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Radl-Streifen an Fraunhoferstraße ist der große Aufreger: Dauer-Zoff um den Weg der Zukunft

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Von: Sascha Karowski

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Josef G. (52), Radfahrer aus München © Markus Götzfried

Seit rund einem halben Jahr läuft der umstrittene Verkehrsversuch in der Fraunhoferstraße. Die neuen Fahrradstreifen sollen die Verkehrssituation verbessern, sorgen jedoch vielfach für Ärger.

Die Stadt hatte im Sommer in beiden Richtungen rote Fahrradstreifen angebracht. Für die rund 2,30 Meter breiten Spuren mussten auf 500 Metern die Stellplätze zwischen der Müllerstraße und dem Bereich Baader-/Reichenbachstraße weichen. Im Sommer wird dann zusammengefasst, wie der Test gelaufen ist. Für manche ist er bereits gescheitert.

„Krachend“, sagt FDP-OB-Kandidat Jörg Hoffmann. „Es mussten bereits fünf Einzelhändler in der Straße aufgeben. Lieferanten und Anwohner können nicht mehr halten oder parken, und Autofahrer nutzen die vermeintlich breite Straße als Rennstrecke.“ Verkehrspolitik sei nur im Rahmen eines Gesamtplans möglich. „Wir sind weiter für den Ausbau von Radwegen abseits der stark befahrenen Straßen, wie zum Beispiel durch die Hans-Sachs- und die Ickstattstraße.“

CSU-OB-Kandidatin Kristina Frank ist ähnlich kritisch, spricht von einem Politikversagen der linken Mehrheit. „Die Fraunhoferstraße war eine typische Münchner Straße. Heute ist davon nichts mehr übrig. Der Test ist krachend gescheitert.

Mobilität funktioniert nur miteinander, statt gegeneinander. Nur mit Bürgerbeteiligung, statt mit Basta-Politik.“

OB Dieter Reiter (SPD) sagte: „Die Sicherheit für die Radler, die davor sehr kritisch bewertet wurde, hat sich deutlich verbessert. Deshalb hatten Anwohner und der Bezirksausschuss für den Verkehrsversuch gestimmt. Aber natürlich muss es Nachbesserungen und vor allem bessere Parkmöglichkeiten für die Lieferfahrzeuge geben.“ Ähnlich sieht es auch Grünen-OB-Kandidatin Katrin Habenschaden: „Es war richtig, dass die Stadt diese Gefahrenstelle entschärft hat, jetzt können die Radler dort ohne Angst fahren.“ Die Kritik der Geschäftsleute nehme sie aber sehr ernst. „Deshalb sollten wir Lieferzonen nachrüsten und damit auch nicht bis zum Sommer warten.“

Wir haben uns umgehört, was Radler, Autofahrer, ein Lieferant und eine Angestellte sagen.

Fahre viel lieber

Ich habe die Fraunhoferstraße nie wirklich gemieden, aber jetzt fahre ich sie viel lieber! Es gibt zwar noch einige Hindernisse, aber für Fahrradfahrer ist es so deutlich besser. Vor allem fühlt man sich endlich sicher, was ja auf so einer befahrenen Straße wirklich selten ist als Radler. 

Josef G. (52), Radfahrer aus München

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© Markus Götzfried

Das Liefern ist Stress pur

Für mich sind Lieferungen hier Stress pur. Man hat immer Pro­bleme, einen Platz zum Halten zu finden. Wenn man einen findet, muss man mit den Waren noch wirklich weit laufen. Ich habe ex­tra schon ein Schild in mein Führerhäuschen gelegt, damit ich keinen Ärger bei Kontrollen bekomme.

Ali Mohammadi (51), Lieferant ­aus München

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© Markus Götzfried

Für Kunden super ärgerlich

Für unsere Kunden ist es super ärgerlich, wenn sie größere Bestellungen abholen müssen und nirgends parken können. Für Lieferanten ist es noch schlimmer: Sie müssen sich extrem abhetzen und sich im Zweifel ein ganzes Stück weiter weg stellen. Die Änderungen sorgen nur für Ärger!

Karin Houssaini (55), Bäckerei Zöttl

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© Markus Götzfried

Schwierig, einen Parkplatz zu finden

Hier ist es immer extrem schwierig, einen Parkplatz zu finden. Aber ich versuche es einfach. Heute hatte ich Glück – hier in der Seitenstraße. Sonst fahre ich weiter weg ins Parkhaus oder nehme doch mal die U-Bahn. Ich bin nicht täglich hier, deswegen kann ich mich damit arrangieren.

Regal Ritz (45), Ingenieur aus München

S. Karowski, S. Schneider

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