ohne politischen Hintergrund – sind eher älteren Semesters. Die Polizei spricht später von einem „überwiegend bürgerlichen Publikum“. Kleingruppen aus dem extremen Spektrum von rechts und links seien jedoch zu sehen gewesen. Hier habe es Versuche des Anheizens der Menge gegeben. Der Großteil der Leute habe jedoch vernünftig reagiert.

Corona-Demo in München: Flugblätter mit obskuren Theorien

Auf der Demo sieht man Transparente mit Slogans wie „Freiheit statt Zwang“, andere Masken mit der Aufschrift „mundtot“. Es kursieren aber auch Flugblätter mit obskuren Theorien. Die Redner auf der Bühne prangern „die Unverhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen“ an und sprechen von politischer Willkür. Ein Arzt fordert unter großem Beifall: „Lasst uns wieder ins normale Leben zurückkehren.“ Vor den Absperrungen stehen auch Kritiker der Demo – vor allem von Verschwörungstheoretikern. Sie werfen auf Plakaten die Frage auf: „Euer Ernst?“

Protest: Viele Demonstranten fühlen sich in ihren Freiheitsrechten eingeschränkt

Es ist 16 Uhr, die Leute am Bavariaring – laut Polizei rund 2500 – stehen mittlerweile dicht an dicht. Auch mehrere Seitenstraßen sind abgesperrt. Die Einsatzleitung wartet ab. Erst um 16.20 Uhr erneuert die Polizei ihre Aufforderung, umgehend das Gelände zu verlassen, weil es sich um eine „unerlaubte Versammlung“ handele. Nun kommt die Durchsage im Fünf-Minuten-Takt. Die Demonstranten skandieren: „Grundgesetz, Grundgesetz!“ Bis die Polizei ernst macht. Immer mehr Menschen, die sich widersetzen, werden abgeführt. Die Lage droht kurzzeitig zu eskalieren.

Corona-Demo in München: Polizei spricht 600 Platzverweise aus

Tut sie aber nicht. Weil die Polizei mit Umsicht vorgeht, und es auch vonseiten der Demonstranten zu keiner Gewalt kommt. Am Ende werden jedoch 600 Platzverweise ausgesprochen, von mehr als 200 Demonstranten wird die Identität festgestellt. Über 20 Personen erhalten eine Anzeige wegen Verstoßes nach dem Infektionsschutzgesetz. Martins resümiert: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf.“ Auch in Nürnberg, Augsburg und Würzburg verlaufen die Proteste weitgehend friedlich.

Fußballfan kritisiert Coronaregeln.

Dominik Krause, Stadtrat und Vorsitzender der Münchner Grünen, ist einer der wenigen Politiker, die die Szenerie am Samstag live mitverfolgen. Anders als vor einer Woche am Marienplatz sei die Veranstaltung nicht aus dem Ruder gelaufen. Krause, der relativ unverdächtig ist, der Staatsgewalt unkritisch gegenüberzustehen, sagt: „Da muss man die Polizei auch mal loben.“ Er beurteilt das Teilnehmerfeld als „sehr heterogen“. Die Veranstaltung habe eher „Happening-Charakter“ gehabt. Dennoch hätten Rechtsradikale erneut versucht, die Bühne für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Rigoros: Störer werden von der Polizei abgeführt.

Die Organisatoren der Demo wollen unterdessen kommenden Samstag wieder protestieren. Man sei guten Mutes, „dann mit 10 000 Menschen hier zu stehen“, lassen sie verlauten. Mal sehen, wie viele Personen die Stadt diesmal genehmigen wird.

*Merkur.de und tz.de sind Teile des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Sigi Jantz

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