Schmalspurvariante

Denkmal an der Corneliusbrücke: Der Kini bekommt keinen Überbau

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Ein originalgetreuer Wiederaufbau mit elf Meter hoher Kuppel (wie oben auf einer historischen Postkarte zu sehen) ist vom Tisch.

Auf der Corneliusbrücke soll ein König-Ludwig-Denkmal entstehen. Allerdings nur eine Schmalspurvariante. Die aufwendige Rekonstruktion des Original-Monuments lehnt die Verwaltung ab.

München - Der Isarbalkon auf der Corneliusbrücke – auch Bastion genannt – ist ein lauschiges Plätzchen. Von hier aus bietet sich ein vorzüglicher Blick aufs Deutsche Museum und die Kirche St. Maximilian. Mehrmals fand auf dem Plateau der Kulturstrand statt. Live-Musik oder eine Cocktail-Bar könnte man sich auf dem Isarbalkon gut vorstellen. Doch eine gastronomische Nutzung an dieser Stelle schließt die Stadt aus.

Dafür soll schon bald eine Bronzestatue von König Ludwig II. die Corneliusbrücke zieren. Der Bauausschuss des Stadtrats wird wohl heute die Errichtung einer „romantischen Ruine“ auf der Bastion beschließen. Damit soll der Schlussstrich hinter eine langjährige Diskussion gezogen werden. Die Stadtrats-CSU, der Bezirksausschuss Ludwigs-/Isarvorstadt sowie eine Initiative um den Wirt Dietmar Holzapfel hatten sich für die Wiedererrichtung des Denkmals unter Verwendung vorhandener Originalteile ausgesprochen. Herausgekommen ist nun eine Kompromisslösung. Auf einen kostspieligen Überbau, die sogenannte Conche, wird verzichtet. Die Bronzestatue des Märchenkönigs soll nun frei stehen wie die Denkmäler am Promenadeplatz.

Das ursprüngliche Monument wurde 1910 enthüllt. Im Zweiten Weltkrieg wurde es teils beschädigt und die bronzene Skulptur des Königs eingeschmolzen. Das Originaldenkmal war eindrucksvoll und elf Meter hoch. Es bestand aus einem Treppensockel, auf dem ein rotundenförmiges Bauwerk mit Halbkuppel (Conche) aus rosafarbenem Marmor errichtet war. In der Conche stand auf einem steinernen Podest eine etwa 3,20 Meter hohe, überlebensgroße, mehr als zwei Tonnen schwere Figur des Königs aus Bronze. Die leere Conche blieb bis in die 60er-Jahre stehen, dann wurde sie ebenfalls abgetragen. Ihre Steine lagerten seither in Englschalking, wo Holzapfel, Wirt der Deutschen Eiche, sie vor einigen Jahren zufällig entdeckte.

Dietmar Holzapfel, Wirt der Deutschen Eiche und Förderer des Kini-Denkmals, ist froh, dass Bewegung in die Sache kommt. Die abgespeckte Variante hält er für die elegantere Lösung.

Auf der Bastion soll nun aus einem Teil der vorhandenen Naturstein-Elemente des ursprünglichen Denkmals eine „romantische Ruine“ realisiert werden. Darin soll anstelle der über drei Meter hohen Skulptur des Königs eine Nachbildung der Büste und des Oberkörpers inszeniert werden. Das Baureferat favorisiert die fragmentarische Rekonstruktion ohne kostspielige Fundamentierung. Die wäre notwendig gewesen, hätte man die gesamte, über 170 Tonnen schwere Conche wieder errichtet. Insgesamt errechnete die Verwaltung Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro.

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Einzig die Stufenanlage der ehemaligen Conche und deren Podest sollen mit dem vorhandenen Material wieder aufgebaut werden. Holzapfel wünscht sich zudem eine nächtliche Inszenierung mit indigoblauem Licht und eine Schmuckbepflanzung auf der Bastion. Im Falle einer Originalrekonstruktion wäre laut Verwaltung eine große Baustelleneinrichtung notwendig gewesen. Die Bauzeit hätte gut zwei Jahre betragen. Nun will die Stadt mit einem Budget von 500 000 Euro auskommen, wovon Holzapfel aus eigenen Mittel und weiteren Spendern mindestens 150 000 Euro in Aussicht gestellt hat.

Die CSU ist zufrieden mit dem Kompromiss. Vize-Fraktionschef Hans Theiss: „Die Rekonstruktion des Originals wäre technisch zu schwierig geworden. Die Errichtung einer romantischen Ruine samt Büste des Königs ist eine schöne Alternative. König Ludwig II. bekommt einen seinem Ruf als Märchenkönig würdigen Ort der Erinnerung, der zum Verweilen an der Isar einlädt.“ Auch die SPD befürwortet das Denkmal.

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